30 Jahre Terror-Chef

Die Hisbollah gehört zu den reichsten Terror-Organisationen der Welt. Im Februar 1992 übernahm Hassan Nasrallah mit nur 31 Jahren ihre Führung.
Von Carmen Shamsianpur
Der Generalsekretär der Hisbollah, Nasrallah, sieht seine Miliz bereit für eine Konfrontation mit Israel (Archivbild)

Foto: Khamenei.ir, Wikipedia | CC BY 4.0 International

Hassan Nasrallah ist seit 30 Jahren Chef der Hisbollah

Die Hisbollah, übersetzt „Partei Allahs“, ist der größte Erfolg des iranischen Revolutionsexports. Als Israel 1982 in den Südlibanon einmarschierte, errichteten die Revolutionsgarden nahe der syrischen Grenze ein Ausbildungslager und legten damit den Grundstein für die Hisbollah. Das offizielle Gründungsjahr ist 1985. Die schiitische Terrorgruppe war von Anfang an auf die Vernichtung Israels ausgerichtet. Entsprechend stand sie auch im Fokus der Israelis.

Nasrallahs Vorgänger

Abbas al-Musawi hat die Hisbollah mit aufgebaut. Als Top-Terrorist war er für zahlreiche Anschläge verantwortlich. 1991 wurde er der zweite Generalsekretär des militärischen Flügels der Terrorgruppe und damit Nasrallahs Vorgänger. Am 16. Februar 1992 wollte er zu einer Veranstaltung zum Todestag von Raghib Harb im Südlibanon fahren. Dieser schiitische Geistliche hatte sich in Vorgängerorganisationen der Hisbollah engagiert. Am 16. Februar 1984 wurde er in israelischem Auftrag erschossen. Genau acht Jahre danach eröffneten Soldaten das Feuer aus israelischen Apache-Hubschraubern auf Al-Musawis Autokolonne. Neben ihm starben seine Frau, sein fünfjähriger Sohn und vier weitere Personen.

Am 17. März desselben Jahres steuerte ein Wagen voller Sprengstoff in das Gebäude der israelischen Botschaft in Buenos Aires. 29 Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt. Die meisten von ihnen waren argentinische Zivilisten, darunter viele Kinder. Das war der Vergeltungsschlag, ausgehend von Iran und Libanon, für den Tod von Al-Musawi.

Dessen junger Nachfolger Hassan Nasrallah gehörte der Hisbollah seit ihrer Entstehung an. Der eifrige Koranschüler folgte von Jugend auf Vorbildern, die dem Iran nahestanden. Die Islamische Revolution war für ihn eine Quelle der Inspiration. Als man ihn bat, fortan der verlängerte Arm des iranischen Revolutionsführers im Libanon zu sein, war ihm das eine Ehre. Das Schicksal Al-Musawis schreckte ihn nicht ab. Er hatte sich die Märtyrerideologie zu eigen gemacht. 30 Jahre nach seinem Amtsantritt steht er der reichsten Terror-Miliz der Welt vor.

Beliebter Top-Terrorist

Anders als die Führungsriege des Iran ist Hassan Nasrallah bei seinen Untergebenen äußerst beliebt. Zu seinen großen Erfolgen rechnet er den Rückzug Israels aus dem Südlibanon im Jahr 2000 und die Freipressung hunderter palästinensischer und libanesischer Gefangener 2004. Außerdem wuchs unter ihm die Hisbollah nicht nur zu einer schlagkräftigen Miliz, sondern auch zu einer „Partei“ im politischen Sinne heran. Sie ist tief mit dem libanesischen Staat verwoben. Kritik gab es in den vergangenen Jahren lediglich für Nasrallahs Stellung im syrischen Bürgerkrieg auf der Seite Baschar al-Assads. Aber dies sind nicht die entscheidenden Punkte für seine Popularität.

Nasrallah entstammt einer einfachen Familie. Er ist das neunte von zehn Kindern. Seine Angehörigen hat er nie geschont. Das verleiht ihm Glaubwürdigkeit. Während die Kinder vieler Mullahs ausgerechnet in den USA ihr Leben genießen, schickt Nasrallah die Seinen an die Front. Sein ältester Sohn Hadi starb 1997 im Kampf gegen Israel. Ein Neffe wurde 2014 als Kämpfer in Syrien getötet. Nasrallah ist stolz auf die „Märtyrer“ in seiner Familie.

Außerdem ist die finanzielle Situation seiner Terrorgruppe kaum von der Wirtschaftskrise im Libanon oder Sanktionen und Misswirtschaft im Iran abhängig. Der Kampf gegen Israel hat Priorität, und so fließen die Dollars sogar während der Pandemie ungehindert weiter. Andere Geldquellen wie Drogenhandel, mit denen die Gotteskrieger kein Problem zu haben scheinen, versiegen sowieso nicht. Und so kann Nasrallah seinen Soldaten immer noch einen anständigen Sold zahlen, während über 80 Prozent der Libanesen in Armut versinken. Nicht zuletzt deswegen gibt es mehr als genug Freiwillige, die sich Nasrallah anschließen.

