„Tragische Kriegsfolgen rechtfertigen keine Verzerrung der Fakten“

Der Film „Nasa“ ignoriert Fakten und basiert auf unbeweisbaren Behauptungen. Diese Kritik äußert die israelische Armee in einer ausführlichen Stellungnahme.
Von Israelnetz
Teil einer groß angelegten Offensivaktion. Soldaten dringen im Norden des Gazastreifens weiter vor

JERUSALEM (inn) – Die israelische Armee hat am Donnerstag eine kritische Stellungnahme zum umstrittenen Film „Nasa“ veröffentlicht. Darin stellt sie fest: „Das Narrativ des Filmes basiert auf erheblichen sachlichen Irrtümern.“

Der Dokumentarfilm hatte am 12. September den Spezialpreis der Jury bei den 83. Filmfestspielen von Venedig erhalten. Die israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor sprachen für die Dokumentation eigenen Angaben zufolge mit 24 Geheimdienstmitarbeitern und Soldaten, deren Identitäten anonym bleiben.

Das Militär prangert an, dass Zeugenaussagen anonymer Personen eine „falsche und höchst irreführende Beschreibung von Realität“ enthielten. Den Kontext bleibe in dem Film außen vor, dieser sei aber entscheidend, um das Vorgehen der Armee im Gazakrieg zu verstehen. „Der Film vertieft diese Verzerrung der Wirklichkeit durch die manipulative Veröffentlichung von Interviews und Anspielungen auf historische Gräueltaten. Dabei schreibt er der israelischen Armee fälschlicherweise und ohne Grundlage boshafte Absichten zu, die das angebliche ‚Beweismaterial‘ im Film nicht untermauert.“

Vielsagender Titel

Die „Umkehrung der Realität“ beginne bereits mit dem Titel, heißt es in der Stellungnahme. Das Akronym NASA stehe für „Nesek Agavi“, also „Kollateralschaden“. Der Begriff werde weltweit von jedem Militär verwendet, das sich an Gesetze halte, auch von der israelischen Armee. Er beschreibe unabsichtlichen Schaden für Zivilisten durch einen Angriff auf ein militärisches Ziel.

„Paradoxerweise präsentiert der Film die außergewöhnliche Anstrengung und Ausführlichkeit, die die israelische Armee an den Tag legt, um solche Schäden bei Angriffen einzuschätzen, als Beweis für Gleichgültigkeit gegenüber zivilen Leben.“ Doch in Wirklichkeit sei dies Teil des internationalen Rechtes. Kommandeure sollten dadurch „festlegen können, ob ein Angriff rechtmäßig ist, zusätzliche Vorkehrungen anordnen, den Angriffsplan anpassen oder widerrufen – all das, um die Möglichkeit eines Schadens für Zivilisten möglichst gering zu halten, wie es Kommandeure viele Male während des Krieges getan haben“.

Die israelische Armee sei offen für aufrichtige Kritik an ihrem Verhalten, und auch lernbereit. Wenn ein Verdacht auf eine Verletzung des Rechtes oder der Armee-Anordnungen bestehe, werde dies untersucht. Notfalls folgten Disziplinarverfahren, strafrechtliche Ermittlungen oder andere Maßnahmen, betont das Militär.

Kritisch merkt es an, dass die Filmemacher vorher nicht um eine Stellungnahme gebeten hätten, wie es auch im investigativen Journalismus üblich sei. Zudem hätten sie dem Militär trotz Anfrage kein Exemplar des Filmes überlassen. Einzelheiten, um die Vorfälle zu identifizieren, auf die der Film eingehe, fehlten. Die Armee war demnach auf einen detaillierten Bericht von jemandem angewiesen, der eine öffentliche Vorführung miterlebt hatte.

