Tausende Israelis protestieren gegen hohe Lebenshaltungskosten

Seit Wochen stiegen in Israel die Preise für Lebensmittel, Energie und Güter. Tausende Israelis nehmen an einer Protestaktion teil, die ein bekannter Moderator organisiert. Gemeinsam stellen sie Forderungen an die Politik.
Von Israelnetz
Moderator Guy Lerer organisiert eine Demonstration in Tel Aviv gegen hohe Lebenshaltungskosten

Foto: Guy Lerer, Twitter

Der Moderator Guy Lerer organisierte eine Demonstration gegen hohe Lebenshaltungskosten. Er setzt sich nicht zum ersten Mal für Bedürftige ein.

TEL AVIV (inn) – Es sind nicht wenige, die sich der Protestaktion des berühmten TV-Moderators Guy Lerer anschließen: Tausende Israelis protestierten am Mittwochabend in Tel Aviv gegen die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Die Organisatoren sprechen von einem politisch unabhängigen Protest. Wenn Menschen ihr tägliches Leben finanziell nicht mehr stemmen könnten, sei dies keine Frage von politischer Gesinnung.

„Die Öffentlichkeit fängt an zu schreien und auf die Straße zu gehen, und das ist erst der Anfang“, sagte Lerer am Rande des Protests in einem Interview der israelischen Onlinezeitung „Times of Israel“. Die Demonstranten fordern von der israelischen Regierung, dass sie eine andere Wirtschafts- und Finanzpolitik durchsetzt. Die Bevölkerung solle nicht weiter mit hohen Preisen für Lebensmittel, Energie und Güter gegängelt werden. Bedürftige bräuchten stattdessen mehr Unterstützung.

Günstige Lebensmittel verkauft

Mehrere Organisationen und Vereine beteiligten sich an den Protesten. Linor Deutsch, Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation „Lobby 99“, äußerte sich während der Demonstration: „Es ist wichtig, dass die Botschaft die Entscheidungsträger erreicht.“ Der Staat habe die Aufgabe, die Bürger zu unterstützen.

Bei der Demonstration auf dem Habima-Platz in Tel Aviv wurden Stände aufgebaut. An diesen konnten die Teilnehmer Pakete mit Grundnahrungsmitteln zu relativ günstigen Preisen erwerben. Diese Aktion organisierte ebenfalls der Moderator Guy Lerer. Er setzt sich seit einigen Jahren für Bedürftige ein. 2020 startete er beispielsweise eine Spendensammelkampagne im Internet, um Menschen in Not zu helfen.

Die israelische Regierung hatte vergangene Woche ein Wirtschaftspaket vorgestellt. Insgesamt 1,2 Milliarden Euro sollen laut Regierungschef Naftali Bennett (Jamina) bereitgestellt werden, um die steigenden Lebenshaltungskosten zu stabilisieren. Im Zentrum der finanziellen Hilfen stehen Familien mit Kindern. Jedoch sollen auch Steuern und Zölle auf Lebensmittel und Konsumgüter gesenkt oder gestrichen werden. Während die Inflation in Israel auf 3,1 Prozent steigt und vermehrt Israelis Unverständnis über die hohen Preise äußern, sucht die Politik nach passenden Antworten.

Laut einer aktuellen Umfrage glauben 60 Prozent der Israelis nicht, dass die Regierung es schafft, mit dem Wirtschaftspaket die Lebenshaltungskosten zu senken. Die Umfrage wurde von der israelischen Zeitung „Israel Hajom“ veröffentlicht. 64 Prozent gaben außerdem an, weniger Lebensmittel einzukaufen. Die Hälfte der Befragten plädiert dafür, die Mehrwertsteuer zu senken. (joh)

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13 Antworten

  1. Wie kommt es eigentlich, das die Lebenshaltungskosten in Israel deutlich höher als die in anderen westlichen Demokratien sind? Fehlt dort der Wettbewerb oder funktioniert die Marktwirtschaft nicht? Denn der Markt legt ja bekanntlich die Preise fest und nicht die Regierung.

