Bibellesen als Mittel gegen Verführung

Im Gottesdienst des Israelkongresses fordert ein messianischer Gemeindeleiter Christen auf, sich gegen Verführung zu wappnen. Angesichts von Kriegen und Katastrophen sollten sie sich nicht entmutigen lassen.
Von Elisabeth Hausen

SCHWÄBISCH GMÜND (inn) – Verführung und Irrlehren sind derzeit die größte Gefahr für Christen. Diese Ansicht äußerte der Leiter der messianisch-jüdischen Pniel-Gemeinde in Tiberias, Daniel Jahav, am Sonntag auf dem Israelkongress in Schwäbisch Gmünd.

Das Wichtigste sei der Glaube an Jesus, sagte Jahav im Gottesdienst der Konferenz. Er öffne die Tür für die Ewigkeit. Jesus selbst habe vor Verführung und auch vor falschen Messiassen gewarnt, die Zeichen und Wunder tun würden (Matthäus 24,4–5).

In der Predigt verwies der Israeli auf das Gleichnis vom Hausbau (Matthäus 7,24–27): Wer sein Lebenshaus auf Jesu Wort baue, bleibe bestehen. Den Sand als unsicheres Fundament deutete Jahav als „das, was andere denken“. Medien und Zeitgeist könnten Christen negativ beeinflussen, wenn sie das zuließen.

„Warum ist der Teufel so wild?“

Weiter sagte er: „Der Teufel versucht schon wieder, Israel zu vernichten – wie vor 80 Jahren.“ Der Iran habe keine gemeinsame Grenze mit dem jüdischen Staat; dennoch greife er ihn an. „Warum ist der Teufel so wild?“, fragte Jahav und antwortete: Er habe nicht mehr viel Zeit (Offenbarung 12,12). Der Heilsplan Gottes bewege sich und gehe weiter, auch durch die Rückkehr vieler Juden nach Israel. Der Teufel verstehe: „Bald kommt Jesus zurück.“

Und der Teufel wisse, dass am Ende der Zeit die Juden Jesus als ihren Messias erkennen würden. Mit Bezug auf die Geschichte von Jakobs Sohn Josef im 1. Buch Mose würden sie bekennen: „Du bist Josef, unser Bruder. Wir dachten, du bist ein Ägypter. Wir haben dich verraten und verkauft.“ Sie würden Jesus um Hilfe anrufen, und er werde kommen.

Um der Verführung zu widerstehen, gab Jahav Christen drei Ratschläge: Erstens sollten sie sich Zeit nehmen, um Gottes Wort zu lesen. Zweitens sollten sie Gott immer wieder um den Heiligen Geist bitten. Der dritte Rat findet sich in Lukas 21,28 und bezieht sich auf Kriege und Naturkatastrophen: „Wenn aber diese Dinge anfangen zu geschehen, so blickt auf und hebt eure Häupter empor, weil eure Erlösung naht.“ Der Gemeindeleiter ergänzte: „Petrus konnte auf dem Wasser gehen, solange er auf Jesus schaute.“

Foto: Israelnetz/Christian Biefel
Zum Abschluss des Gottesdienstes sang Jahav der Gemeinde den Aaronitischen Segen auf Hebräisch zu

Tempel als Ort der Gottes-Nähe

Mit der Endzeit befasste sich auf dem Kongress auch Bettina Hakius. Sie ist Theologische Referentin beim Evangeliumsdienst für Israel (edi). In ihrem Seminar ging es um „Sehnsucht nach Gottes-Nähe und Anbetung: Der Tempel in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“.

Hakius wies darauf hin, dass nach biblischer Überlieferung weder im Garten Eden noch im neuen Jerusalem ein Tempel existiere. Doch für die Stiftshütte und damit auch den Tempel seien die Vorschriften minutiös in 3. Mose beschrieben. Das heiße: „Gott ist es nicht egal, wie wir ihm begegnen.“ Mose habe nicht ins Stiftszelt gehen können, weil die Herrlichkeit des Herrn es erfüllte (2. Mose 40,24f).

„Sind wir uns des Privilegs bewusst?“, fragte die Theologische Referentin mit Bezug darauf, dass Christen jederzeit Zugang zu Gottes Thron haben. Wenn am Tag von Jesu Kreuzigung nicht der Vorhang vor dem Allerheiligsten zerrissen wäre, „könnten wir nicht durchmarschieren“. Sie zitierte aus Hebräer 6,19f: „Diese <Zusagen> haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele, der hineinreicht in das Innere hinter dem Vorhang. Dahinein ist Jesus als Vorläufer für uns gegangen, er, der Hoherpriester geworden ist in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.“

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Im Seminar von Bettina Hakius ging es um die Bedeutung des Tempelbergs

Jesus war kein Levit, sondern aus dem Stamm Juda. Deshalb hätte er das Allerheiligste nicht betreten dürfen. Doch als Priester nach der Ordnung Melchisedeks sei es ihm möglich gewesen, erläuterte die Referentin.

Christen machten nach der Zerstörung des Tempels eine Müllhalde aus dem Tempelplatz, das wertete Hakius als Ausdruck der Ersatztheologie. Anfangs hätten noch Juden dort gebetet. Damit hätten sie aufgehört, weil sie das Allerheiligste meiden wollten, dessen genauer Ort nicht mehr bekannt war. Als Kalif Omar eine Moschee in Jerusalem errichten wollte, schlug ein Priester den zur Müllhalde umfunktionierten Tempelberg vor. Doch am Ende der Tage werde der Berg fest stehen und der erhabenste sein (Jesaja 2,2).