Interviewpartner uninformiert

Das Militär wirft den Interviewpartnern vor, über Angelegenheiten gesprochen zu haben, von denen sie keine Ahnung hätten. Viele Aussagen zeigten mangelndes Wissen oder Verständnis bezüglich der späteren Stufen des Angriffsprozesses. Möglicherweise hätten sie eine allgemeine, anfängliche Einschätzung über die Anwesenheit von Zivilisten aufgeschnappt und gedacht, es handele sich um eine endgültige Bewertung, nach der ein Angriff ausgeführt worden sei.

„Während des Krieges erlegten Kommandeure weitere Einschränkungen auf, änderten Angriffspläne, nahmen Vorschläge für eine weitere Planung zurück oder verweigerten eine Bewilligung, weil Schaden für Zivilisten zu erwarten war“, heißt es. „Manchmal geschah das während der Planung und manchmal in Echtzeit, oft, nachdem kurz vor einem Angriff eine unerwartete Präsenz von Zivilisten ausgemacht wurde.“

Der Film bringe nur anonyme Berichte von Leuten, deren genaue Rollen sowie der Zugang zu Informationen aus erster Hand unbekannt seien. Er zitiere keinerlei militärische Richtlinien. Bei angeblichen Angriffen fehlten ein spezifisches Ziel sowie Datum, Ort oder berichtete Opfer. Behauptungen blieben allgemein und nicht verifizierbar. Dadurch verlören Zuschauer die Möglichkeit, die Behauptungen unabhängig zu überprüfen.

Kontext des Krieges ignoriert

Ein weiterer Vorwurf lautet, die Dokumentation vernachlässige den Kontext. Das Massaker vom 7. Oktober sei essentiell, damit die Zuschauer begriffen, was für eine große Sicherheitsbedrohung die Hamas für Israel darstellt. Diese habe sich in dem Terrorangriff materialisiert. Kriegsziele würden falsch geschildert.

Dass die Hamas aus der Zivilbevölkerung heraus operiert, werde ebenfalls nicht deutlich. Militante, Waffen und militärische Infrastruktur befänden sich in zivilen Gebieten. Die Terror-Organisation beziehe Krankenhäuser, UN-Gebäude, Schulen und Moscheen ins Kriegsgeschehen ein. Dieses Wissen sei unabdingbar, um die Herausforderung bei der Identifizierung von Zivilisten zu begreifen.

Folgen Sie uns auf Facebook und X!
Melden Sie sich für den Newsletter an!

Ebenfalls nicht erwähnt werden laut der Stellungnahme Schritte der Armee zum Schutz von Zivilisten unter diesen Bedingungen. Dabei belaufe sich die humanitäre Hilfe durch die Regierungsbehörde COGAT auf mehr als 3,9 Millionen Tonnen Lebensmittel seit Oktober 2023.

„Kein Angriff mit 500 zivilen Opfern geplant“

Auf einen allgemeinen Teil folgt in der Stellungnahme ein zweiter Abschnitt, der konkrete Behauptungen aufgreift und widerlegt. Eine lautet: „Es gab eine Bewilligung, das 500 Zivilisten bei einem einzigen Angriff getötet werden.“

Dem hält die Mitteilung entgegen: „Die Armee hat nie einen Angriff in Gaza geplant, bewilligt oder ausgeführt, bei dem damit gerechnet worden wäre, dass 500 Zivilisten, oder eine annähernd so hohe Zahl, getötet würden. Ebensowenig hat jemand ernsthaft angenommen, dass ein israelischer Angriff jene Zahl von Todesfällen oder etwas Vergleichbares verursacht hätte. Die Filmemacher haben diese Behauptung prominent platziert, unter anderem im offiziellen Trailer des Filmes, obwohl sie es zwangsläufig nicht hätten verifizieren können noch Beweise dafür gehabt hätten.“

Die Filmemacher erheben zudem den Vorwurf, das Militär unterscheide bei der Zählung von Kollateralschäden nicht zwischen Erwachsenen und Minderjährigen. Doch genau das würde dem humanitären Recht entgegenstehen, schreibt die Armee: „Ein Zivilist ist ein Zivilist, ungeachtet des Alters, und keinem zivilen Leben wird weniger Wert zugemessen.“

