Heftige Kritik am Verhalten Ben-Gvirs

Der israelische Minister Ben-Gvir ist bekannt für seine Provokationen. Sein Umgang mit Aktivisten sorgt nun für breite Empörung.
Von Israelnetz
Itamar Ben Gvir bei Knesset-Debatte zur Einführung der Todesstrafe für Terroristen

JERUSALEM (inn) – Der israelische Polizeiminister Itamar Ben-Gvir hat durch sein Verhalten gegenüber den Aktivisten der Gaza-Flottille einen Sturm der Entrüstung im In- und Ausland ausgelöst. Kritiker werfen dem Chef der Partei „Jüdische Stärke“ Demütigung der Aktivisten vor. Dies wiederum schade dem Ruf Israels.

Ben-Gvir hatte das Haftlager in der israelischen Küstenstadt Aschdod aufgesucht und anschließend selbst ein Video davon veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie sich die gefesselten Aktivisten in erzwungener Beugehaltung befinden; Ben-Gvir schwenkt dazu eine israelische Flagge und ruft: „Wir haben hier das Sagen.“

An anderer Stelle ist er mit der Aufforderung an die Sicherheitskräfte zu hören, sich nicht von deren Schreien stören zu lassen. In einem weiteren Videoabschnitt sind ebenfalls Aktivisten in Beugehaltung zu sehen, während über Lautsprecher die israelische Nationalhymne ertönt.

Außenminister Sa’ar: Beschämender Auftritt

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) veröffentlichte daraufhin eine Schelte. Israel habe zwar das Recht, gegen die Aktivisten vorzugehen. „Doch wie Minister Ben-Gvir mit den Flottille-Aktivisten umgegangen ist, entspricht nicht den israelischen Werten und Normen.“

Außenminister Gideon Sa’ar (Neue Hoffnung) wurde in seiner Kritik deutlicher. An Ben-Gvir gewandt schrieb er: „Du fügst durch Deinen beschämenden Auftritt unserem Staat wissentlich Schaden zu – und das nicht zum ersten Mal.“ Ben-Gvir habe die enormen Bemühungen zahlreicher Menschen zunichte gemacht. „Du bist nicht das Gesicht Israels.“

Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) sprach von einem „kommunikativen Terroranschlag“. Ben-Gvir habe diesen zwar ausgeführt, Netanjahu sei aber letztlich dafür verantwortlich, da er eine Koalition mit Ben-Gvir eingegangen sei. Lapid selbst hatte sich einer Koalition mit Netanjahu verweigert.

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Verzweifelte Israelunterstützer

Auch bei pro-israelischen Aktivisten stößt das Video auf Abneigung und Unverständnis. Einer der bekanntesten von ihnen, Eylon Levy, sprach von einem „absichtlichen Terrorangriff auf unser weltweites Ansehen, auf unsere Seelen. Und das alles für den Wahlkampf“.

Levy war bis März 2024 Regierungssprecher. Vor dem Hintergrund weltweiter Hetze gegen den jüdischen Staat gründete er eine Initiative, die öffentlich für Israel eintritt. Daran beteiligten sich zahlreiche Freiwillige, die sich nun ebenfalls angewidert vom Auftritt Ben-Gvirs zeigten. Levy bekundete, er wisse nicht mehr, was er ihnen antworten soll. Seine Hoffnung liege in den anstehenden Neuwahlen.

Der Geschäftsführer der Organisation „UN Watch“, Hillel Neuer, nannte Ben-Gvir eine Zumutung und Schande. Er forderte Netanjahu auf, ihn zu entlassen. „UN Watch“ beleuchtet die Arbeit der Vereinten Nationen und weist immer wieder auf anti-israelische Tendenzen dieser Organisation hin.

Die pro-israelische Aktivistin Aviva Klompas forderte ebenfalls Ben-Gvirs Entlassung. „Wieder und wieder hat er sich rücksichtslos verhalten, Spannungen angefacht und Schande über den Staat Israel gebracht.“

Der israelische Journalist Itai Blumental weist darauf hin, dass die Armee überrascht war von dem Video. Ben-Gvir habe in komplettem Widerspruch zu den Entscheidungen der zuständigen Akteure gehandelt, die das Abfangen der Flottille über Wochen vorbereitet habe. Ben-Gvir habe seinen Posten missbraucht, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

Diplomatische Folgen

Die Verhalten Ben-Gvirs stößt auch international auf Empörung. Zahlreiche Länder, darunter Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Spanien, bestellten die jeweiligen israelischen Botschafter oder Amtsträger der Botschaften ein.

Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni (Brüder Italiens) forderte eine Entschuldigung; Außenminister Antonio Tajani (Forza Italia) forderte die Europäische Union auf, Ben-Gvir mit Sanktionen zu belegen. Der Staatenverbund nannte das Verhalten Ben-Gvirs „vollkommen inakzeptabel“.

Der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, begrüßte die zahlreichen kritischen Stimmen in Israel. Er selbst bezeichnete das Verhalten als „unakzeptabel und unvereinbar mit den Grundwerten unserer Länder“.

Ausweisung beginnt

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft forderte ebenfalls die Entlassung Ben-Gvirs. Er habe mit seiner „beschämenden Inszenierung“ Israel „bewusst geschadet“, schrieb Präsident Volker Beck. „Wer dem Staat so wiederholt schadet, darf kein Minister bleiben.“

Indes hat Israel am Donnerstag mit der Ausweisung der Aktivisten begonnen. Die Organisation Adalah teilte mit, die meisten der knapp 430 Aktivisten seien auf dem Weg zum Flughafen von Eilat. Die Türkei schickt Flugzeuge, um die Aktivisten auszufliegen. (df)

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8 Kommentare

  1. Ben Gvir, ein Minister welcher schon vor 3 Jahren hätte entlassen werden müssen. In Deutschland hätte man von solch einem Minister eigentlich den eigenen Rücktritt erwartet.
    Ob es eine Entlassung von Gvir geben wird? Ich bezweifle das stark. Smotrich würde sich dagegen stemmen und Netanjahu will beide nicht verlieren.

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    1. (In Deutschland hätte man von solch einem Minister eigentlich den eigenen Rücktritt erwartet).

      In Deutschland hätte man alles daran gesetzt, zu verhindern, dass jemand wie Ben-Gvir der Regierung beitritt. Genau deshalb existiert die „Brandmauer“ gegen die AfD.

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  2. Eylon Levy, sprach von einem „absichtlichen Terrorangriff auf unser weltweites Ansehen, auf unsere Seelen. Und das alles für den Wahlkampf“. Er spricht mir aus der Seele.
    Und Bibi, es reicht nicht, das Verhalten Ben Gvirs als „nicht den israelischen Werten und Normen zu nennen“. Es wäre ein guter Zug, ihn sofort aus Ihrer Regierung zu entfernen, bevor Sie entfernt werden.

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  3. Ben-Gvir gehört umgehend in eine geschlossene Anstalt eingewiesen. Er und Smotrich schaden dem Ansehen Israels. Die Bundesregierung muss endlich ein Zeichen setzen und den beiden mit einem Einreiseverbot Sanktionieren.

    Und Netanjahu braucht hier keine Schelten zu veröffentlichen, um zu betonen, dass dieses Verhalten nicht mit den israelischen Werten und Normen entsprechen.
    Denn – wie Yair Lapid es treffend formulierte – trägt Bibi eine Mitschuld an diesem ,, kommunikativen Terroranschlag“ sowie an der internationalen Isolation Israels.

    Theodor Herzl, David Ben-Gurion und Yitzhak Rabin würden sich allesamt im Grab umdrehen, wenn die sehen von welche Kreaturen Israel heute regiert wird.

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    1. @Gideon Lahav
      „Ben-Gvir gehört in eine geschlossene Anstalt“, aber die Israel-Hasser, diese Pro-Pal-Aktivisten auch.

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  4. Regierungschefin Giorgia Meloni forderte eine Entschuldigung. Wozu? Die israelische Regierung hat sich entschuldigt. Aber sie muss das machen, sonst droht der nächste Generalstreik gegen Israel.

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  5. Wie kann sich ein Politiker freiwillig, ohne dass ihm die Pistole vor die Brust gehalten wird, zu so einem sein Land schädigenden Vollpfosten-Einsatz hinreißen lassen!!!???

    Genauso hätte er sich weinselig mit einer Palästinaflagge unter die Aktivisten einreihen können und mit ihnen Hass-Parolen gegen Israel schmettern können!

    Es ist zum Schreien! Wie blöd kann man sein, mit dieser albernen Kasperei das Werk der Aktivisten zu befeuern?! Ich bin fassungslos angesichts so viel Blödheit!

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