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Sinnbild für jüdische Widerstandskraft

Kapern enthalten Vitamine und wertvolle Mineralstoffe. In der jüdischen Überlieferung symbolisiert der Strauch die Widerstandskraft.
Von Gundula Madeleine Tegtmeyer

Kapern waren bereits zu Jesu Zeiten bei den Bewohnern des Heiligen Landes eine beliebte Delikatesse. Das Kaperngewächs (Capparis spinosa) ist eine Wildpflanze. Sie ist hauptsächlich beheimatet auf den Kanaren, im mediterranen Raum, Nordafrika und in Ländern des Nahen und Mittleren Osten. In Israel kommt der Kapernstrauch in Galiläa, den Jerusalemer Hügeln, der Judäischen Wüste und im Negev vor.

Entgegen weit verbreiteter Annahme sind Kapern weder Früchte noch Beeren. Tatsächlich handelt es sich um die noch geschlossenen zarten Blütenknospen vom Kapernstrauch. Sie werden im Frühjahr mühsam von Hand geerntet. Bei einer späteren Ernte entwickeln sich aus den Knospen ganze Früchte, die sogenannten Kapernäpfel oder auch Kapernbeeren.

Foto: Gundula M. Tegtmeyer
Geerntet werden die noch geschlossenen Blütenkapseln

Der Kapernstrauch braucht fünf Jahre, bis er seine Blütenknospen entwickelt. Diese Knospen müssen noch vor ihrer Öffnung gepflückt und möglichst am selben Tag in Salz, Salzlake, Essig oder Öl eingelegt werden. Der Fermentierungsprozess dauert gut zwei Monate.

Werden die Knospen des Kapernstrauches nicht geerntet, öffnet sich eine traumhafte Blume, die auch Orchidee des Mittelmeeres genannt wird. Kapernsträucher sind sehr genügsam und widerstandsfähig. Da sie selbst in einem rauen Umfeld, wie etwa Felsen, gedeihen, wurde das Kaperngewächs zum botanischen Sinnbild für den Überlebenswillen des jüdischen Volkes, wie im Talmud-Traktat Beiza erwähnt.

Der Name Beiza kommt vom ersten Wort und bedeutet wörtlich „Ei“. Es ist ein Traktat in der Ordnung des Moed (Festtag), der sich mit den Gesetzen des Jom Tov, also der Feiertage, beschäftigt. Beiza ist der siebte Traktat von Moed in der Mischna, aber der achte im Jerusalemer Talmud und der vierte im Babylonischen Talmud. Moed ist die zweite Ordnung der Mischna, der ersten schriftlichen Aufzeichnung der mündlichen Tora des jüdischen Volkes.

Kapern enthalten neben reichlich Wasser auch Antioxidantien (Radikalfänger), gesunde Vitamine sowie wertvolle Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium. Einige Wirkstoffe lindern Hautkrankheiten, das Kauen der Rinde soll gegen Zahnschmerzen helfen. Um die gesundheitsfördernden Wirkstoffe des Kapernstrauches wusste man bereits in der Antike.

Erwähnung im biblischen Buch Prediger

Eine Erwähnung der Kapern finden wir in Prediger 12,5: Auch vor der Anhöhe fürchtet man sich, und Schrecknisse sind auf dem Weg. Und der Mandelbaum steht in Blüte, und die Heuschrecke schleppt sich mühsam dahin, und die Kaper platzt auf. Denn der Mensch geht hin zu seinem ewigen Haus, und die Klagenden ziehen umher auf der Straße. (Elberfelder)

Bei Martin Luther heißt es, „wenn man vor Höhen sich fürchtet und sich ängstigt auf dem Wege, wenn der Mandelbaum blüht und die Heuschrecke sich belädt und die Kaper aufbricht; denn der Mensch fährt dahin, wo er ewig bleibt, und die Klageleute gehen umher auf der Gasse. Das Buch Kohelet, oder Prediger, zählt zu den rätselhaftesten Büchern der Hebräischen Bibel.

Den zarten Kapernknospen wird neben Heilwirkungen auch eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Dies erklärt womöglich, warum der Kapernstrauch eine Liebesgöttin als Schutzherrin hat: Astarte, eine weibliche nordwestsemitische Gottheit, die im Alten Testament als ‘aštoræt, zumeist aber im Plural: ‘aštārôt erscheint. Die Tora erwähnt die Göttin Astarte zumeist im Plural „Astarten“, gemeinsam mit „dem Baal“ oder „den Baalen“ in pauschalen Verurteilungen des Fremdgötterdienstes (siehe Richter 2,13; Richter 10,6; 1. Samuel 7,4; 1. Samuel 12,10).

Foto: Gundula M. Tegtmeyer
So sieht der Kapernstrauch aus

Eleasar, ein talmudischer Rabbiner, beheimatet in Kazrin auf den Golanhöhen, galt als Kapernliebhaber und Experte. Dies geht aus einer in Stein gemeißelten Inschrift hervor. Sie wurde an der Stelle seines Studienhauses entdeckt.

Eleasar ha-Kappar war ein Rabbiner der fünften und letzten Generation der Tannaim, rabbinischer Weisen, deren Ansichten in der Mischna aufgezeichnet sind. Sie wirkten von etwa 10 bis 220 nach der Zeitrechnung. Er war ein Zeitgenosse und Freund von Jehuda ha-Nasi (Jehuda der Prinz), dem Herausgeber der Mischna, des Kodex des jüdischen Rechts.

Jehuda ha-Nasi war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des rabbinischen Judentums. Der Titel Nasi bezieht sich auf seine Tätigkeit als Vorsitzender des Sanhedrins, des höchsten rabbinischen Gerichts im alten Israel. Kapern gelten auch heute in der israelischen Gesellschaft als kulinarische Delikatesse. Im Frühjahr und Frühsommer kann man vielerorts beobachten, wie Menschen ausströmen, um Kapern zu sammeln – so wie es schon ihre Vorfahren und die rabbinischen Weisen Jahrhunderte zuvor getan haben.

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5 Responses

  1. Kapernsträucher sind sehr genügsam und widerstandsfähig, da sie selbst in einem rauen Umfeld gedeihen.
    Genauso ist das jüdische Volk in Israel. Aus Wüste bringen sie das Land zum Erblühen, aus wenig machen sie mehr. Sie geben sich nicht geschlagen, einmal am Boden stehen sie wieder auf. In der rauen Umgebung Krieges verlieren sie nicht den Lebenswillen und unterstützen sich in Trauer, Schmerz und dürren Zeiten. Der Augapfel Gottes eben.

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  2. Danke für den Bericht über die Bedeutung des Kapernstrauch.
    Die religiöse Bedeutung habe ich nicht gekannt.

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  3. Ein sehr sehr interessanter und lehrreicher Beitrag. Vielen Dank! Obwohl ich Kapern überhaupt nicht mag.🤭 Und wieder was gelernt. Die Blüten sind wunderschön!!!! Viele Grüße an Israelnetz! Manu

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