Eine weitere Behauptung im Film sorgte für Wirbel: „Künstliche Intelligenz hat selbständig Zehntausende menschliche Ziele generiert, die angegriffen wurden.“ Dazu wird angemerkt, in der israelischen Armee bestimme KI weder, ob ein Objekt oder eine Person als Ziel gilt, noch, ob ein Ziel angegriffen wird. Menschliche Analysten identifizierten sie nach festgelegten Abläufen. Das werde von mindestens einem autorisierten Geheimdienstoffizier bewilligt, worauf weitere Schritte folgten. Künstliche Intelligenz werde nur in einer niedrigeren Stufe der Erfassung eines Zieles eingesetzt.

Schwere Entscheidungen

Als Fazit schreibt die Armee: „Der Film stellt fälschlicherweise ein Militär dar, das danach strebt, zivilen Schaden zu verursachen.“

Sie ergänzt: Entscheidungen, die zivile Leben kosten könnten, „gehören zu den schwersten, mit denen Soldaten und Kommandeure konfrontiert sind“. Die israelische Armee erwarte von ihren Soldaten, „dieses Gewicht zu spüren und entsprechend zu handeln. Doch diese moralische Last ist kein Beweis dafür, dass Entscheidungen unrechtmäßig oder gleichgültig gegenüber zivilen Leben waren; sie spiegelt die Ernsthaftigkeit wider, mit der sie getroffen wurden“.

Das Militär folgert: „Die tragischen Folgen des Krieges rechtfertigen nicht eine Verzerrung der Fakten. Eine seriöse Diskussion über zivilen Schaden erfordert einen seriösen Bericht darüber, wie Entscheidungen getroffen werden. Genau das kann der Film nicht liefern.“ Er wolle den Eindruck erwecken, dass die Armee auf unmenschliche Weise handele. (eh)

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien. 

Schreiben Sie einen Kommentar

28 Kommentare

  1. „Nasa“, ein Film gegen Israel. Israelfeindliche Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor mit israelischem Pass. Ein Widerspruch.

  2. Dass sich überhaupt jemand traut, darüber ein Buch zu schreiben in Form von Vorwurfshaltung ohne Vorlage von Beweisen, allein aus Anonymität, über sein eigenes Land herzuziehen mit Falschbehauptungen, echt furchtbar.
    Es war die Überlegung in Israel, den Autoren sie israelische Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Ich könnte diesen Schritt verstehen. Dieser Film ist eine schallende Ohrfeige für die IDF, die die Bevölkerung Gazas immer warnte und unter lebensbedrohlichem Einsatz Geiseln rettete, für die vielen Todesopfer der Terroristen, für die Geiseln, die gehungert und überlebt haben, für die Regierung, die versucht, ihr Volk zu verteidigen. Fehler wurden sicher auch gemacht, aber es wird nicht darauf geschaut, dass die Hamas jederzeit diesen Krieg hätte beenden können. Ich verweise immer darauf, dass Sinwars Aussage: „Wir kommen nur mit Blut in die Schlagzeilen. Kein Blut, keine Nachrichten. Das Blut unseres Volkes ist ein notwendiges Opfer.“
    Ich habe null Achtung für diese Filmemacher, die dies nicht beachtet haben.

  3. Wer die eigenen Absichten über die Wahrheit stellt, opfert die Wahrheit seinen ideologischen Zielen und schadet damit allen, die wahrhaftig und rechtschaffen leben wollen. Dafür ist der Film ein zutiefst abschreckendes Beispiel.

