JERUSALEM / BEIRUT (inn) – Nach wochenlangen Kämpfen ist es soweit: Israel und die Terrormiliz Hisbollah haben sich auf eine zehntägige Waffenruhe geeinigt. Sie trat um Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) in Kraft und wurde Stunden zuvor vom US-Präsidenten Donald Trump angekündigt. Zuvor telefonierte der Republikaner nach eigenen Angaben mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aun (parteilos) und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud). Hisbollah war nicht Teil der Gespräche.
Hisbollah-Sprecher Ibrahim Al-Mussawi sagte, die Terror-Organisation werde sich „vorsichtig“ an die Vereinbarung halten, sofern Israel seine „Feindseligkeit“ ihr gegenüber einstelle.
Netanjahu bestätigte die Einigung über die Waffenruhe auf X. In einer Videobotschaft sprach er von der „Chance auf ein historisches Friedensabkommen“ mit dem Libanon. Zugleich erklärte er, dass israelische Truppen nicht aus dem Südlibanon abziehen werden. Die Sicherheitszone sei notwendig, um die Gefahr einer Invasion durch die Hisbollah in nordisraelische Orte abzuwenden und sie vor direktem Beschuss zu schützen. Das Recht auf Selbstverteidigung ist in der Vereinbarung über den Waffenstillstand festgeschrieben und gilt für Israel und den Libanon.
Kritik aus der Opposition
Die Meldung von der Waffenruhe kam für die Israelis überraschend, hatte Netanjahu doch selbige zuvor ausgeschlossen, schrieb die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“ am Freitag. Auch sei das Sicherheitskabinett nicht einberufen worden, um die Entscheidung zu billigen.
Die Opposition und mehrere Bürgermeister aus nordisraelischen Städten verurteilten diesen Schritt. Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) sagte: „Es ist nicht das erste Mal, dass die Versprechungen dieser Regierung an der Realität zerbrechen“. Er fuhr fort: „Die Beendung der Kämpfe geht nur auf einem Wege: Die Bedrohung für die nördlichen Gemeinden permanent entfernen.“
Kurz vor Eintritt der Waffenruhe überzog die Hisbollah den Norden mit zahlreichen Raketen. Laut „Times of Israel“ wurden zwei Menschen in Karmiel schwer verwundet, ein Mann in Naharia erlitt mittelschwere Verletzungen.
In einer noch vor Mitternacht veröffentlichten Stellungnahme sagte die israelische Armee, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 380 Hisbollah-Ziele im Südlibanon angegriffen. Unter anderem habe sie Kommandozentralen und Raketenrampen zerstört sowie Hisbollah-Terroristen ausgeschaltet.
So fanden die Soldaten in einer Schule in der Hisbollah-Hochburg Bint Dschubail mehr als 130 Waffen, unter anderem Kalaschnikow-Gewehre und Pistolen. Die Alarmbereitschaft sei nach wie vor hoch.
Guterres: Waffenruhe einhalten
Unterdessen beschuldigte die libanesische Armee Israel am Freitag, die Waffenruhe gebrochen und Dörfer angegriffen zu haben. So seien in der Küstenstadt Tyros Granaten eingeschlagen und eine Drohne habe ein Auto attackiert. In einem Aufruf warnte sie die geflüchteten Bewohner des Südlibanon davor, in ihre Häuser zurückzukehren und mahnte zur Vorsicht.
In einer Stellungnahme rief der UN-Generalsekretär António Guterres Israel und die Terror-Organisation Hisbollah dazu auf, die Waffenruhe strikt einzuhalten. Er hoffe, dass sie den Weg zu Verhandlungen ebnen und die Resolution 1701 umgesetzt werde.
Die Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im August 2006 nach dem Libanonkrieg verabschiedet. Sie fordert unter anderem die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Israel und Hisbollah, die Entwaffnung der Terrormiliz und den Rückzug Israels aus dem Südlibanon.
Schüsse bei Feiern in Beirut
Nach Beginn der Waffenruhe gingen im Libanon die Menschen auf die Straßen und feierten. Dabei feuerten manche Bürger Freudenschüsse in die Luft ab. Die libanesische Armee veröffentlichte auf X eine Warnung vor diesem „gefährlichen Phänomen“ und forderte die Bürger dazu auf, sich an Gesetze zu halten. Die Armeeführung werde die Schützen verfolgen, festnehmen und an die Justiz übergeben.
Auch das iranische Regime begrüßte die vereinbarte Waffenruhe und verbuchte sie als eigenen Erfolg. Der Sprecher des Außenministeriums Ismail Baghai erklärte laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA, sie sei Teil der Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten gewesen. Al-Mussawi, dankte dem Regime, dass es Druck zugunsten der Terrormiliz ausgeübt habe. (mw)
24 Kommentare
Gibt es ein Wettbüro, das Wetten darauf annimmt, wer als Erster den Waffenstillstand bricht?