„Besetzter“ Libanon

Seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990 weigert sich die Hisbollah, ihre Waffen niederzulegen. Als offiziellen Grund dafür gibt sie die angebliche Besetzung libanesischen Landes durch Israel an. Ein kleines Gebiet auf dem Golan, die „Scheeba-Farmen“, habe Syrien an den Libanon abgetreten. Syrien bestätigt diese Behauptung, ohne jedoch schriftliche Belege vorzuweisen.

2006 erreichte Nasrallah ein „Verständigungsmemorandum“ mit der damaligen und jetzigen Regierungspartei „Freie Patriotische Bewegung“ des amtierenden libanesischen Präsidenten Michel Aun. Letzterer wollte dadurch eine Entwaffnung der Hisbollah ohne Blutvergießen erreichen. Die Vereinbarung stärkte die Terrorgruppe jedoch politisch. Die Hisbollah ist in der Lage, politische Prozesse im Libanon zu blockieren. Auch ihr Waffenarsenal hat sich seit 2006 hinsichtlich Qualität und Quantität extrem vergrößert.

Rede nach 30 Jahren

Zum gemeinsamen Todestag von Harb und Al-Musawi hält Hassan Nasrallah normalerweise eine Rede, besonders, wenn es sich um runde Jahreszahlen handelt. Am 16. Februar 2022 sind seit dem Anschlag auf Al-Musawi genau 30 Jahre vergangen. Aus nachvollziehbaren Gründen vermeidet Nasrallah Auftritte bei öffentlichen Veranstaltungen. Stattdessen spricht er per Videobotschaft zu seinen Anhängern – und Feinden.

An Israel gewandt verkündete Nasrallah, dass die Hisbollah in der Lage sei, ihre Raketen in präzisionsgelenkte Geschosse umzuwandeln. Dazu seien keine Lieferungen aus dem Iran mehr notwendig. Nicht an einem Ort, sondern über den gesamten Libanon verteilt, seien solche Raketen stationiert. Israel solle sich davor hüten, nach den Standorten zu suchen. Auch Drohnen stelle die Terrorgruppe mittlerweile selbst her. „Wir sind bereit für alle Entwicklungen in der Militärindustrie“, sagte Nasrallah.

Wer bezahlt?

Etwas Sorge scheint Nasrallah die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten zu bereiten. „Das palästinensische Volk soll standhaft bleiben“, ermutigte er. Denn am Ende des „Widerstandspfads“ zeichne sich bereits die Befreiung ab.

Das „zionistische Gebilde“ sei zeitlich begrenzt. Der Hisbollah-Chef forderte die Israelis auf, die Region zu verlassen: „Wir ermutigen die Israelis, Palästina zu verlassen, und wir sind bereit, die Kosten für ihre Tickets zu tragen!“ Tatsächlich bezahlen für solchen Hochmut die benachteiligten Palästinenser im Libanon sowie Menschen im iranischen Einflussgebiet, denen der irrwitzige Kampf gegen den jüdischen Staat vom Munde abgespart wird.

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7 Antworten

  1. Größenwahnsinniger Terrorist. Anders kann man seine Aussagen nicht bezeichnen. Aber es gibt ja auch Groß-Palästina-Apologeten, die in ihrem narzisstischen Wahn, der Staat Israel wird verschwinden gefangen sind und davon auch träumen.

    Fehlt nur noch, dass man auch Nasrallah den Friedennobelpreis zuschustern möchte.

    Wie sagte Nasrallah nach dem letzten Krieg? “Wenn ich gewusst hätte, wie die Israelis reagieren, hätte ICH den Krieg NICHT BEGONNEN. Es wäre besser, er hätte daraus gelernt.

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  2. …wenn sich eine Gelegenheit finden wird, ist wahrscheinlich auch sein Leben (bald) gewaltsam beendet. Der Mossad wird ihn auf seiner Liste sicher ganz oben haben. Fragt sich dann nur, wieviel Menschen bei den zwangsläufig zu erwartenden Gegenreaktionen dran glauben müssen…

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  3. Paulus hat vor seiner Bekehrung als Saulus die Christen vehement verfolgt….und bei Gott ist kein Ding unmöglich. Könnten nicht die Gebete für Israel auch in diese Richtung gehen, dass Jesus aus etlichen dieser
    Verfolger glühende Jesus-Anhänger macht !!!????

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  4. Das mit dem Friedensnobelpreis wird sicherlich noch kommen, denn Arafat bekam ihn auch. Ich frage mich aber; Wieso steht dieser Verbrecher noch nicht vor dem UN Tribunal in Den Hag und läuft noch frei herum?

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  5. In dem Bericht wurde der Verbrecher ja fast Heilig gesprochen … ich hoffe doch das wir sein Jubiläum nicht mitfeiern müssen. Der gehört in ein tiefes Loch… und Deckel drauf

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  6. Ich nenne diese Bewegung einfach Wiederstand Bewegung,von sich aus haben sie nie einen Krieg angefangen!Wiederstand ist Menschenrecht! Weshalb maschiert Israel einfach in ein fremdes Land ein!?

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