  4. Ich denke, angesichts der Komplexität der Vorwürfe und Unterstellungen durch die Autoren dieses Machwerkes dürfte sich durch die Revisoren der IDF herausfinden lassen wer aus welcher Einheit, die zu den fraglichen Zeitpunkten wo eingesetzt waren da angeblich geplaudert haben soll. Und auch wenn der Armee kein Exemplar dieses Films zur Verfügung gestellt wurde bzw. verweigert wurde, gibt es Möglichkeiten, herauszufinden ob da eine Lüge fabriziert wurde oder nicht.
    Vielleicht soll durch die Weigerung verhindert werden, diese Dokumentation als Fake zu entlarven, oder die Entlarvung zumindest solange zu verzögern, bis der Scheiss seine Wirkung getan hat und die Wahrheit niemanden ausser den Zweiflern mehr interessiert. Dieses Machwerk wurde einzig zu dem Zweck kreiert, die IDF zu diskreditieren .
    SHALOM

    1. Klaus @ „Dieses Machwerk wurde einzig zu dem Zweck kreiert, die IDF zu diskreditieren “ ; Ja und um einen internationalen Filmpreis zu gewinnen ! Mit einer ausgewogenen, überprüfbaren Dokumentation wären da keine Klicker zu gewinnen gewesen. Es geht darum, die woke Kultur(?)-Elite in ihren Vorurteilen zu bestätigen. Von denen hat keiner eine Ahnung von Kriegsführung, von anti-Guerilla-Krieg usw. Von nix ne Ahnung, aber eine unumstössliche Meinung.

  5. @ Antonia

    „„Dieses Machwerk wurde einzig zu dem Zweck kreiert, die IDF zu diskreditieren “ ; Ja und um einen internationalen Filmpreis zu gewinnen ! Mit einer ausgewogenen, überprüfbaren Dokumentation wären da keine Klicker zu gewinnen gewesen.“

    Genau das fiel mir beim Lesen des Berichts auch ein! International kann man Film-Preise heutzutage nur dann erhoffen, wenn man Israel und alles, was damit zusammen hängt, in Grund und Boden versenkt. Und die Chancen steigen erst recht, wenn die Film-Macher selbst Israelis bzw. jüdisch sind. Dann jubelt die ganze Community der Israelhasser: „Selbst unsere jüdischen Freunde meinen, kritisieren, prangern an …“ Eine Steilvorlage für alle, die Israel lieber schon gestern als morgen von der Landkarte getilgt hätten.

  6. Manchmal frage ich mich, ob wir „Kriegsentwöhnten“ überhaupt eine Ahnung davon haben, welches Unrecht Menschen im Krieg ganz grundsätzlich und allgemein angetan wird. Gestern und eben heute auch.

    Krieg ist auch im 21. Jahrhundert nicht moralischer, menschlicher oder leichter erträglich geworden. Es ist ungemein naiv und realitätsfern zu glauben oder den Anspruch zu erheben, ziviles Leben lasse sich im Krieg verschonen. Selbst wenn Einzelne dabei nicht unmittelbar durch Waffen getötet werden, die Zerstörung der gesamten zivilen Infrastruktur, der Ordnung und Sicherheit zerstört Menschenleben, weil das entstehende Chaos unmenschlich ist.

    Besonders verlogen ist es aber, gerade dem von Israel im Kampf gegen den Terror aufgezwungenen Krieg Maßstäbe aufzuoktroyieren, die keine Armee der Welt erfüllen könnte.

    Israel tut ungemein viel, um ziviles Leben selbst im Krieg zu bewahren, die vielen Maßnahmen brauche ich hier nicht mehr aufzulisten, kennen wir alle. Um so perfider die Anklagen der israel-hassenden Schreihälse, die immer nur dann ihr Geheule anstimmen, wenn es gegen Juden oder Israel geht, zu allen anderen Kriegen, die sogar noch weitaus brutaler geführt werden, aber keinen Laut abgeben.

    (Fortsetzung folgt)

  7. (Fortsetzung)

    Habe gerade das Buch „Ich weigere mich zu vergessen“ von Mike Herrling fertig gelesen – an einem Tag, weil es so wahnsinnig berührend war, dass man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen.

