Waffenruhe im Libanon vereinbart

Die Waffenruhe zwischen Israel und Hisbollah tritt in Kraft. Trump lädt Aun und Netanjahu zu Gesprächen nach Washington ein. Die Opposition kritisiert den Premierminister, während das iranische Regime das Ende der Kämpfe als eigenen Sieg verzeichnet.
Von Israelnetz

JERUSALEM / BEIRUT (inn) – Nach wochenlangen Kämpfen ist es soweit: Israel und die Terrormiliz Hisbollah haben sich auf eine zehntägige Waffenruhe geeinigt. Sie trat um Mitternacht Ortszeit (23 Uhr MESZ) in Kraft und wurde Stunden zuvor vom US-Präsidenten Donald Trump angekündigt. Zuvor telefonierte der Republikaner nach eigenen Angaben mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aun (parteilos) und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud). Hisbollah war nicht Teil der Gespräche.

Hisbollah-Sprecher Ibrahim Al-Mussawi sagte, die Terror-Organisation werde sich „vorsichtig“ an die Vereinbarung halten, sofern Israel seine „Feindseligkeit“ ihr gegenüber einstelle.

Netanjahu bestätigte die Einigung über die Waffenruhe auf X. In einer Videobotschaft sprach er von der „Chance auf ein historisches Friedensabkommen“ mit dem Libanon. Zugleich erklärte er, dass israelische Truppen nicht aus dem Südlibanon abziehen werden. Die Sicherheitszone sei notwendig, um die Gefahr einer Invasion durch die Hisbollah in nordisraelische Orte abzuwenden und sie vor direktem Beschuss zu schützen. Das Recht auf Selbstverteidigung ist in der Vereinbarung über den Waffenstillstand festgeschrieben und gilt für Israel und den Libanon.

Kritik aus der Opposition

Die Meldung von der Waffenruhe kam für die Israelis überraschend, hatte Netanjahu doch selbige zuvor ausgeschlossen, schrieb die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“ am Freitag. Auch sei das Sicherheitskabinett nicht einberufen worden, um die Entscheidung zu billigen.

Die Opposition und mehrere Bürgermeister aus nordisraelischen Städten verurteilten diesen Schritt. Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) sagte: „Es ist nicht das erste Mal, dass die Versprechungen dieser Regierung an der Realität zerbrechen“. Er fuhr fort: „Die Beendung der Kämpfe geht nur auf einem Wege: Die Bedrohung für die nördlichen Gemeinden permanent entfernen.“

Kurz vor Eintritt der Waffenruhe überzog die Hisbollah den Norden mit zahlreichen Raketen. Laut „Times of Israel“ wurden zwei Menschen in Karmiel schwer verwundet, ein Mann in Naharia erlitt mittelschwere Verletzungen.

In einer noch vor Mitternacht veröffentlichten Stellungnahme sagte die israelische Armee, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 380 Hisbollah-Ziele im Südlibanon angegriffen. Unter anderem habe sie Kommandozentralen und Raketenrampen zerstört sowie Hisbollah-Terroristen ausgeschaltet.

So fanden die Soldaten in einer Schule in der Hisbollah-Hochburg Bint Dschubail mehr als 130 Waffen, unter anderem Kalaschnikow-Gewehre und Pistolen. Die Alarmbereitschaft sei nach wie vor hoch.

Guterres: Waffenruhe einhalten

Unterdessen beschuldigte die libanesische Armee Israel am Freitag, die Waffenruhe gebrochen und Dörfer angegriffen zu haben. So seien in der Küstenstadt Tyros Granaten eingeschlagen und eine Drohne habe ein Auto attackiert. In einem Aufruf warnte sie die geflüchteten Bewohner des Südlibanon davor, in ihre Häuser zurückzukehren und mahnte zur Vorsicht.

In einer Stellungnahme rief der UN-Generalsekretär António Guterres Israel und die Terror-Organisation Hisbollah dazu auf, die Waffenruhe strikt einzuhalten. Er hoffe, dass sie den Weg zu Verhandlungen ebnen und die Resolution 1701 umgesetzt werde.

Die Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im August 2006 nach dem Libanonkrieg verabschiedet. Sie fordert unter anderem die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen Israel und Hisbollah, die Entwaffnung der Terrormiliz und den Rückzug Israels aus dem Südlibanon.

Schüsse bei Feiern in Beirut

Nach Beginn der Waffenruhe gingen im Libanon die Menschen auf die Straßen und feierten. Dabei feuerten manche Bürger Freudenschüsse in die Luft ab. Die libanesische Armee veröffentlichte auf X eine Warnung vor diesem „gefährlichen Phänomen“ und forderte die Bürger dazu auf, sich an Gesetze zu halten. Die Armeeführung werde die Schützen verfolgen, festnehmen und an die Justiz übergeben.

Auch das iranische Regime begrüßte die vereinbarte Waffenruhe und verbuchte sie als eigenen Erfolg. Der Sprecher des Außenministeriums Ismail Baghai erklärte laut der iranischen Nachrichtenagentur IRNA, sie sei Teil der Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten gewesen. Al-Mussawi, dankte dem Regime, dass es Druck zugunsten der Terrormiliz ausgeübt habe. (mw)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

7 Kommentare

  1. Gibt es ein Wettbüro, das Wetten darauf annimmt, wer als Erster den Waffenstillstand bricht?
    Die Quoten sind wahrscheinlich miserabel, aber die Wette ist ein sicherer Tipp!
    Ich setze mein Geld auf die einzige Demokratie im Nahen Osten!

    2
  2. Shalom,muss ich ihnen leider Recht geben! Leider muss ich auch zugeben das Netanyahu wieder einmal verloren hat. So wie er auch die nächste Wahl verlieren wird.Wird einigen hier nicht gefallen!Shabbat Shalom an alle hier. Jerusalem

    2
    1. Shalom Jerusalem.
      Bibi ist einfach nur eine Marionette von Trump. Trotz militärische Schwächungen der Hisbollah, hat er politisch deutlich an Boden verloren, da er die hohen Erwartungen der israelischen Öffentlichkeit an einen „totalen Sieg“ nicht erfüllt hat und nun mit wachsender Unzufriedenheit im eigenen Land konfrontiert ist.

      0
    2. Netanjahu der Verlierer? Nein. Netanjahu der Realist, der beste von allen, denn er kann nicht gegen seinen besten Freund, gegen Trump handeln.

      0
  3. Die Resolution 1701 wurde vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nie umgesetzt. Die UNIFIL Soldaten drückten alle Augen zu, als die Hizbollah Waffenlager einrichtete, Tunel baute, Abschussrampen in Stellung brachte und zivile Einrichtungen missbrauchte….Die UNIFIL war und ist nutzlos – und das für den Einsatz von zig Mio$. Und jetzt fühlt sich der Herr António Guterres dazu gedrängt, Forderungen zu stelle. Er sollte lieber die Kl..pe halten.

    0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen