BETHLEHEM (inn) – Nach einem Angriff von Siedlern westlich von Bethlehem ist am Donnerstag ein Palästinenser seinen Verletzungen erlegen. Mohammad Faradsch al-Malhi wurde mit scharfer Munition tödlich am Kopf getroffen, schreibt die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA.
Der junge Mann stammte aus Scharafat, nordwestlich von Jerusalem gelegen. Drei Familienangehörige wurden dem Bericht zufolge bei dem Angriff verwundet. Sein Bruder sei von einem Stein getroffen worden und habe sich sehr schwere Verletzungen zugezogen, heißt es weiter.
Die israelische Armee teilte mit, die Konfrontation in der Ortschaft Harmala sei ausgebrochen, nachdem Siedler auf palästinensischem Privatland einen illegalen Außenposten errichtet hatten. Das Militär habe diesen geräumt, doch die Siedler hätten ihn wieder aufgebaut. Ein israelischer Zivilist habe auf Palästinenser geschossen. Einer sei getötet und drei weitere verletzt worden. Die Armee werde den Außenposten ein zweites Mal abreißen.
Premier Mustafa appelliert an internationale Gemeinschaft
Der Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mohammad Mustafa, forderte die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten auf. Sie müsse die Angriffe von Siedlern stoppen, sagte der Fatah-Politiker am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem irischen Premierminister Micheál Martin (Fianna Fáil). Er prangerte eine Zunahme von Angriffen gegen schutzlose Zivilisten und deren Besitz an – es handele sich „unter anderen um von Israel, der Besatzungsmacht, unternommene Maßnahmen“.
Mustafa forderte weiter eine internationale Intervention, um Israel zu zwingen, zurückgehaltene Steuergelder für die PA freizugeben. Die israelische Regierung hält diese zurück, weil die Autonomiebehörde nicht bereit ist, auf die finanzielle Unterstützung von Terroristen und deren Hinterbliebenen zu verzichten.
Offener Brief an Herzog aus der Diaspora
Derweil unterzeichneten mehr als 1.000 Juden in der Diaspora einen offenen Brief an den israelischen Staatspräsidenten Jizchak Herzog. Sie rufen ihn auf, wegen Siedlergewalt und Straflosigkeit an die Regierung zu appellieren. Hinter dem Schreiben steckt „The London Initiative“ (TLI), ein liberales zionistisches Netzwerk; es wurde im vergangenen Jahr gegründet.
„Herr Präsident, der Terror, der Tod und die Zerstörung, die von jüdisch-israelischen Extremisten gegen unschuldige Palästinenser im Westjordanland verübt werden, sind abscheulich“, heißt es in dem offenen Brief. „Es ist nicht nur aus moralischer Sicht schändlich, sondern eine strategische Bedrohung für Israels Zukunft. Es schadet der Weltjudenheit und der Beziehung zukünftiger Generationen mit Israel.“
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Bereits im August hätten sich Diaspora-Juden in einem offenen Brief an Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) gewandt, schreiben die Initiatoren. Diesen hätten mehr als 6.300 Vertreter der Weltjudenheit aus 20 Ländern unterzeichnet. Der Appell lautete: „Vollstrecken Sie das Gesetz im Westjordanland, wo die Häufigkeit und Intensität tödlicher Gewalt durch jüdische Siedler beispiellos ist.“
Doch „traurigerweise kann aus Vorfällen und aus Äußerungen der extremsten Koalitionspartner geschlossen werden, dass die Gewalt, die jetzt das Westjordanland überflutet, nicht nur von der Regierung gebilligt wird, sondern tatsächliche Politik ist“, heißt es weiter.
Die LTI hat sich diese Ziele gesetzt: „Israelische Demokratie stärken, eine fairere gemeinsame Zukunft für alle Bürger Israels fördern, Hoffnung auf sicheren Frieden wiederbeleben und die Beziehungen zwischen allen Israelis und der weltweiten Judenheit stärken“.