    Hierin wird die Lebensgeschichte einer Familie im Krieg beschrieben, die aus dem ehemaligen Schlesien flüchten musste und schließlich nach vielen Qualen und Strapazen das von den Amerikanern besetzte Westdeutschland erreichte. Und auch dort war noch lange nicht alles gut, denn die Folgen von Krieg, Flucht und Vertreibung dauerten noch lange an und die Neuorientierung und der Wiederaufbau waren langwierig und mühevoll.

    Ich habe schon viele Bücher über den 1. und 2. Weltkrieg gelesen. Weil ich mich wegen der Lebensgeschichte meines Vaters schon seit frühester Kindheit und Jugend mit den Folgen von Hass, Rassismus, Ignoranz und Schweigen angesichts von Unrecht konfrontiert sah, füllen diese Art von Büchern etliche meiner Regale.

    Dieses Buch von Herrling gehört mit zu den für mich Eindrücklichsten. Es beschreibt die brutalen und perversen Auswüchse aller Kriege. Umso heuchlerischer die an Israel gestellten, nicht erfüllbaren Anforderungen bezüglich einer „humanen“ Kriegsführung!

  8. Man möge mir bitte verzeihen, wenn ich noch ein weiteres Buch empfehle. Wem meine folgenden Ausführungen zu langwierig sind, kann sie gerne ignorieren und überlesen.

    Aber jetzt, so kurz vor dem 3. Jahrestag des 7.10. und angesichts der immer weiter um sich greifenden Hetze gegen alles Jüdische oder das Land Israel selbst, scheint es mir noch einmal wichtiger, sich mit dem Gestern, seinen Anfängen und Folgen, zu beschäftigen. Denn das gibt Kraft zu der Entschlossenheit, gegen den Antisemitismus von heute anzutreten, auch wenn es mühsam, anstrengend und zeitaufwendig ist.

    Daher habe ich noch einmal das Buch von Tova Friedmann „Ich war das Mädchen aus Auschwitz“ zur Hand genommen, die Anfang des Jahres anlässlich des „Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“ vor dem Bundestag eine Rede hielt. Ich meine, auch IN hat dazu seinerzeit einen Artikel veröffentlicht.

    Wir sind zwar keine Überlebenden von Auschwitz, aber wir können als Multiplikatoren für deren Botschaft des „Nie wieder!“ und gegen jegliche Art des Antisemitismus eintreten. Damit deren Leidensweg und die schrecklichen Folgen des Antisemitismus, als eine Art der Ausdrucksform von Unmenschlichkeit, für alle Gesellschaften dieser Welt nicht in Vergessenheit gerät.

    (Fortsetzung folgt)

    1. @Caja
      Dieser Artikel dürfte es gewesen sein:

      „Deutscher Bundestag
      Holocaust-Gedenktag: Rednerin lebte in Israel“
      (Von Israelnetz
      26. Januar 2026)

      1. @ Lothar

        Vielen Dank für die Recherche! Diesen Artikel meinte ich. Schon damals hat mich ihre Rede sehr beeindruckt und bewegt. Schade, dass sie nicht dazu beitragen konnte, dass sich Extremisten von links, rechts und aus dem islamistisch-fundamentalistischen Mob bei den letzten Wahlen so viel Raum verschaffen konnten. Auch ein Versagen unserer Politik und unserer ÖRM.

        1. @ Lothar

          Natürlich muss es heißen „Schade, dass sie nicht verhindern konnte, … „

          1. @ Lothar

            Das zeigt, dass alle, die mich kennen, auch ohne meine Korrektur verstanden hätten, was gemeint war, danke! 😉

  9. (Fortsetzung I)

    Besonders eindrücklich und motivierend fand ich folgende Worte ihrer Rede:

    „ … Ich gehöre zu der schwindenden Zahl an Überlebenden, die noch Zeugnis ablegen können. Es gibt nur noch sehr, sehr wenige von uns. Wir tun dies nicht, um alte Wunden aufzureißen, sondern um eines zu verhindern: dass es zu einem Erinnerungsverlust kommt. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass Vergessen niemals neutral ist – es ist gefährlich.

