Präsident Aun: „Was hat euer Krieg uns gebracht?“

Libanons Präsident Aun empfängt das „Heilige Feuer“ aus Jerusalem – nur Tage vor den direkten Friedensgesprächen mit Israel. Hisbollah-Anhänger demonstrieren dagegen. Derweil zerstört die Armee einen Terrortunnel in Südlibanon.
Von Israelnetz
Luftschlag der israelischen Armee in Südlibanon

JERUSALEM / BEIRUT (inn) – Nach der jährlichen Zeremonie am orthodoxen Karsamstag in der Grabeskirche in Jerusalem, bei der das „Heilige Feuer“ entzündet wird, hat die Flamme den Präsidentenpalast im Libanon erreicht. In einer Mitteilung auf X erklärte der Palast, dass das „Heilige Feuer“ über Zypern in den Libanon gebracht worden sei.

Das „Heilige Feuer“ wird jedes Jahr an Karsamstag von dem griechisch-orthodoxen Patriarchen angezündet und an die Gläubigen verteilt. Es repräsentiert das Licht des auferstandenen Christus und ist ein Symbol für die Ewigkeit. Von Jerusalem aus wird es in Länder mit christlich-orthodoxer Prägung gebracht und für die Osterfeierlichkeit genutzt.

Hisbollah-Unterstützer protestieren gegen direkte Gespräche mit Israel

Der Transport der Flamme von Jerusalem nach Beirut fand nur wenige Tage vor den Friedensverhandlungen zwischen Israel und Libanon statt. Die Gespräche sollen am Dienstag in Washington beginnen.

Geplant ist ein Treffen des israelischen Botschafters in den USA, Jechiel Leiter, mit seiner libanesischen Amtskollegin Nada Hamadeh Moawad. Damit soll es erstmals seit Jahrzehnten wieder direkte Gespräche zwischen den offiziell noch immer verfeindeten Staaten geben.

Indes kam es am Wochenende im Libanon zu Protesten. Unterstützer der Terror-Organisation Hisbollah gingen auf die Straße, um gegen die Gespräche mit Israel zu demonstrieren. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur im Libanon riefen die Hisbollah und die mit ihr verbündete Amal-Bewegung ihre Anhänger am Samstag dazu auf, von Protesten in dieser „kritischen Phase“ abzusehen. Dennoch kam es auch am Sonntag zu Demonstrationen.

Arabische Staaten üben Druck auf Hisbollah aus

Nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ haben zuvor arabische Staaten – darunter Ägypten, Saudi-Arabien und Katar – Druck auf Parlamentspräsident Nabi Berri ausgeübt, jeden Aufruhr zu unterbinden. Berri ist Vorsitzender der schiitischen Amal-Bewegung.

Unterdessen erklärte Präsident Joseph Aun (parteilos) gegenüber libanesischen Medien, die Waffenruhe mit Israel, die zu direkten Verhandlungen führe, sei die einzige Lösung. „Was hat euer Krieg uns gebracht?“, fragte er am Samstag an die Hisbollah gerichtet. Er wolle nicht warten, bis der Libanon so zerstört sei wie Gaza.

Verhandlungen zu führen sei indes nicht gleichbedeutend mit Zugeständnissen, erklärte Aun weiter. „Diplomatie bedeutet nicht, aufzugeben“. Der parteilose Kulturminister Chassan Salameh betonte, die Gespräche mit Israel seien lediglich „logistischer Natur“.

Verhandlungen ohne Frankreich

Nach einem Bericht der israelischen Zeitung „Jerusalem Post“ haben hochrangige Vertreter der US-amerikanischen und französischen Regierung erste Kontakte zwischen den beiden Ländern hergestellt. Eine weitere Rolle wird Frankreich jedoch nicht übernehmen. Am Freitag wurde bekannt, dass das Land auf Wunsch Israels von den Verhandlungen ausgeschlossen ist.

Anonyme israelische Quellen begründeten diesen Schritt mit dem Verhalten des europäischen Landes im vergangenen Jahr. So habe Frankreich versucht, Israels Kriegsführung im Iran einzuschränken; des Weiteren habe es nichts dafür getan, um bei der Entwaffnung der Hisbollah zu helfen. Aus israelischer Sicht sei Frankreich ein „unfairer Mediator“.

Armee zerstört Terror-Tunnel in Südlibanon

Unterdessen gehen die Kriegshandlungen zwischen Hisbollah und Israel weiter. So ertönten am Montagvormittag Warnsirenen in der nördlichen Stadt Metula, nachdem eine Drohne der Hisbollah in den israelischen Luftraum eingedrungen ist. Laut Armee konnte der Vorfall schnell geklärt und die Drohne abgefangen werden.