Die Quoten sind wahrscheinlich miserabel, aber die Wette ist ein sicherer Tipp!
Ich setze mein Geld auf die einzige Demokratie im Nahen Osten!
@Ludovico
Gibt es ein Wettbüro, das Wetten annimmt, ob die Resolution 1701, die vor fast 20 Jahren einstimmig angenommen worden war, durch die Hisbollah umgesetzt wird?
Warum fordern Sie das nicht?
Der Waffenstillstand wurde doch bereits gebrochen, in dem Israel die Bedingungen der Waffenruhe einseitig verändert hat.
Wie bei der Resolution 1701 damals.
Wette gewonnen: Times of Israel meldet eben: „Die IDF bestätigt, die ersten Angriffe auf die Hisbollah seit dem Waffenstillstand durchgeführt zu haben, und sagt, die Agenten hätten den Waffenstillstand verletzt“
Die Frage bleibt auch hier das ‚Henne-Ei-Problem‘: Wer war zuerst dabei?
Selbstverteidigungsmaßnahmen sind auch während dem Waffenstillstand nicht eingeschränkt.
NO COMMENT
Hezbollah Repeatedly Breaches Lebanon Ceasefire, Another French Peacekeepers Killed
April 23, 2026
Hezbollah has carried out multiple violations of the Lebanon ceasefire in recent days — rocket fire, drone launches, armed crossings of the truce line, and a deadly ambush on French UN peacekeepers — as Israeli forces press on with efforts to dismantle the group’s military infrastructure in southern Lebanon.
Armed Crossings of the Truce Line
Hezbollah operatives have also repeatedly crossed the Forward Defense Line on the ground. In the Saluki area on Tuesday, two terrorists breached the truce line and advanced on IDF soldiers, posing what the military called an immediate threat. Both were killed [. . .]
Prior to that, the Paratrooper Brigade identified a Hezbollah group crossing the line toward Israeli positions in the Bint Jbeil area and directed an airstrike that eliminated them. In a separate incident near the Litani River, the Golani Brigade called in a strike against additional operatives who had breached the ceasefire under similar circumstances.
On Wednesday, IDF soldiers identified a member of Hezbollah’s Radwan Force preparing an imminent attack. The operative surrendered and was handed over to Unit 504 for interrogation. [. . .]
On Tuesday night, Hezbollah fired several rockets at IDF soldiers operating south of the Forward Defense Line (“Yellow Line”) in the Rab Thalathin area. [. . .]
Sirens triggered the same night in the northern Israeli towns of Kfar Yuval and Ma’ayan Baruch were later attributed to the interception of a Hezbollah drone [. . .]
Shalom,muss ich ihnen leider Recht geben! Leider muss ich auch zugeben das Netanyahu wieder einmal verloren hat. So wie er auch die nächste Wahl verlieren wird.Wird einigen hier nicht gefallen!Shabbat Shalom an alle hier. Jerusalem
Shalom Jerusalem.
Bibi ist einfach nur eine Marionette von Trump. Trotz militärische Schwächungen der Hisbollah, hat er politisch deutlich an Boden verloren, da er die hohen Erwartungen der israelischen Öffentlichkeit an einen „totalen Sieg“ nicht erfüllt hat und nun mit wachsender Unzufriedenheit im eigenen Land konfrontiert ist.
Abwarten, Gideon, die Iraner haben die Straße wieder dicht gemacht. Was wird der neue Gott Amerikas nun tun?
Würde mich nicht wundern, wenn wir aus den USA in absehbarer Zeit den Spruch von Nietzsche als Klage von MAGA hören werden : ,, GOTT IST TOT ! “
Der Ewige dürfte über solchen Unfug nur müde lächeln.
SHABBAT SHALOM
Den Philosophen Nitsche haben wir auch im Religionsunterricht durchgenommen.
Netanjahu der Verlierer? Nein. Netanjahu der Realist, der beste von allen, denn er kann nicht gegen seinen besten Freund, gegen Trump handeln.
Ich fasse mal zusammen : Trump rettet Hisbollah.
@Antonia
Vielleicht, denn nach einer Feuerpause gibt es keine Feuerpause.
Die Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nie umgesetzt. Die UNIFIL Soldaten drückten alle Augen zu, als die Hizbollah Waffenlager einrichtete, Tunel baute, Abschussrampen in Stellung brachte und zivile Einrichtungen missbrauchte….Die UNIFIL war und ist nutzlos – und das für den Einsatz von zig Mio$. Und jetzt fühlt sich der Herr António Guterres dazu gedrängt, Forderungen zu stelle. Er sollte lieber die Kl..pe halten.
@JK
Lassen Sie mich bitte noch einen Schritt weiter gehen: Die UNIFIL(United Nations Interim Force in Lebanon) ist – eher gewollt als ungewollt – eine terrorbegünstigende, besser: terrorunterstützende Truppe.