„Apartheid-Keule gegen Israel“

Auch Marcel Rebiai wies in einem Seminar darauf hin, dass Christen dem Kalifen im 7. Jahrhundert den damals für sie uninteressanten Tempelberg angeboten hatten. Er ist in der Schweiz aufgewachsen und widmet sich in Jerusalem der Stärkung von messianischen und arabischen Pastoren.

Das Seminar stand unter dem Titel „Israel im Spannungsfeld von islamischer Welt und dem Westen“. Rebiai sagte, vieles sei irrational am Umgang mit Israel. „Minderheiten nehmen am gesellschaftlichen Leben teil.“ Doch im Westen werde eine „Apartheid-Keule“ gegen Israel gezückt.

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Marcel Rebiai unterstützt messianische und arabische Pastoren

Jerusalem sei für die jüdische Identität zentral, betonte Rebiai. Was die Stadt so speziell mache, sei der Tempelberg – der Ort der Gegenwart Gottes. „Die Christen haben den Tempelberg den Moslems in die Hände gegeben.“ Diese hätten 1.400 Jahre mit kurzer Unterbrechung Jerusalem beherrscht. An einer „Zwei-Staaten-Lösung“ indes habe die islamische Welt kein Interesse. Sonst hätten die Araber, die islamischen Staaten und die Welt fast 20 Jahre lang die Möglichkeit gehabt: Bis Juni 1967 waren das Westjordanland, Ostjerusalem und der Gazastreifen in arabischer Hand.

Hightech-Landschaft kaum vom Krieg beeinflusst

Eine „unvergessliche Entdeckungsreise in die Start-up-Nation Israel“ bot derweil Ansgar Niehoff an; er leitet den Bereich „CSI Business“ bei „Christen an der Seite Israels“. Im Oktober 2025 hatte er sich mit acht Leuten vor Ort darüber informiert, wie eine Zusammenarbeit mit Israel auf wirtschaftlicher Ebene aussehen könnte. Dabei hätten sie sich davon überzeugen können, dass die Hightech-Landschaft kaum vom Krieg beeinflusst sei: „Die Start-ups wachsen.“

Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen
Ansgar Niehoff hat mit einer Gruppe aus Deutschland Start-ups in Israel besucht

Die Gruppe besuchte auch Orte des Hamas-Massakers vom 7. Oktober. Im Kibbuz Kfar Asa lernte sie das Start-up „Kenaf Ventures“ kennen. Die Naturfaser Kenaf kann unter anderem zur Herstellung von Beton dienen. „Dort ist so viel Schreckliches passiert“, sagte Niehoff. Doch es sei typisch israelisch: „das Beste aus jeder Situation zu schaffen und immer wieder Hoffnung zu schöpfen“.

Konzerne wie Google, Apple, Microsoft und Nvidia unterhielten Forschungszentren in Israel. Die stärksten Firmen Deutschlands, SAP und Siemens, seien am meisten in Israel vertreten. „Leute, die Israel boykottieren wollen, dürften eigentlich gar nicht im Internet unterwegs sein“, folgerte der Wirtschaftsexperte.

Als Christ unter Juden leben

Vom „Leben im jüdischen Kontext“ wiederum erzählte Benjamin Funk, der mit seiner Familie in Nordisrael lebt. In einem Bauerndorf seien sie sie als Deutsche und als einzige Christen zunächst Außenseiter gewesen. Ohnehin: „Im Dorf muss man sich die Sporen verdienen“, das sei überall so. Doch seien sie als Fremdlinge freundlich willkommen geheißen worden.

Dann habe der Krieg die Bewohner zusammengechweißt. Mit Juden in einem Bunker hätten sie Todesängste ausgestanden. Diese rechneten es den Christen aus Deutschland hoch an, „dass ihr nicht gegangen seid“.

Zum jüdischen Leben gehören die biblischen Feste. Selbst Juden im KZ und in den Gaza-Tunneln hätten sie gefeiert, sagte Funk. Sie „schaffen Identität“. Die Schabbat-Mahlzeiten am Freitagabend mit Liturgie trügen zum Zusammenhalt der Familie bei. „Mehr als Israel den Schabbat gehalten hat, hat der Schabbat Israel gehalten“, zitierte der Referent den zionistischen Aktivisten Achad Ha’am (1856–1927). Die Feste böten Kontinuität für ein ganzes Land. Sie zeigten die Abhängigkeit von Gott.

Der Israelkongress wurde vom 8. bis 11. Oktober im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd abgehalten. Er stand unter der Überschrift: „Israel geht uns alle an“. Zu den Organisatoren gehörte auch Israelnetz.

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2 Kommentare

  1. Danke an den Schönblick für das tolle Programm, die Seminare, Martin Scheuermann und Team, danke an Frau Hausen, danke an Pastor Daniel aus Tiberias und all die anderen Geladenen für wertvolle Hinweise. Danke an Jesus , der hinter Allem steht und vor allem seinen Plan zur Vollendung bringt. IHM sei alle Ehre !

  2. Ich habe mir den Abschluss-Gd von Daniel Yahav im Livestream angeschaut. Jedes seiner Worte sprach mir aus der Seele. Die mess. Gemeinde Tiberias kann sich glücklich schätzen einen solchen Pastor zu haben. Ich habe mir ein Buch von ihm bestellt: „Und er wird das Herz der Väter wieder zu den Söhnen wenden.“
    Benjamin Funk höre ich gern in Bibel-Tv Fokus Jerusalem.

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