Die arabischen Familien in Palästina sind normale Menschen, die in Frieden in ihrem Land leben wollen; doch leider kommen die brutalen Zionisten ins Land, und die haben nur ein Ziel: Araber vertreiben und töten. Diese Darstellung zieht sich inzwischen durch unzählige Filme, die sich mit der Zeit rund um die israelische Staatsgründung auseinandersetzen.
Die Produktionen werden dabei immer aufwändiger und teurer, die Hauptrollen immer prominenter besetzt, verlässlich gewinnen sie Filmpreise auf der ganzen Welt. Nun kommt ein weiterer, unerträglich propagandistischer Film über Palästina im Jahr 1936 in die Kinos. In einer Hauptrolle: Oscar- und Golden-Globe-Preisträger Jeremy Irons.
Der Spielfilm „Palästina 36“ von der in Bethlehem geborenen Regisseurin Annemarie Jacir soll die Zeit vor der Staatsgründung Israels zeigen. Die Muster, die sie verwendet, sind die selben, die mittlerweile zuverlässig in Filmen aus palästinensischer Sicht angewandt werden. Somit ist „Palästina 36“ in seiner Einseitigkeit vollständig vorherseh- und durchschaubar. Die palästinensischen Familien sind hier ganz normale Menschen, die Liebe und Fürsorge ihren Familienmitgliedern angedeihen lassen möchten – es könnte alles so schön sein, wären da nur nicht die Juden, die ins Land kommen mit dem Ziel, alle zu vertreiben.
Der „Feind“ bleibt auch hier den kompletten Film über eine diffuse Gefahr in der Ferne. Juden kommen praktisch nicht vor. Vielmehr sind sie zuverlässig als brutale Monster dargestellt, die man nicht näher zu Gesicht bekommt.
Gegenpart zum Film „Exodus“?
Regisseurin Jacir hat sich auch dank großer finanzieller Unterstützung viel Mühe gegeben, eine Art Gegenpart zum bekannten Drama „Exodus“ aus dem Jahr 1960 zu erstellen. Und tatsächlich brachte die in London erscheinende arabische Zeitung „The New Arab“ bereits diesen Vergleich ins Spiel. Namhafte Schauspieler konnten für den Film gewonnen werden, darunter Robert Aramayo und Liam Cunningham („Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“) sowie Jeremy Irons als Hochkommissar der britischen Kolonialverwaltung. Irons gewann 1991 für seine Hauptrolle in „Die Affäre der Sunny von B.“ einen Oscar.
Das palästinensische Kulturministerium hat den Film als palästinensischen Beitrag für die 98. Oscarverleihung in der Kategorie „Bester internationaler Film“ vorgeschlagen. Er landete auf der Shortlist, wurde jedoch nicht nominiert. Es ist eine Koproduktion der Filmgesellschaft „Philistine Films“ mit Büros „in Palästina und Jordanien“, der gemeinnützigen Organisation „Doha Film Institute“ in Katar, den „Katara Studios“ sowie verschiedenen Produktionsfirmen aus Großbritannien und Frankreich. Zu den Unterstützern gehören unter anderem „BBC Film“, das „British Film Institute“, „Watermelon Pictures“, die Türkische Hörfunk- und Fernsehanstalt TRT, der Jordanische Film-Fonds und das Dänische Filminstitut.
Pogrome der Araber werden verschwiegen
Die Zeitung „The Free Press“ kritisierte bereits eine ahistorische Darstellung des Films. Er stilisiere den Aufstand der Araber zu einem „Moralstück über koloniale Grausamkeit und arabischen Widerstand“.