    … Ich bin hier, weil andere das nicht mehr können. Ich bin hier, weil ich überlebt habe. Denn wenn Holocaustüberlebende noch am Leben sind, dann haben sie eine Stimme, und sie müssen die Wahrheit erzählen.

    … Ich bin das Kind, vor dem Hitler Angst hatte. Denn seine Devise lautete: KEINE ZEUGEN! Ich spreche jetzt für die sechs Millionen, deren Stimmen zum Schweigen gebracht wurden, und für die Kinder, die nicht mehr hier sind. Ich bin eure Zeugin. Ich bin ihre Stimme.

    … Ein Rabbiner, den mein Vater kannte, rief ihm zu, gerade als sich die Türen des Viehwaggons schlossen: „Vergiss uns nicht!“, und er wiederholte es auf Jiddisch: „farges unz nisht.“ Und ich versuche, genau dies zu tun.

    (Fortsetzung II folgt)

  10. (Fortsetzung II)

    … Für uns ist Israel nicht einfach nur ein Ort auf der Landkarte – es ist das Herz einer 3 000 Jahre alten Geschichte, einer Geschichte von Glauben, Sehnsucht, Verlust und Rückkehr. Selbst in unseren dunkelsten Stunden symbolisierte Israel Hoffnung, Beständigkeit und den Glauben, dass Verzweiflung nicht das letzte Wort haben würde. Nach dem Holocaust wurde Israel eine moralische und existenzielle Notwendigkeit, nämlich die Sicherheit, dass jüdisches Leben nie wieder allein von der Gnade anderer abhängig sein würde.

    … Der Antisemitismus ist nicht verschwunden – er hat sich angepasst. Er verbirgt sich jetzt häufig hinter einer neuen, antizionistischen Sprache. Er verbreitet sich erschreckend schnell über soziale Medien. Und er findet auch in Kreisen Zustimmung, die eigentlich für kritisches Denken, für moralische Klarheit stehen sollten: in Universitäten und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen.

    … Wie die Bundestagspräsidentin sagte: Die Geschichte lehrt uns, dass Hass niemals auf ein einziges Volk beschränkt bleibt. Wenn Antisemitismus geduldet wird, werden die demokratischen Werte in dem betreffenden Land an sich geschwächt. Das Land wird dadurch schwächer, seine Existenz steht auf dem Spiel.

    … Deutschland, Sie, wir alle haben aus eigener, aus bitterer Erfahrung gelernt, was ungezügelter Hass gegenüber einem ganzen Volk dem moralischen und emotionalen Zusammenhalt einer Nation zufügen kann. Leider scheint das nicht auszureichen. Antisemitismus nimmt in diesem Land wieder zu.

    (Fortsetzung III folgt)

  11. (Fortsetzung III)

    … Sie müssen Ihr Land wieder zurückgewinnen, den schrecklichen antisemitischen Organisationen wieder entreißen, nicht so sanft, wie Sie das tun. Das letzte Mal haben Sie es einem Verrückten erlaubt, das Land zu kapern und Sie zu vernichten und Menschen um Sie herum. Sie erholen sich noch immer von diesem Schock. Jetzt ist Ihre Chance und ist die Gelegenheit, zu kämpfen, Ihr Land wieder zurückzugewinnen mit Stärke.

    … Als eine der vielleicht letzten Auschwitz-Überlebenden – ich weiß wirklich nicht, wie viele es noch gibt – kann ich Sie nur aufrufen: Lassen Sie es nicht zu, dass der Antisemitismus wieder aufblüht und um sich greift!

