SULIMANIA (inn) – Nach elf Jahren ist ein Israeli am Mittwoch aus einem irakischen Gefängnis freigekommen. Er stammt aus dem kurdischen Teil des Irak und hat auch die kanadische Staatsbürgerschaft. Als er Verwandte in seiner alten Heimat besuchte, wurde ihm die Begegnung mit einem Taxifahrer zum Verhängnis.
Ben Hassin kam als Kind vom Irak nach Israel und später nach Kanada. Als er Teenager war, zog seine Familie wieder in den jüdischen Staat. Im Jahr 2015 besuchte der heute 31-Jährige seine Großeltern in Kurdistan. Dort schloss er sich kurdischen Truppen an, die gegen das Terrornetzwerk Islamischer Staat kämpften.
Kurz vor seiner geplanten Rückreise hörte in Sulimania nahe der iranischen Grenze ein Taxifahrer, wie er Hebräisch sprach. Er drohte, Hassin an den IS auszuliefern. Dieser schoss auf ihn, nach eigenen Angaben in einem Akt der Selbstverteidigung. Der Taxifahrer erlag ein paar Tage später seinen Verletzungen.
Bemühungen um Freilassung
Hassin wurde zum Tode verurteilt. Kurz nach der Inhaftierung begannen hinter den Kulissen die Bemühungen um seine Freilassung: Der drusische Likud-Politiker Ajub Kara enthüllte 2016, dass er deswegen in Kontakt mit dem Vater Ilan Hassin sei.
Im Januar 2017 erlaubte der Zensor des israelischen Militärs, noch mehr von dem Fall öffentlich zu machen. Dies sollte einen offiziellen Aufruf zu Spenden ermöglichen, schreibt die Nachrichtenseite „Times of Israel“. Daraufhin stellten ultra-orthodoxe Gruppen in den USA und Europa Geld zur Verfügung, um eine finanzielle Einigung mit den Hinterbliebenen zu erreichen.
Die Todesstrafe indes wurde auf 15 Jahre Haft abgemildert – und im November 2025 völlig aufgehoben. Infolge der Freilassung schrieb Kara auf X, als er zuerst von dem Fall gehört habe, „bestand keine Chance auf eine Freilassung“. Er fügte an: „Wenn jemand ein einziges Leben rettet, ist es so, als hätte er die gesamte Welt gerettet. Ich bin stolz, an dieser sehr traurigen Angelegenheit meinen Anteil gehabt zu haben.“
„All die Jahre an diesem Ziel gearbeitet“
Der US-amerikanische Strafverteidiger Allen Lowy und ein Beamter des israelischen Außenministeriums, Ejal Siso, spielten ebenfalls eine wichtige Rolle bei den Bemühungen. Letzterer sagte dem israelischen Sender „Kanal 12“, Lowy und er hätten der mittlerweile verstorbenen Mutter Stella Hassin versprochen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Ben nach Hause zu bringen. „Wir haben all die Jahre an diesem Ziel gearbeitet, auch wenn der Weg lang erschien. Am Vorabend von Jom Kippur kehrt Ben nach Hause zurück – zu seiner Familie und nach Israel.“ Der jüdische Versöhnungstag beginnt am Sonntagabend.
Israeli Ben Hassin is free after 11 years in a prison in Iraq's Kurdish region. He is expected in Israel shortly. A death sentence over an accidental killing was lifted after a pardon last year. pic.twitter.com/9pEf03WEGr
— Open Source Intel (@Osint613) September 16, 2026
In einem Video ist zu sehen, wie Lowy mit Ben Hassin spricht. Dieser sitzt auf der Rückbank eines Fahrzeugs und ist zu Tränen gerührt wegen seiner Freilassung. Der Amerikaner versichert ihm, nun bringe er ihn nach Hause – nach Israel. (eh)