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    1. Das hohe Niveau der Lebenshaltungskosten hat viele Ursachen: Israel ist ein kleiner Absatzmarkt; aufgrund des Boykotts seiner Nachbarn, ist es kaum in regionale Märkte integriert; Importe kommen aus Übersee; Importzölle um die heimische Produktion zu schützen; hoher Nachfragedruck durch eine hohe Geburtenrate, Einwanderung und steigende ausländische Investitionen; Kaschrut (derzeit ist ein Schmitajahr) und Koscherzertifizierung. Dämpfend auf die Importpreise wirkt sich dagegen der unter stetigem Aufwertungsdruck stehende Shekel aus.
      Die aktuell steigende Inflationsrate ist aber kein Israelspezifisches, sondern ein weltweites Phänomen.

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      1. “Kaschrut (derzeit ist ein Schmitajahr) und Koscherzertifizierung”

        Vielleicht könnte man ja mal über eine Abschaffung nachdenken. Der Rest der Welt kommt ja auch ohne diese Regeln aus.

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        1. Es handelt sich nicht um staatliche Vorschriften, sondern um halachische. Es gibt auch Lebensmittel, Restaurants, Kaffees etc ohne Koscherzertifikat.

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          1. Man sollte einmal darüber nachdenken, warum ein Kosherzertifikat nicht genug ist? Manche Lebensmittel haben ja nur drei!

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  2. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass die Explosion der LHK in erster Linie auf ein steigendes Militärbudget zurück zu führen ist. – Ein globales Problem – Dabei brauchte Israel sich keine Sorgen machen, da es unter dem Schutz Gotte steht. Da aber der größte Teil der Israelis Jesus als ihren Retter nicht akzeptieren, werden sie sich mit erhöhten LHK und sonstigen infrastrukturellen Problemen abfinden müssen. Die westliche Welt könnte natürlich finanziell helfen; aber ich glaube, es ist sinnvoller, wie es die Bibel sagt, für Israel und Jerusalem zu beten, damit Gott ihnen die Augen öffnet.

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    1. Die Juden müssen also zum Christentum konvertieren damit ihnen Gott hilft? Solange sie Juden bleiben, hilft Gott nicht? Ist das nicht antisemitisch? Mit dem Militärbudget haben Sie vermutlich recht. Vielleicht wäre ein Frieden mit den Palästinensern ja auch im Interesse der Israelis, wenn dadurch die hohen Lebenshaltungskosten sinken würden.

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      1. Herr Seelig meint vermutlich, dass sie messianische Juden werden sollten. Zudem kämen Antisemiten wohl niemals auf die Idee, dass Juden unter dem Schutz Gottes stehen könnten. Dass Juden Mühe hätten/haben sich Christen zu nennen, das ist wohl verständlich nach all dem was sie durch “Namenchristen” erlebt haben. Dazu zähle ich heutzutage auch die unterlassene Unterstützung im Kampf gegen einseitige Verurteilungen (UN, AI). Logisch wäre ein echter Frieden mit den “Palästinensern” für alle von Vorteil

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    2. „Die westliche Welt könnte natürlich finanziell helfen;“
      Das tut sie, die Militär und Wirtschaftshilfe für Israel , kostet den Amerikanischen Steuerzahler pro Tag 8 Millionen Dollar.

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        1. Wenn Sie sich schon auf die Bibel beziehen, dann müssten Sie wissen, das GOTT für Israel einen anderen Weg vorgesehen hat.
          Es ist also haschen nach Wind darüber zu spekulieren: was wäre wenn.

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    3. Verstehe ich Sie richtig, dass Jesus die Lebenshaltungskosten senkt (S.4 obig)?

      Kaum begann die Woche, schon habe ich wieder etwas gelernt… .

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      1. Hallo Eddie, freu mich tatsächlich, dich zu lesen.

        Ehrlich gesagt, senkt Jesus meine Lebenshaltungskosten auch nicht, aber es ist sicher sein Verdienst, dass ich mit meinem Einkommen auskomme.

        Und sicher kann man es auch GOTT zuschreiben, dass Israel aus dem Westen Unterstützung erhält.

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