    … Sie haben aus diesen schrecklichen Erfahrungen gelernt. Sie haben gelernt, dass Verhandlungen und der Versuch, immer das Richtige zu tun, nicht immer funktionieren. Deswegen hoffe ich von ganzem Herzen, dass Sie, sagen wir mal, etwas entschlossener werden. Ich habe keine Ahnung von Politik, aber ein wenig entschlossener, damit sie vor Ihnen Angst haben. Sie, die wichtigsten Leute aus Deutschland, die hier im Saal versammelt sind, Sie haben die Macht, etwas entschlossener zu sein, sich deutlich zu positionieren. Nutzen Sie die Macht, die Sie haben! Wir dürfen nicht zulassen, dass die Gegner die Oberhand gewinnen. Das haben Sie doch aus Ihrer bitteren Erfahrung gelernt: dass es irgendwann zu spät sein könnte.

    (Fortsetzung IV folgt)

  12. (Fortsetzung IV)

    … Die jüngere Generation ist nicht verantwortlich für das, was ihre Vorfahren getan haben in Treblinka, Auschwitz-Birkenau, Majdanek, Bergen-Belsen, Dachau und anderen Konzentrationslagern der Nazis. Aber Sie – insbesondere diejenigen, die politische Verantwortung tragen – sind auch verantwortlich dafür, wie die Welt aussieht, nicht nur für Ihre eigene Zukunft, sondern auch für die Ihrer Kinder, Ihrer Enkel, Ihrer Urenkel – und meiner. Das bedeutet, dass diese Seuche, dass diese Epidemie des Hasses, dieser Antisemitismus sehr, sehr ernst genommen werden muss. Neutralität im Angesicht des Hasses ist keine Neutralität, sondern bedeutet Zustimmung.

    … Möge die Erinnerung zu Verantwortung führen. Möge die Verantwortung zum Handeln führen. Und möge das Handeln dafür sorgen, dass „Nie wieder!“ nicht nur eine Parole ist, sondern eine bleibende Verpflichtung. …“

    1. Caja, ich werde auch dann gehen, wenn ich weiß, daß ich am nächsten Tag schon einem Terroranschlag zum Opfer fallen könnte, so groß ist inzwischen meine Sehnsucht nach diesem Land und seinen Bewohnern. Ich werde nicht zögern, sobald ich hier fertig bin. Dann hält mich nichts mehr hier.
      SHALOM

      1. @ Klaus

        Ich kann jeden Juden verstehen, der angesichts des grassierenden Antisemitismus, der zunehmend in immer schlimmer werdenden Dimensionen eskaliert, versteckt hinter vermeintlich intellektueller, Aufgeklärtheit oder offen skandiert mit verblödeter, grausamer Gewalt, seine Heimat in Deutschland bzw. Europa verlässt.

        Allerdings wird das den weiter in der“ Diaspora“ Verbleibenden nicht helfen. Das lehrt uns die Geschichte.

        Eines weiß ich ganz sicher: Antisemitismus ist ein Gradmesser für den Zustand einer Gesellschaft. Und selbst wenn alle Juden Europa verlassen würden, diejenigen, die sich heute dem Antisemitismus verschrieben haben, werden neue Opfer ihrer Hetze finden und dabei unsere demokratische, wertebasierte Ordnung und Zielsetzung umkrempeln und später vernichten. Denn hinter Antisemitismus steckt eine Gesinnung der Leidenschaft für Ausgrenzung und Vernichtungswut

        So war es schon im Europa des Mittelalters, als zunehmende Judenfeindlichkeit in Pogromen und Judenvertreibung eskalierte, bis fast ganz Europa „judenrein“ war, was dann die Zeit der Hexenverbrennung durch die Inquisition einläutete. Die alten Sündenböcke waren weg, neue wurden gesucht und gefunden. Und so war es auch nach 1933. Neben Juden trachtete man, alle Andersdenkenden und Andersartigen zu vernichten.

        Wenn wir uns also Antisemitismus nicht wehrhaft entgegenstellen, egal von wo aus auf diesem Planeten, riskieren wir den Untergang unserer zivilisierten demokratischen Welt.