Die Nachrichtenseite „Times of Israel“ urteilte, der Film ignoriere die Fortsetzung der jahrzehntelangen Gewalt gegen jüdische Gemeinden und verschweige auch dessen Anführer, Großmufti Amin al-Husseini. Der Rezensent schreibt: „In den 1920er Jahren kam es zu einer Reihe von Pogromen, der schwerwiegendste ereignete sich 1929, als der Großmufi zu Gewalt anstiftete und die seit Generationen dort ansässige jüdische Gemeinde Hebrons auslöschte. Die Angriffe auf jüdische Siedlungen hielten an und nahmen während des Aufstands zu.“ Der Film zeige Szenen, in denen Briten Land an Juden übertragen, obwohl es überwältigende Beweise dafür gibt, dass praktisch das gesamte Siedlungsland der Juden legal erworben wurde.
Der Historiker Oren Kessler dokumentierte in seinem Buch „Palestine 1936“, dass bis zum Ende der Revolten 500 Juden getötet worden waren. Im Film werden solche Tötungen nicht einmal erwähnt; er zeigt ausschließlich Araber als Opfer der Gewalt.
Der Film ignoriert auch den Widerstand unter den Arabern während des Aufstands. In der Anfangsphase wurde beispielsweise der Bürgermeister von Haifa ermordet, weil man ihm vorwarf, mit Juden zusammenarbeiten zu wollen. Obwohl Juden 30 Prozent der Bevölkerung ausmachten, lautete die Empfehlung, ihnen lediglich 12 Prozent des britischen Mandatsgebiets zuzusprechen, während der Großteil des restlichen Landes einem arabisch-palästinensischen Staat zugesprochen werden sollte.
Für den Großmufti und seine Anhänger war jedoch kein unabhängiger jüdischer Staat, wie klein er auch sein mochte, zulässig. Er wird in der palästinensischen Geschichtsschreibung ebenfalls ausgeblendet, da er seinen Judenhass auch im Exil fortsetzte und im Irak Pogrome anstiftete. Nach seiner Vertreibung ging er nach Berlin, um Hitlers Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Dass er auch in „Palästina 36“ keine Erwähnung findet, überrascht nicht.
Regisseurin: „Ich will keinen Staat“
Die Filmemacher behaupten laut dem Magazin „Deadline“, eine Aufführung ihres Films in Jerusalem sei von der israelischen Polizei abgebrochen worden. Dies soll am 22. Januar 2026 im Kulturzentrum „Jabus“ in Ostjerusalem geschehen sein, der Filmvorführer sei für eine Befragung zudem festgenommen worden. Ferner habe die Polizei jegliche zukünftige Vorführungen des Films untersagt. Dazu lassen sich keine unabhängigen Presseberichte finden.
Regisseurin Jacir will ihren Film offenbar durchaus im Hinblick auf den heutigen Nahostkonflikt verstanden wissen. In einem Interview des britischen „Guardian“ sagte sie: „Alles, was heute geschieht, hat seinen Ursprung in den Ereignissen von 1936; alles, was die israelische Armee tut, ist im Grunde auf diesen Moment zurückgeführt.“ Weiter sagte die 50-Jährige: „Es findet ein Völkermord statt.“ Und: „Ich will keinen Staat. Mir ist ein Staat völlig egal. Wir wollen einfach nur leben.“
Ihr Vater, Jahrgang 1936, habe die „Nakba“ („Die Katastrophe“), also die Staatsgründung Israels von 1948, überlebt. Es ist pure Ironie, wenn der „Guardian“ schreibt: „Von Anfang an bestand sie darauf, in Palästina zu drehen, doch die Produktion wurde wenige Tage vor dem geplanten Beginn nach den Anschlägen vom 7. Oktober gestoppt.“ Das Filmteam musste für 13 Monate nach Jordanien ausweichen.
Die Filmemachererin drehte 2023 bereits den Film „Wajib“, der in der ARD im November 2023 ausgestrahlt werden sollte. Doch der Sender nahm den Film aus dem Programm wegen der Anschläge wenige Wochen zuvor im Süden Israels.
