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Armee untersucht Explosion in Tyros vor 40 Jahren

Lange galt ein Gasleck als offizielle Ursache für die Explosion des israelischen Hauptquartiers vor 40 Jahren in Tyros. Eine neue Untersuchung deutet auf einen Terrorakt hin.
Von Israelnetz
Die Explosion in Tyros 1982 riss dutzende Menschen in den Tod

JERUSALEM (inn) – Israelische Sicherheitsbehörden wollen erneut einen Vorfall untersuchen, der sich vor mehr als 40 Jahren ereignete: Am 11. November 1982 war es zu einer Explosion im faktischen Hauptquartier der Armee in der südlibanesischen Hafenstadt Tyros gekommen. Mindestens 91 Menschen starben dabei, darunter 75 Israelis.

Offiziell nahmen die Behörden bislang ein Gasleck als Ursache an. Viele Opferfamilien betonten hingegen, dass es sich um einen Anschlag gehandelt habe. Gestützt wird dies unter anderem durch diese Punkte:

>> Augenzeugen wollen gesehen haben, wie ein Peugeot kurz vor der Explosion schnell auf das siebenstöckige Gebäude zugefahren ist

>> Bei der Untersuchung der Trümmer kam ein dazu passender Überrest eines Motors zum Vorschein

>> Laut einem Bericht des israelischen Inlandsgeheimdienst Schabak bereitete die Terror-Organisation Hisbollah einen Anschlag vor

>> Die Hisbollah hat den Vorfall für sich reklamiert. Nahe der Stadt Baalbek im Nordosten des Libanon errichtete sie zudem ein Denkmal für den Attentäter. Es handelt sich um den damals 17-jährigen Ahmad Qasir

Endgültige Untersuchung

Eine im November 2022 gebildete Ermittlergruppe kam nun ebenfalls zu dem Schluss, dass es sich um einen Anschlag gehandelt haben könnte. Anlass für die neuen Untersuchungen boten der vierzigste Jahrestag des Vorfalls und die Möglichkeit, neue Untersuchungstechniken anzuwenden.

Wie die Armee, der Schabak und die Polizei am Sonntag mitteilten, sollen nun weitere Untersuchungen folgen. Ziel sei es, eine „letztgültige Haltung zur Angelegenheit“ zu erarbeiten.

Brenzlige Lage

Israel war im Juni 1982 in den Südlibanon einmarschiert. Anlass waren Terroraktionen der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO) gegen Israel. Die PLO war seit ihrer Vertreibung aus Jordanien 1971 im Libanon aktiv.

Die Zeitung „Jerusalem Post“ spekuliert darüber, warum die Behörden den Vorfall nicht sofort als Terrorakt einstuften: Demnach ist das „Konzept“ des Selbstmordanschlags im modernen Sinn relativ neu gewesen. Als erster solcher gilt gemeinhin der Anschlag auf den US-Stützpunkt im Libanon mit 307 Toten am 23. Oktober 1983, ebenfalls durch die Hisbollah, allerdings unter dem Namen „Organisation Islamischer Dschihad“.

Außerdem habe Israel die Lage nicht weiter eskalieren lassen wollen. Erst im September 1982 war es zu dem Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila gekommen. Damals hatte die mit Israel verbundene Falangisten-Miliz hunderte Palästinenser ermordet. Das Oberste Gericht stellte später fest, dass Israel hier eine indirekte Verantwortung traf, da die Armee Hinweisen auf ein Massaker nicht früh genug nachgegangen war.

Fast genau ein Jahr nach dem Vorfall in Tyros kam es dort zu einem Anschlag, der nach zumindest offizieller Zählung als bislang „erster Anschlag von Tyros“ gilt: Ein Selbstmörder der Hisbollah jagte am 4. November ein Schabak-Gebäude in die Luft. Dabei wurden 28 Israelis und 32 libanesische Gefangene getötet. (df)

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8 Antworten

  1. Wer in ein Nachbarland einmarschiert und dort auch noch ein „militärisches Hauptquartier“ errichtet, darf sich nicht wundern, wenn der Nachbar sich gegen diese Aggression wehrt. Gleiches gilt übrigens für das palästinensische Westjordanland und Ostjerusalem. Es ist traurig, dass das Israel keine Lehre war und es immer und immer wieder meint, es könne schalten und walten, wie es ihm gefällt. Dass es dann zu solchen Reaktionen kommt, sollte niemanden wundern.