Soldaten aus Libanon ins Westjordanland abgezogen
Medienberichten zufolge musste das israelische Militär in dieser Woche Soldaten aus dem Libanon abziehen, wo sie gegen die Terrormiliz Hisbollah kämpft. Denn sie würden im Westjordanland benötigt. Armeechef Ejal Samir und auch der Chef des Zentralkommandos Avi Bluth warnten davor, dass die Lage im Westjordanland zu Personalknappheit führe. Dabei sei die Lage ohnehin schon angespannt.
Der israelische Botschafter in den USA, Rabbi Jechiel Leiter, äußerte sich ebenfalls kritisch. Der Zeitung „Yediot Aharonot“ sagte er, die zuständigen Rabbiner müssten ihre Schüler zurückhalten: „Ich bin so wütend über die jüdischen Randale in Judäa und Samaria. Es ist eine Handvoll von ein paar hundert Leuten, die eine ganze Unternehmung beflecken – und jeder schweigt still.“ (eh)
20 Kommentare
Wir brauchen gerade in Kriegszeiten auch gute Nachrichten: Israelische Regierung sollte mehr tun gegen die Siedlergewalt in der Westbank. Gleichfalls bedarf se weiter einer gerechten Medienarbeit, weil ja auch in der Westbank die Terroristen aktiv sind. Es darf nicht nur die Siedergewalt gestoppt werden, sondern auch der Terror, dieser ist auch für alle Siedler eine große Gefahr. Unabhängig davon werden die Kriegsoperationen noch viel Kraft verlangen für alle Beteiligten. Die Welt wird danach besser werden, ohne Mullahs und ohne Hisbollah. Aber momentan ist Krieg !
Rabbi Lechiel Leiter: „Ich bin so wütend über die jüdischen Randale in Judäa und Samaria.“
Ich auch!
Ich würde die Sache so sehen: Der Iran hatte die Gelegenheit, sein Atomprogramm aufzugeben und die Unterdrückung des eingene Volkes zu beenden. Aber sie hörten nicht zu und schlachteten es erneut ab. Die Folge = Angriff Ende. Der Libanon hatte die Gelegenheit bekommen, die Terrororganisation zu entwaffnen und das Unheil im Lande aufzulösen, aber sie haben es nicht getan. Die Folge = Angriff Ende. Die Autonomiebehörde Gelegenheit Ihre Schulbücher zu überarhbeiten und die finanzielle Unterstützung von Terroristen und deren Hinterbliebenen einzustellen, aber sie haben nicht mit sich reden lassen. Die Folge = Angriff Ende. Nur das Ende des Unheils bringt Frieden und Freiheit, nicht das Aufbegehren dagegen oder gegen die, die ihm ein Ende bereiten. Die Iren sollten anstatt Palästina als Staat anzuerkenne, lieber mal die eigene Geschichte studieren, damit sie nicht vergessen, das Ihnen Terror näher liegt als sie denken. Möge es gelingen, dass es dort immer welche gibt, die ihm ein Ende bereiten, bevor er ausbricht, anstatt eine Bühne.
Beva, so ansprechend Ihr Beitrag auch war, er geht ein bisserl am Thema vorbei.
Hier geht es um die überhandnehmende Gewalt jüdischer Extremisten, die genauso verwerflich ist wie der palästinensische Terror. Denn der junge Mann ist auf Boden erschossen worden ,
der vertraglich den Palästinensern zugesichert war, was zum Teufel haben diese illegalen Meschuggim dort eine Siedlung zu errichten?
Sollten die auf ihre eigenen Soldaten schießen, hoffe ich, der ich selber Jude bin, daß diese kurzen Prozess mit denen machen, Juden oder nicht.
Im Schatten eines Krieges solchen Terror zu praktizieren, ist eines Juden unwürdig, und auch die Berufung auf historische Ansprüche berechtigt nicht dazu.
SHABBAT SHALOM
Beva@
In dem Bericht geht es um einen jungen Palästinenser, der von illegalen Siedlern erschossen worden.
Ihr allgemeines Lamento ist m.E. sowas von daneben, da braucht man schon ein extrem dicke israelische Brille, durch die man blickt.