        1. Ich stimme deiner Analyse vollkommen zu: Antisemitismus ist der ultimative Gradmesser für den Zustand unserer Demokratie, und das Wegsehen gefährdet am Ende uns alle. Wer die Geschichte kennt, weiß, dass der Hass niemals bei den Juden aufhört.
          Gleichzeitig habe ich tiefes Verständnis für jeden, der angesichts dieser Bedrohung den Entschluss fasst, nach Israel auszuwandern. Es ist das historische Versprechen des Landes, ein sicherer Hafen zu sein. Allerdings – und das weiß ich aus eigener Erfahrung, da ich selbst 5 Jahre in Israel gelebt habe – ist dieser Schritt eine enorme Herausforderung, die weit über die politische Entscheidung hinausgeht. Israel zu lieben und dort eine langfristige Zukunft aufzubauen, sind zwei verschiedene Dinge. Der Kulturschock ist real: Die israelische Kommunikation ist extrem direkt, ungefiltert und laut – ein krasser Gegensatz zu der zurückhaltenden Art, mit der ich in Deutschland aufgewachsen bin. Hinzu kommt dass die extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit von Mai bis Oktober Menschen in einen monatelang klimatisierte Räume zwingen. Wenn sich diese physische Belastung dann noch mit dem permanenten Stress der Sicherheitslage verbindet, führt das fast unweigerlich zu chronischer Erschöpfung.
          Mein Fazit deckt sich daher mit deinem: Wir müssen Europa hier vor Ort wehrhaft verteidigen – nicht nur für die jüdische Gemeinschaft, sondern für unsere zivilisierte Welt insgesamt. Denn Auswanderung ist zwar ein verständlicher Impuls, aber aus rein menschlichen, kulturellen und klimatischen Gründen eben auch kein einfacher oder für jeden gangbarer Ausweg.

  13. Bereits Asaph entlarvt in Psalm 83 schonungslos den Hass der Nationen. Das ist nicht bloss ein Streit um Land oder territoriale Ansprüche, es geht um Rebellion gegen Gott in seiner tiefsten Wurzel.“Kommt, wir wollen sie vertilgen, dass sie kein Volk mehr seien.“ Eine Schande, dass auch viele Christen so verblendet sind und Israel zum Hauptproblem erklären. Das ist die Brille der Medien, Filme, Ideologien. Die heilsgeschichtliche Linie wird eben geleugnet. So wird man zum Ankläger. Gerade heute las ich einen Ausspruch von John F.Kennedy :: Israel wird bleiben und blühen.🌾🌿 Es ist das Kind der Hoffnung und die Heimat der Tapferen ! Der Mann hatte es verstanden ! Danke an Caja 🌹! Viele gute Hinweise entdeckt !

  14. Ich werde künftig lieber der geringste Israeli sein und in bescheidenen Verhältnissen dort in Israel mein Leben fristen als im ,,reichen“ Europa, reich vor allem an Antisemitismus, Lügen und gesellschaftspolitischer Verkommenheit, ein reicher Europäer zu sein.
    SHALOM

    1. @Klaus
      Vor deinem Umzug, bitte einen Zwischenaufenthalt in der Toscana in unserem Landsitz buchen, um dich zu erholen und Kräfte zu sammeln.

      1. Wird noch was dauern, Albert, aber ich lass mir das durch den Kopf gehen, jedenfalls vielen herzlichen Dank für das Angebot.
        SHABBAT SHALOM

  15. Allen Kritikern des gerechten Militäreinsatz durch Israel sei ganz klar gesagt: Die meisten anderen Armeen dieser Welt hätten noch viel härter zurückgeschlagen wenn sie Opfer eines vergleichbaren Angriffs auf ihr Land gewesen wären!

    Israel hat sich im Gaza-Krieg sehr zurückgehalten und Zivilisten so gut es nur irgendwie geht geschützt!
    Viele Terroristen haben sich aber sowohl hinter den Zivilisten versteckt, als auch die Definition eines (angeblichen) Zivilisten als Schutzschild verwendet! Das ist die wahren Fakten!

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen