Google und Israel: Hintergründe einer umstrittenen Beziehung

Zahlreiche Studente verlassen eine Rede des Google-Chefs Pichai. Seit Jahren steht die Geschäftbeziehung zwischen Israel und dem Tech-Konzern in Kritik. Das steckt dahinter.
Von Israelnetz
Kein gemeinsamer Kampf gegen Hetze: Google hat entsprechende Darstellung aus Israel zurückgewiesen

Der Google-Geschäftsführer Sundar Pichai betritt die Bühne auf der Absolventenfeier der Stanford-Universität im US-Bundesstaat Kalifornien. Es ist eigentlich ein Heimspiel für den ehemaligen Studenten der Hochschule – doch willkommen geheißen wird er nicht wirklich. Noch bevor er am Rednerpult angekommen ist, beginnt unter den Zuschauern eine Unruhe.

Zahlreiche Absolventen stehen von ihren Plätzen auf und verlassen die Veranstaltung. Viele von ihnen rufen währenddessen „Freiheit für Palästina“. Ein Geschäftsvertag ist der Grund für die Kritik.

Das Nimbus-Projekt

Am 21. April 2021 unterzeichnete Google gemeinsam mit Amazon Web Services (AWS) einen 1,2-Milliarden-Dollar-Vertrag mit der israelischen Regierung. Es war die Geburtsstundes des Nimbus-Projektes: Eine grundlegende IT-Umstrukturierung der israelischen Behörden. In dem bis heute andauernen Projekt geht es laut der Regierung um Modernisierung mithilfe einer technologischen, organisatorischen und geschäftlichen „Revolution“. Demnach wird der technische Strukturwandel durch Cloud Computing (Rechnen in Wolken) vollzogen.

Die Tech-Konzerne stellen somit Software, Rechenzentren und Server zur Verfügung. Israelische Behörden benötigen dann lediglich einen Computer mit Internetzugang. Durch den „Cloud“-Zugriff besteht daraufhin die Möglichkeit, komplexe Softwareleistungen und Rechenvorgänge online abzuwickeln.

Gemäß Vertrag steht Israel seitdem auch komplexe KI-Technologie zur Verfügung. Google und Amazon sind dabei Vertragspartner und gleichzeitig Kontrahenten. Jede Behörde kann pro Dienstleistung individuell entscheiden, ob sie die AWS-Dienste einkauft oder eine Abwicklung durch Google bevorzugt. Der Hintergedanke dabei: Keine Abhängigkeit von einem Partner und eine zusätzliche Qualitätssicherung durch Konkurrenzdruck.

Kritiklos ging das an Google nicht vorüber. Der Vorwurf: Eine mögliche Nutzung der IT-Dienste durch das israelische Verteidigungsministerium. Ein ehemaliger Mitarbeiter und Whistleblower informierte beispielsweise Anfang des Jahres die amerikanische Tageszeitung „Washington Post“ darüber, dass KI-Technologie von Google auch bei Drohnen-Aufklärungsflügen im Gazastreifen Anwendung finde. Ein Sprecher des Unternehmens wies die Vorwürfe zurück. Die israelische Armee bezog dazu keine Stellung.

Knapp 30 Mitarbeiter entlassen

Auch im Jahr 2024 sorgten Mitarbeiterproteste bei Google für Aufsehen. Angestellte führten dort einen mehrere Stunden anhaltenden Sitzstreik durch. Ort der Blockade war das Büro eines Managers, der zu diesem Zeitpunkt für „Cloud“-Dienstleistungen verantwortlich war.

Der Protest gründete sich auf einer Recherche des amerikanischen „Time“-Magazins. Auf seiner Website berichtete es von einem Vertrag zwischen Google und dem israelischen Verteidigungsministerium. Darin habe das IT-Unternehmen der Behörde mehrere Millionen Dollar für Beratungsdienste in Rechnung gestellt. Google relativierte die Vorwürfe: Die Dienstleistungen seien nicht mit militärischen oder geheimdienstlichen Aufgaben verbunden. Als Folge der Proteste entließ das Unternehmen 28 der beteiligten Mitarbeiter.

Das Nimbus-Projekt ist nur ein Teil der Geschäftsbeziehungen zwischen Google und dem israelischen Staat. Das Unternehmen prägt die Technologie-Branche in Israel seit mehreren Jahren. Unter anderem hat Google wichtige Entwicklungsstandorte in Tel Aviv und Haifa.(cb)

Die wichtigsten Projekte von Google in Israel

2006: Gründung vom ersten Google-Entwicklungsstandort in Haifa

2012: Erwerb des Softwareunternehmens LabPixies (ca. 25 Millionen US-Dollar)

2013: Kauf des israelischen Navigationsdienstleisters Waze (ca. 1,3 Milliarden US-Dollar)

2013: Übernahme des KI-Start-ups Wavii (ca. 30 Millionen US-Dollar)

2021: Nimbus Projekt mit der israelischen Regierung beginnt (1,2 Milliarden US-Dollar)

2026: Übernahme des Cyber-Security-Unternehmens Wiz (ca. 32 Milliarden US-Dollar)

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2 Kommentare

  1. Die Dienstleistungen, welche Google für den Staat Israel erbringt, werden von zahlreichen Personen kritisiert, weil derzeit eine allgemeine Israel kritische Haltung besteht. Die Mitarbeiterproteste wegen der Zusammenarbeit zwischen Google und dem Staat Israel kann ich nicht verstehen, die Google-Mitarbeiter sollen froh sein, dass sie eine Arbeit haben angesichts der vielen Obdachlosen in den USA.

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  2. Sorry, aber mittlerweile kann ich Unis nur noch in Ironie bewerten. Studenten schaukeln sich mittlerweile überall hoch. Meinen solche mit “ Free Palästine “ nicht Hamas, die das Volk in Gaza missbrauchen für Terror? Meinen diese Studenten nicht Abbas, der seinem Volk Milliarden von Hilfsgeldern vorenthielt? Nein, diese Studenten sehen die Gewalt, Unterdrückung, der Pal- Führer nicht. Ich nenne sie nicht intelligent und nicht freiheitlich, tolerant handelnd. Sie stehen für terroristische Unterdrückung von Pal Führern gegen das Volk. Kapieren es nicht.
    Israel hat Verteidigungsrecht. Katar, Iran u.a. finanzieren den Tod von Pals und Libanesen. BDS neidet Israel ihren Erfolg.
    Deshalb wirtschaftlich Vernichtungsstrategie.
    Kapieren Studenten auch nicht. Schaltet doch einfach eure Handys ab. Was braucht ihr Google? LACH, lach. Shalom

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