NABLUS / KUSRA (inn) – Eine Delegation US-amerikanischer Beamten will das palästinensische Dorf Kusra bei Nablus besuchen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu verschaffen. Berichten zufolge hat die Gruppe hochrangige israelische Sicherheitsbeamte dazu aufgefordert, sie dabei zu begleiten.
Sie sollen nach Angaben des Senders „Kanal 12“ erläutern, wie sie künftig gegen extremistische Siedler vorgehen wollen, schrieb die israelische Nachrichtenseite „Times of Israel“ am Montag. Rund eine Woche belagerten extremistische Siedler zwei Häuser des palästinensischen Dorfes, indem sie einen Außenposten in den Höfen errichteten.
Um die Siedler von dort zu vertreiben, rückten Soldaten am Freitag in das Dorf ein und besetzten mehrere Häuser. In dem Zuge wurden die betroffenen Familien zeitweise evakuiert. Inzwischen sind sie zwar wieder in ihre Häuser zurückgekehrt, dürfen sie aber nach eigenen Angaben nicht verlassen, weil die Armee die Gegend zur militärischen Sperrzone erklärt hatte.
Auch die Soldaten sind noch vor Ort, um eine Rückkehr der Extremisten zu verhindern. Diese Befürchtung scheint nicht unbegründet: Am Sonntag sollen sich wieder Siedler in der Nähe des Dorfes aufgehalten haben. Damit bleibt die Lage weiterhin angespannt.
Schabak sammelt Beweise gegen extremistische Siedler
Indes hat die Armee der israelischen Polizei „dutzende Fotos“ von den Personen überreicht, die sich an der Belagerung der Häuser beteiligt hatten. Die Polizei erklärte jedoch laut „Times of Israel“, dass die Bilder zu unspezifisch für eine Verhaftung sind. Der Inlandsgeheimdienst Schabak arbeite daran, Beweise gegen die Täter zusammenzutragen.
Gewalt durch extremistische Siedler ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, insbesondere nach dem 7. Oktober 2023. So erhöhten sich die Angriffe auf Palästinenser 2025 um 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Entwicklung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 zeigt in dieselbe Richtung.
Keine Reaktionen von Netanjahu und Trump
In der vergangenen Woche hatte US-Botschafter Mike Huckabee die gewalttätigen Siedler als „israelische Terroristen“ bezeichnet und die Belagerung scharf verurteilt. Auch sein israelischer Amtskollege in Washington Jechiel Leiter äußerte sich kritisch und sprach von einer „Bande von Hooligans“, die mit sinnloser Gewalt großen Schaden verursache.
Premier Benjamin Netanjahu (Likud) hat sich bislang nicht zu den Vorfällen in Kusra geäußert. Auch aus den USA gibt es keine offizielle Stellungnahme. Anders als sein Vorgänger Joe Biden (Demokraten) verzichtete US-Präsident Donald Trump (Republikaner) bisher darauf, Israel wegen gewalttätiger Siedler öffentlich zu kritisieren. Hinter den geschlossenen Türen soll es Berichten zufolge jedoch brodeln.
Katz: Einheit gegen Siedlergewalt
Israels Verteidigungsminister Israel Katz (Likud) erklärte indes, dass die israelische Polizei für Konflikte zwischen Palästinensern und Siedlern zuständig ist, nicht die Armee. Letztere habe die Aufgabe, palästinensischen Terrorismus zu bekämpfen und Israels Grenzen zu schützen.
Die Armee solle nun den zivilen Sicherheitskräften dabei helfen, eine Polizeieinheit aufzubauen, die mit derartigen Angelegenheiten umgehen könne. Sie werde die nötigen Befugnisse und Finanzen für die Aufgabe erhalten.
Kritiker wenden jedoch ein, dass die Polizei bereits jetzt die Macht habe, Gesetze durchzusetzen. Sie wende sie nur nicht gegen Siedler an. Gegenüber „Times of Israel“ beschuldigte eine anonyme Quelle aus den Reihen der Polizei Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir, den Zustand begünstigt zu haben. Der „Ozma Jehudit“-Chef habe eine für Extremisten günstige Atmosphäre geschaffen.
Der Vizepräsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Hussein al-Scheich verurteilte Katz‘ Plan als „Verstoß gegen internationales Recht“ und geltende Verträge. Nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA sieht der Fatah-Politiker darin einen Versuch, das israelische Gesetz im Westjordanland einzuführen. (mw)
2 Kommentare
Daß von Bibis Seite nichts kommt war zu erwarten, und Katz ist mir in dieser Angelegenheit zu lahmarschig.
Interessant ist indes die Quelle in der israelischen Polizei, da ist wohl nicht nur bei den Amis etwas am Brodeln, sondern auch bei Ben Gvirs eigenem Ressort. Man scheint dort, gelinde gesagt,nicht glücklich mit diesem Typen zu sein. Ob das allerdings für einen Aufstand der Prätorianer reicht wage ich zumindest nicht vorauszusagen. Gut wäre es jedenfalls, diesen Mechabel loszuwerden, im Sinne des Friedens innerhalb Israels.
SHALOM
@Klaus, Gerade gelesen: Ben-Gvir fordert die Tötung von 30 bis 40 Menschen in Gaza – jede Nacht. Einfach nur ekelhaft dieser Mann; er gibt den Antisemiten genau die perfekte Steilvorlage.