Zudem zerstörte die Armee am Montag einen Tunnel der Hisbollah, der für „terroristische Aktivitäten gegen Armee-Soldaten“ genutzt wurde. Am Sonntag entdeckten die Soldaten in einem Krankenhaus in Bint Dschubail im Südlibanon ein Waffenlager der Hisbollah. In einer Stellungnahme sagte die Armee, dass zuvor Terroristen aus den Fenstern der Klinik auf israelische Soldaten feuerten.

Die medizinische Einrichtung sei nicht nur als Waffendepot missbraucht worden, sondern diente den Terroristen auch als Beobachtungsposten und Versteck. (mw)

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11 Kommentare

  1. Ohne Hisbollah im Libanon wären die beiden Länder nicht mehr verfeindeten.
    Wobei Präsident Aun es nicht schafft, die Terroristen zu entwaffnen. Deren Ziel ist es, Israel zu vernichten, auch wenn sie gerade geschwächt sind. OT: Wie in Gaza/ Hamas.
    Irans u.a. Werk. Shalom

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    1. „Ohne Hisbollah im Libanon wären die beiden Länder nicht mehr verfeindeten“. In der Tat, aber Hisbollah vertritt inzwischen , Tendenz steigend, 70% der Bevölkerung. Israel verhandelt mit Vertretern einer Minderheit, die nichts zu sagen hat, sagt meine Ehefrau, Politologin, die besten Universitäten besucht.

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      1. 70% der libanesischen Bevölkerung soll hinter der Hizbollah stehen?

        ich halte es eher für wahrscheinlich, dass 70 % GEGEN die hizbollah sind,
        genauso wie mindestens 80% der iranischen Bevölkerung gegen das dortige Regime sind

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        1. @laurent
          70 % GEGEN die hizbollah…Meine Ehefrau, Politologin, lacht, denn dann wäre die Hisbollah schwach und könnte sich nicht mit Israel anlegen. Nein, die Hisbollah ist stark, weil die meisten Libanesen zu ihr stehen. Der Vergleich mit dem Iran hinkt, denn die Libanesen sind Araber, die Iraner nicht.

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  2. Interessant, Präsident Aun fragt nicht Israel, sondern die Hizbollah, was der Krieg dem Libanon gebracht habe. Es mag sein, daß er starke Abneigung gegen die israelische Präsenz im südlichen Libanon hat, aber er weiß auch, wem der Libanon das zu verdanken hat, was da gerade passiert, so klarsichtig ist er immerhin.
    Das klingt nicht unbedingt wie eine ausschließlich an Israel gerichtete Schuldzuweisung,und das mag ermutigend sein.
    SHALOM VE YOM HASHOAH

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  3. „Die medizinische Einrichtung sei nicht nur als Waffendepot missbraucht worden, sondern diente den Terroristen auch Beobachtungsposten und Versteck.“ Das sagt alles über den Charakter der Hisbollah!

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  4. Das heilige Feuer, von der Grabeskirche Israel über Zypern nach Libanon gebracht: diesen Umweg hätte man sich sparen können wenn man die Flamme des Friedens in seinem Herzen tragen würde. Und das verhindern die Hisbollah und deren Unterstützer.
    Präsident Joseph Aun wird mir sympathisch. Er fragt seine Terroristen: „Was hat euer Krieg uns gebracht?“
    Es wäre zu wünschen, dass dies mal jemand die Hamas fragt. Krankenhäuser als Waffenversteck und Kommandozentrale kennen wir aus einem „anderen Film.“
    Hoffen und beten wir, dass es zwischen Israel und Libanon besser läuft als zwischen Iran und USA.

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  5. Wie sich doch die Vorgänge gleichen- zivile Einrichtungen werden für terroristische Zwecke missbraucht. Kennen wir von Gaza, nicht Neues. Hoffentlich wird alles entdeckt und zerstört, die Terrorbanden entwaffnet.

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  6. Von einem Frieden würden beide Seite nur providieren, nur die Hisbollah müsste aus dem Libanon vertrieben werden. Die wollen keinen Frieden mit Israel, um keinen Preiß nicht, genau wie die Hammas und der Iran, auch wenn das hier manche anders darstellen wollen und Israel zum Agressor machen.

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  7. Schön, dass Israel die hinterhältigen Franzosen und Spanier von den Missionen ausschließt und hoffenltich unterlassen diese zukünftig die massive Terrorfinanzierung. Das würde Europa gut tun.

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