Herzog: „Israelischer Heldenmut mit nichts auf der Welt vergleichbar“

Drei Jahre nach dem Hamas-Massaker gedenkt Israel der Opfer. Das Staatsoberhaupt betont die Bedeutung des Heldentums vom 7. Oktober.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Anlässlich des nationalen Gedenktages hat der israelische Staatspräsident Jizchak Herzog die Helden des 7. Oktober 2023 gewürdigt. Der Gedenktag ist zwei Tage nach Simchat Tora, dem jüdischen Datum des Massakers, am 24. Tag des Monats Tischrei. In diesem Jahr fiel er auf den 5. Oktober.

Die Flaggen in Israel wehten auf halbmast. Auf dem Jerusalemer Herzlberg gab es am Montag zwei staatliche Zeremonien: eine für die gefallenen Soldaten und eine für die zivilen Opfer.

Herzog sagte beim Gedenken an die Gefallenen auf dem Militärfriedhof: „In den vergangenen drei Jahren haben wir Familien gesehen, die mit Verlust ringen, mit Verletzungen, mit unerfüllten Hoffnungen, mit fortdauernder Ungewissheit, und mit einer Forderung nach Antworten. Israelische Bürger mussten ihre Häuser verlassen, Gemeinden wurden aus ihrem täglichen Leben gerissen, und ein ganzes Land musste sich einer Realität stellen, die wir nie zuvor gekannt hatten.“

In alledem habe sich Stärke gezeigt: Israelis, die aus ihrem Schmerz heraus anderen halfen. Das Volk habe Tiefen, aber auch Höhen erlebt. Die Geiseln seien nach Hause gebracht worden, leider einige nur noch fürs Begräbnis, fügte das Staatsoberhaupt hinzu.

„Warnlichter im Wahlkampf beachten“

Indes äußerte Herzog eine Warnung: „Mitten im Wahlkampf müssen wir genau hinschauen und die blendenden Warnlichter beachten, die eine tiefe Spaltung und gefährliche Riffe signalisieren. Natürlich dürfen wir unterschiedlicher Meinung sein, und es ist sogar unsere Pflicht, über die wichtigen Themen und die großen Fragen zu debattieren. Aber wir müssen daran erinnern: Wer heute mit dir nicht übereinstimmt, wird morgen ebenso an deiner Seite hier leben. Ihre Kinder werden im selben Land aufwachsen wie deine. Sie werden aufgerufen werden, es zu beschützen und seine Zukunft zu bauen – gemeinsam.“

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Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) konzentrierte sich in beiden Reden auf Drohungen gegen Israels Feinde in der Region, wie die Nachrichtenseite „Times of Israel“ berichtet. So erklärte er beim Gedenken an die gefallenen Soldaten, Israel werde weiter jeden verfolgen, der an dem Großangriff der Hamas und Angriffen auf Israel in der Region beteiligt war.

Der Regierungschef ergänzte: „In Gaza wird es keinerlei Hamas-Herrschaft geben. Jeder, der an dem Angriff gegen uns beteiligt war, jeder, der unsere Geiseln hielt, muss mit seinem nahen Ende rechnen.“ Er lobte die Kämpfe des Militärs gegen Hamas, Hisbollah, Iran und andere Gegner im Sieben-Fronten-Krieg.

Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) blieb beiden Zeremonien fern. Er wollte nach eigenen Angaben nicht mit Mitgliedern der aktuellen Regierung auf der Bühne stehen, die „sich geweigert haben, Verantwortung zu übernehmen, Kommandeure der israelischen Armee beschuldigt und keine staatliche Untersuchungskommission zugelassen haben“. Stattdessen wolle er an einer Gedenkzeremonie teilnehmen, die Familien von Opfern organisierten.

Straße des Schlachtfeldes und der Rettung

Beim Gedenken an die zivilen Opfer erinnerte Präsident Herzog an die „Schnellstraße 232“, die parallel zur Gaza-Grenze verläuft: „Am Morgen des 7. Oktober hörte die Schnellstraße 232 auf, eine gewöhnliche Straße zu sein. Blutdürstige Terroristen verwandelten sie in ein Kriegsgebiet. Über sie drangen sie in Städte, Kibbuzim und Gemeinden ein, wobei sie die ruhigen Straßen eines Schabbat-Morgens in ein Schlachtfeld verwandelten. Sie nahmen Hunderten unschuldigen Zivilisten das Leben, israelischen Frauen und Männern, und mit ihnen mehreren Ausländern, die ihr Schicksal mit dem unsrigen verbunden hatten.“

Weiter sagte er: „Aber es wurde auch eine Straße der Rettung. In eine Richtung waren viele gezwungen, zu fliehen, während sie danach strebten, ihr Leben zu retten oder um Hilfe zu rufen. In die andere Richtung, genau zur selben Zeit, fuhren Menschen der Gefahr entgegen, um genau diese Hilfe anzubieten. Sie machten sich auf, ihre Schwestern und Brüder zu retten. Durch ihren Heldenmut entdeckten wir eine der großen Wahrheiten über Israel: Wenn jemand am Straßenrand zurückgelassen wird, gibt es Israelis, die schlicht nicht weiterfahren können, als hätten sie sie nicht gesehen.“