„Die Juden bekommen mehr Lohn“
Die Zeit um das Jahr 1936 stellt der Film als Okkupation dar: Einerseits nehmen hier die Juden den Palästinensern das Land weg, andererseits unterstützen die Briten sie dabei. Erst sind es nur Gerüchte, dann wird es für die Palästinenser zur Gewissheit: „Die Siedler haben alle im Dorf Sakhina enteignet. Die Fabriken entlassen alle Palästinenser. Die Juden bekommen mehr Lohn für ihre Arbeit als die Palästinenser. Die Juden dürfen Demonstrationen veranstalten. Die Palästinenser nicht.“ (Alles wörtliche Zitate aus dem Film.)
Im Hafen von Jaffa werden dann auf einem Schiff Waffen gefunden, die von Juden ins Land geschmuggelt wurden. Klarer Fall: Man muss sich wehren, bevor es zu spät ist.
Diesen Kampf nennen sie zunächst „Streik“. Aber komischerweise sind die Streikenden schon von Anfang an bis zu den Zähnen bewaffnet, sie überfallen Züge und pressen den Fahrgästen Geld ab – Pardon, Hilfe für die Streikkasse. Dann brennen Felder. Es kann nur einen Schuldigen geben: Die jüdischen Siedler. Auch daraus wird sogleich eine Parole gemacht: „Unser Land brennt!“
Wer braucht Grundbucheinträge, wenn man hassen kann?
Der Film „Palästina 36“ folgt der uralten Erzählung: Die haben angefangen. Viele Bilder ähneln frappierend Szenen aus heutigen palästinensischen Filmen: Passkontrollen durch Soldaten (nur sind es hier eben nicht israelische, sondern britische), und die sollen nicht etwa Terror verhindern, sondern dienen ausschließlich der Schikane. Sogar Wachtürme sind zu sehen, und auch hier wird ein Palästinenser mitten in der Nacht grundlos aus der Entfernung aus einem jener Türme erschossen.
Kein Kontext, keine Vorgeschichte. Alles geschieht im Dunklen, nie werden konkrete Hintergründe erklärt. Fest steht nur: ein Palästinenser wurde erschossen, und das ist grundsätzlich Unrecht. Sogar Gefangenenlager werden in diesem Film gezeigt, hinter Stacheldrahtzaun fristen unschuldige arabische Frauen und Kinder ihr Dasein, unter Durst und Hunger. Mit Juden gibt es in diesem Film keine Interaktion, sie werden ausschließlich als eine diffuse Gefahr aus einer großen Entfernung oder nachts dargestellt.
Bezeichnend sei nur eine Szene herausgegriffen: Thomas Hopkins, Privatsekretär des Hochkommissariats, bemüht sich, das System des Grundbuchs auf das Mandatsgebiet zu übertragen. Das soll Klarheit schaffen, wem welches Land gehört.
Die Antwort der Palästinenser ist Abweisung. Es ist ja ganz klar, dass das Land ihnen gehört, und zwar schon seit „Jahrtausenden“ – so einfach ist das. Viel wichtiger als Besitzzuschreibungen ist doch die emotionale „Beziehung zwischen uns und unserem Land“. Das Argument, dass ein Grundbuchsystem letzten Endes auch den Palästinensern zugutekommen würde, wird hinweggewischt. Dahinter stehen ja die Briten, und die führen von Grund auf Böses im Schilde. Ein neues Gerücht macht stattdessen die Runde: „Die Zionisten nehmen den Arabern das Land weg.“
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Es sei festgehalten: Einerseits weigern sich die Palästinenser in diesem Film, anhand von Grundbucheinträgen ihre Besitztümer festschreiben zu lassen; gleichzeitig behaupten sie, die Zionisten würden genau dieses System verwenden, um ihnen Land zu stehlen.
Filme wie „Palästina 36“ betonieren die Spaltung zwischen den Seiten des Nahostkonflikts. Es scheint hoffnungslos, dass ein Film aus palästinensischer Sicht jemals historisch nicht verzerrt ist – dass er nicht die Palästinenser glorifiziert und die Juden einseitig verdammt.
„Palästina 36“, Regie: Annemarie Jacir, 119 Minuten, Kinostart: 14. Mai