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    1. Zitat „Israel war im Juni 1982 in den Südlibanon einmarschiert. Anlass waren Terroraktionen der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO) gegen Israel. Die PLO war seit ihrer Vertreibung aus Jordanien 1971 im Libanon aktiv.“ Keiner wollte die verrückten PLOler haben. Dabei hatten sie doch nur Gutes im Sinn, damals wie heute. Es wird Zeit, dass Israel das endlich kapiert. Frage: was ist Terror?

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  2. Na, da hätten ja die DDR-Bürger andauernd Kasernen und andere Kommandozentren der Sowjets in die Luft jagen müssen. Aber rein historisch betrachtet hat sich friedlicher Protest 1989 als weitaus effektiver erwiesen. Sie, Herr Luley, sollten das durchaus erinnern können.
    Es wäre schlicht eine Geste der Redlichkeit wenn Sie gegenüber dem demokratischen Staat Israel nicht mit derart verschiedenem Masse urteilen würden.
    Wer bewusst in solchem Ausmass den Tod von Menschen durch rechtswidrige Selbstjustiz in Kauf nimmt, wie das Terroristen tun, der gehört verurteilt. Und wer so etwas rechtfertigt, muss sich nicht wundern, wenn er nicht gerade mit grösstem Respekt bedacht wird. Einfach darüber nachdenken, nicht kommentieren, jedenfalls nicht gleich heute!

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    1. @ Little Brother Mir war nicht bewußt, dass die Rote Armee in einen bereits bestehenden Staat „DDR“ einmarschiert und dort gegen den Willen der bestehenden Regierung ein Besatzungsregime aufgebaut hatte… Es gab ein Stationierungsabkommen zwischen der DDR und der damaligen Sowjetunion und ein entsprechendes Abkommen mit den anderen Alliierten. Die Situation in Deutschland mit der völkerrechtswidrigen Invasion Israels in den Libanon gleichzusetzen, ist ein sehr gewagtes unterfangen, um diesen Schritt der damaligen israelischen Regierung im Nachhinein zu rechtfertigen. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Israel steht NICHT über dem Völkerrecht. Wenn es international anerkannt werden will, muß es sich daran halten. Das gilt z.B. auch für das tagtägliche Eindringen in libanesischen Luftraum und das Überfliegen dessen Territoriums bis zur Nordgrenze mit Syrien und zurück, sowie die fast wöchentlichen Luftschläge gegen Syrien. Finden Sie, dass es „Selbstjustiz“ ist, wenn sich diese Länder gegen Israels ständige Provokationen zur Wehr setzen und z.B. eindringende Flugzeuge abzuschießen versuchen (was leider viel zu selten gelingt!)?

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      1. Interessamt! Für Luley ist also eine brutale oder sogar totalitäre Diktatur ein völlig akzeptierter Verhandlungspartner, sofern sie nur gewisse Strukturen aufbaut. Dann sind ja auch Wahlen in der DDR zu akzeptieren, nur weil sich das „Zettel falten“ Wahlen nennt. Auch Stalin, Hitler, Assad dürfen also auf Akzeptanz bei Luley rechnen!? Wichtig ist also nur die formale Hülle, aber nicht der Inhalt!?Kein Wunder dass sich Luley darüber ereifert, dass diese kriegslüsternen Israelis den Armen Syrern unter ihrem sicher zur Humanitätsduselei neigenden Führer Assad ein paar Mini-Stiche versetzen.
        Um aber nicht falsch eingeschätzt zu werden: So sehr ich den Terrorismus der palästinensischen FEIGLINGE gegen israelische Zivilisten verdamme, die obige Aktion fällt für mich unter Kriegshandlungen (da gegen Soldaten bzw. Sicherheitskräfte gerichtet) – obwohl die Grenze zum Terrorismus nicht einfach zu ziehen ist.

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  3. Nun ja, Ostjerusalem und Judea und Samaria sind keine Nachbarländer, sondern umstrittene Gebiete, deren letztgültiger Status noch weiterer Verhandlungen harrt, wobei Jerusalem als Ganzes als Hauptstadt Israels gelten muss. Ein sogenanntes arabisches Ost-Jerusalem kam ja erst durch den völkerrechtswidrigen Angriff Jordaniens zu seinem Narrativ. Und was den Einmarsch im Libanon angeht, war dieser nur folgerichtig, wenn die PLO von dort aus ihre Terroraktionen gegen Israel ausführte und koordinierte.

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