Dies sei israelisches Heldentum, dem in der Welt nichts gleiche, betonte Herzog. „Wir sahen es gerade wieder bei der schweren Katastrophe, die am Himmel abgewehrt wurde dank der bemerkenswerten Findigkeit israelischer Passagiere auf einem Flug von Dubai nach Tel Aviv.“

Netanjahus Rede bei der Gedenkveranstaltung für zivile Opfer unterbrach ein trauernder Vater, der rief: „Sie haben meinen Sohn am 7. Oktober nicht beschützt. Sie haben 1.200, die an einem einzigen Tag ermordet wurden, nicht beschützt – Schande!“

Armeechef: Neue Wirklichkeit löscht Versagen nicht aus

Am Sikim-Stützpunkt, der am 7. Oktober angegriffen worden war, gab es eine weitere Zeremonie. Armeechef Ejal Samir sagte: „Vor drei Jahren, an Simchat Tora, ist die israelische Armee bei ihrer Mission gescheitert, die Bürger Israels zu beschützen. Hamas-Terroristen drangen in Gemeinden und Stützpunkte ein, massakrierten, entführten und ließen tiefe Zerstörung hinter sich.“

Nach drei Jahren gebe es eine andere Sicherheitswirklichkeit: „Unsere Kommandeure und Kämpfer, sowohl beim stehenden Heer als auch bei der Reserve, kämpften an allen Fronten und erlangten entscheidende Erfolge. Aber selbst diese Erfolge, die die Wirklichkeit verändert haben, löschen nicht das Versagen des 7. Oktober aus und mindern nicht unsere Verantwortung dafür.“

Er fügte an: „Aus diesem bitteren Scheitern und dem schweren Fehler müssen wir den Weg dahin führen, die Nation wieder aufzubauen und zu stärken.“ An der Veranstaltung nahmen Hinterbliebene und verwundete Soldaten teil. Auch die ehemalige Geisel Avinatan Or war zugegen. Er kam am 13. Oktober 2025 nach fast zwei Jahren frei.

Am und nach dem 7. Oktober sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bislang 1.318 Mitglieder der Sicherheitsdienste zu Tode gekommen. Zu ihnen gehören Soldaten, Polizisten, Geheimdienstagenten, Feuerwehrleute, Gefängnisaufseher und zivile Sicherheitsbeamte. Gezählt werden Todesfälle im Dienst, aber auch nach einem Unfall, einer Krankheit oder Suizid. (eh)

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4 Kommentare

  1. Shalom allerseits. Selbst jetzt nach drei Jahren haben wir uns noch nicht von dem Trauma des 7. Oktober 2023 erholt; ein solch tiefgreifendes Trauma wird unser kollektives Bewusstsein und unsere Identität nachhaltig prägen.
    Was mir im Zusammenhang mit diesem schrecklichen Terror-Massaker – bei dem Zivilisten ermordet, vergewaltigt und verschleppt wurden – besonders im Vordergrund steht, ist die Frage nach den tieferen Ursachen: Wie konnte es zu einem solchen Massaker kommen?

    Benjamin Netanjahu hatte im Vorfeld des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 mehrere konkrete Warnungen erhalten. Diese Warnungen kamen nicht aus dem luftleeren Raum; sondern aus dem eigenen Sicherheits- und Verteidigungsbehörden des Landes. Das haben die Aussagen von Jesch Atid sowie investigative Medienberichte längst offengelegt.
    Deshalb brauchen wir eine unabhängige staatliche Untersuchungskommission zu dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, damit die Wahrheit endlich ans Licht kommt.

    Die Weigerung der Regierung Netanjahu, die politische Verantwortung für dieses beispiellose Sicherheitsversagen zu übernehmen und eine staatliche Untersuchung zulassen, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Angehörigen.

    Aus diesem Grund finde ich es richtig von Jair Lapid, der staatlichen Gedenkfeier fernzubleiben. Aus meiner Sicht hat die aktuelle Regierung unter Benjamin Netanjahu am 7. Oktober das größte Sicherheitsversagen in der Geschichte des Landes zu verantworten und besitzt keine moralische Legitimation, die offiziellen Gedenkfeiern auszurichten.

  2. „Israelischer Heldenmut mit nichts auf der Welt vergleichbar.“ Unterschreibe ich sofort. Das Volk Israel = Gottes Volk.
    Gottes Volk darf nie ermüden,
    kämpfen muss es Tag für Tag.
    Rufen falsche Wächter: „Frieden!“,
    Volk des Herrn, sei immer wach! 🎼🙏🇮🇱

  3. Benjamin Netanjahu: jeder, der unsere Geiseln hielt, muss mit seinem nahen Ende rechnen. Bei der hohen Zahl der Hamas-Helfer, wird das keine leichte Aufgabe sein.

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