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INTERIM Force? Eine einstweilige, eine „Übergangs“-Truppe? (Erinnert mich an den derzeitigen „Übergangs“-Präsidenten im Nachbarland Syrien.)
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Übergänge können lange dauern. Die UNIFIL erfüllt ihren verantwortungsvollen Auftrag seit MÄRZ 1978. Die „Übergangs“-Truppe ist also seit mehr als achtundvierzig (in Ziffern: 48) Jahren dabei, zu beobachten, zu berichten, zu verhindern, zu stabilisieren, zu fördern, zu unterstützen.
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Die angeblich wichtigsten offiziellen Aufgaben der UNIFIL sind:
1. Verhinderung der illegalen Einfuhr von Rüstungsgütern in den Libanon
2. Förderung der Sicherheit und Stabilität im Libanon
3. Unterstützung der libanesischen Streitkräfte bei der Grenzsicherung
4. Beobachtung der (Nicht-)Einhaltung von Waffenstillständen
5. Regelmäßige Berichterstattung nach vorgegebenen Kriterien
Nur die letzte Aufgabe konnte z.T. bewältigt werden.
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Und wen unterstützen diese schwer arbeitenden 10528 „Blauhelme“ aus 49 Ländern? In erster Linie unterstützen sie sich selbst untereinander. Und sie unterstützen die Hisbollah (sich bildend seit 1982; offiziell gegründet 1985; seit 1992 in der libanesischen Nationalversammlung).
Schließlich lebt und arbeitet die UNIFIL gemeinsam mit den Terroristen südlich des Litani River auf engem Raum zusammen. Das ist nicht einfach, so dass es ratsam ist, sich zu „verständigen“. Wie es der Verstand gebietet.
Mehrere Bürgermeister aus nordisraelischen Städten verurteilten Waffenruhe. Wir auch.
Ich glaube nicht, dass die Waffenruhe lange halten wird. Die Hisbollah bleibt eine Gefahr für Israel.
Einzig und alleine ein Regimewechsel im Iran kann eine Gefahr begrenzen. aber soweit sind wir noch nicht.
Die Lage bleibt angespannt.
Leider ist Nethanjahu zur Marionette von Trump geworden. Bibi hätte sich weitergemacht im Libanon, was auch notwendig wäre, denn Hisbollah ist noch lange nicht am Ende. Aber, „es ist ihnen von den USA VERBOTEN. Es reicht jetzt!!!“, schrieb Trump auf Truth Social.
@Antonia
Also hält er Hisbollah am Leben. Hast du richtig erkannt.
„Die Opposition kritisiert den Premierminister“ – Was anderes können die auch nicht!
„Nach Beginn der Waffenruhe gingen im Libanon die Menschen auf die Straßen und feierten. Dabei feuerten manche Bürger Freudenschüsse in die Luft ab.“ – Sehr „intelligent“ denn diese Kugeln kommen irgendwann wieder herunter und können dort unschuldige Menschen treffen! 🤦♂️🤦♂️
Hier gibt es so viel + starkes menschliches und politisches Know-how, das ist ergreifend. Was wir alles wissen zu meinen, und vergessen dabei, dass der allmächtige Gott, niemals den Überblick verliert, niemals zu spät kommt, und das Kursbuch für Israel und die Nationen, selber geschrieben hat. Es wird nicht so kommen, wie es den meisten gefällt, aber Jahwe kommt zum herrlichen Ziel, und alle (gottlosen) Nationen werden die Größe Gottes erkennen können.
Lieber Gruß Martin
@Untertan: Und warum fordert Gott z.B. in Jer. 29,7 die Juden auf für Babel zu beten? Oder Paulus in 1.Tim. 2,1 die Christen Fürbitte „für alle Menschen und für alle in Hoheit“ zu tun ?
Offensichtlich ist das Kursbuch Gottes nicht so genau festgelegt, wie Du es Dir vorstellst. Eine Gruppe von Christen in Wales um Rees Howells hat im 2. Weltkrieg ständig Fürbitte getan. Ich bin davon überzeugt, dass sie den Ausgang des 2. Weltkrieges mit entschieden haben. Und ich bin auch davon überzeugt, dass sich die Meinung Gottes über die Wichtigkeit von Fürbitte nicht geändert hat.
„Dass der allmächtige Gott niemals zu spät kommt“. Kann Israel, können sich die Juden darauf verlassen, fragt meine Ehefrau, Politologin und Historikerin?
Ich dachte Albert Sie und Ihre Freunde kennen das Wort Gottes!
Lieber Gruß Martin
@Untertan
Das Wort Gottes kennen? Nein, im Zweifeln immer Untertan, Zweitbester Bibelkenner von allen, und unser Bischof, der beste, fragen.