In der Ausrufung eines Siedlungsboykottes durch die britische Labour-Regierung zeigt sich eine Mischung aus Einseitigkeit und Geschichtsvergessenheit. Mit der Initiative kommt die Regierung anti-zionistischen Wählergruppen entgegen. Das zeigt sich daran, dass sie es versäumt, Palästinenser mit in die Verantwortung zu nehmen.
Außenminister Ed Miliband glaubt, dass eine „Zwei-Staaten-Lösung“ Stabilität oder gar Frieden bringt. Das ist eine steile These: Noch immer gilt die Charta der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) von 1968, die eine Auslöschung Israels fordert. Noch immer gilt der Zehn-Punkte-Plan der PLO von 1974, der die Erreichung dieses Ziels auch stufenweise zulässt, etwa mit diplomatischen Zwischenschritten. Noch immer bestehen die Palästinenser auf das „Rückkehrrecht“ der so genannten „Flüchtlinge“.
Vielsagender Verzicht
Miliband hätte die Palästinenser bei diesen Punkten in die Pflicht nehmen können. Er hätte etwa eine nachvollziehbare Revision der PLO-Charta einfordern können. Er hätte verlangen können, dass Palästinenser aufhören, ihre Kinder zu Juden- und Israelhass erziehen, etwa in den Schulen des UN-Hilfswerks für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA). Und er hätte diese Forderungen mit Androhung von Sanktionen unterlegen können.
Indem er darauf verzichtet, folgt Miliband einer britischen Tradition: Bereits als Mandatsmacht für Palästina ist das Land vor den Gewaltaktionen der Araber eingeknickt. 1939 beschränkte die Regierung daher Zuwanderung der Juden. Der damalige Außenminister Anthony Eden (1897–1977) gab die Marschroute vor: „Wenn wir eine Seite kränken müssen, dann lasst uns lieber die Juden kränken als die Araber.“
Zentrale Erfahrung ausgeblendet
Mit seinem Ansatz macht Miliband Israel allein verantwortlich für die Übel in der Region. Das umso mehr, als er in grober Weise die Erfahrungen des Rückzugs aus dem Gazastreifen 2005 übergeht: In der Hoffnung auf Frieden räumte Israel in einem drastischen Schritt das Gebiet, erhielt dafür aber ständigen Terror, sogar ein Terrormassaker. Die israelischen Sorgen sind berechtigt, dass sich das im Westjordanland bei einem Rückzug wiederholt – mit drastischeren Folgen, da Israel dann nicht mehr zu verteidigen wäre.
In seiner Rede behauptete Außenminister Ed Miliband, er sei ein „Freund“ Israels und werde Antisemitismus in Großbritannien bekämpfen. Zugleich verunglimpfte er den jüdischen Staat: Er beklagte, Israel habe im Gazakrieg 70.000 Palästinenser getötet. Dabei versäumte er es, zwischen Terroristen und Zivilisten zu unterscheiden. Mit derlei Darstellungen befeuert er Antisemitismus im eigenen Land und nährt Zweifel, dass sein Ansatz auf einer realistischen Einschätzung der Lage fußt.
3 Kommentare
Nicht Israel oder Israelis an sich sind das Problem. Das Problem liegt genau bei den Personen wie Daniel Frick. Das Siedler Problem ist real. Das weiß die Welt und das weiß auch die Regierung. Trotzdem versucht der Autor hier die Schuld und das Versäumnis dort aufzuräumen wo das Problem ist auf andere zu schieben. Die Siedler sind schuldig in diesem Terror den Sie veranstalten, aber die Palästinenser….
Miliband kämpfe gegen den Antisemitismus in GB, aber er habe gesagt Israel hat 70000 Menschen in Gaza getötet.
Der Versuch hier von den eigenen Missetaten abzulenken und mit dem Finger auf andere zu zeigen funktioniert diesmal nur bedingt.
Als Autor sollte man Kritikfähig sein, der Text von Daniel Frick zeigt aber eine ganz andere Wahrheit auf.
Schauen wir mal wie das Wissen von Bibi über den 7.10 hier noch so dargestellt und ins richtige Licht gerückt wird, dass am Ende Mohammed bin Zayed als der schlechte dastehen wird.
Außenminister Ed Miliband behauptet, er sei ein „Freund“ Israels. Gott schütze mich vor meinen „Freunden“, sagt unser Bischof, vor den Feinden kann ich mich selbst schützen.
Die britische Labour-Regierung handelt aus rein innenpolitischen Motiven, um enttäuschte Wähler in Großbritannien zu besänftigen.
Aber: Die Reaktion der israelischen Regierung darauf ist jedoch rein populistischer Wahlkampf und schadet unseren eigenen Interessen.
Diplomaten auszuweisen und kindische Debatten über die Falklandinseln anzuzetteln, bringt uns keinen einzigen Verbündeten zurück.