@Reinhard
OT: Sie machen zu Recht auf das Thema des Israelnetz-Berichts von Frau Hausen aufmerksam. Um Ihren Text besser zu verstehen, bitte ich Sie, die Frage zu beantworten: Wie definieren Sie den Begriff „allgemeines Lamento“?
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„MAN“ bräuchte „schon ein extrem dicke israelische Brille, durch die man blickt“? – Wenn ich mich angesprochen fühlte durch Ihr Entweder-sowohl-als-auch-oder-aber-weder-noch-MAN, müsste ich gestehen, dass ich weder eine deutsche noch eine israelische Brille brauche, um durchblickend zu verstehen, wovon @Beva spricht.
Manche Sichtweise hat zwar mit richtiger Optik zu tun, manches Mal m.E. gestört durch schiefe Optik. Das ist m.E. metaphorisch gemeint.
Offener Brief an Herzog von mehr als 1.000 Juden in der Diaspora. Staatspräsident Jizchak Herzog wird handeln und, wie wir ihn kennen, wird er richtig handeln. Wir können die 6.300 Vertreter der Weltjudenheit beruhigen.
„traurigerweise kann aus Vorfällen und aus Äußerungen der extremsten Koalitionspartner geschlossen werden, dass die Gewalt, die jetzt das Westjordanland überflutet, nicht nur von der Regierung gebilligt wird, sondern tatsächliche Politik ist“
Solch eine treffende Aussage.
So, Blub, da Sie selber dieser Sichtweise anhängen, behaupten Sie ja nicht, daß Juden einseitig urteilen oder nicht fähig seien zu differenzierter Denkweise.
Dazu sind wir sehr wohl in der Lage, mehr als Sie und jeder, der sich nicht in einer solchen Zwangslage befindet,das betrifft sowohl uns Diasporajuden wie auch die Einheimischen Israelis. Deshalb hoffen wir auf die Wahlen im Oktober, damit diesem Tun endlich ein Ende gesetzt werden kann. Jesh Atid und die übrige Opposition sind sehr wohl bereit dazu und warten auf die Chance, die sich eröffnet.
@Alida
„allgemein“ meint, dass Beva nichts zum Tod des Mannes geschrieben hat, sie ist dem eigentlichen Thema ausgewichen. Oder könnte man sagen das Geschehen wurde damit sogar gerechtfertigt??
Mein Begriff „Lamento“ trifft es wohl nicht ganz, denn er bedeutet eher klagen, das hat Beva eher nicht getan.
„dicke Brille durch die man blickt“…
um sowas zu schreiben.
Man weiß nicht, wie genau es zu diesem Todesfall kam, weil man den genauen Tathergang nicht kennt. Also sollte man auch nicht darüber urteilen, das kann im konkreten Fall nur ein Gericht. Dass Siedler dort mit Palästinensern in Konflikt geraten sind, muss nicht heißen, sie haben diesen Menschen ermordet. Auch das nette Foto belegt nichts, denn solche Fotos gibt es auch von allen Mördern des 7. Oktobers. Würde man in eine Demonstration von Palästinensern geraten und gegen Judenhass eintreten, würde man als Einzelner sofort verletzt oder erschlagen, wer nicht ignorant ist, weiß das auch. Sogar in Deutschland wäre es so. Wenn die alle könnten, wie sie wollten, wäre jüdisches Leben schnell ausradiert. Nicht jeder jüdische Siedler ist so nervenstark und akzeptiert seinen palästinensischen Nachbarn, der ihn in Wahrheit vernichten will. Müsste er aber. Da steckt das Problem.
Ist ja auch nur ein Einzelfall, deswegen kann man natürlich nicht vermuten wie und was dort passiert ist. Das die Siedler sehr friedvoll sind und das illegale Außenposten in WJL gebaut um Palästinenser zu beschützen steht natürlich auch ausser Frage.
Die Pali Demos in Deutschland sind natürlich eine super Erklärung für die Taten der Siedler im WJL. Sie hätten es nicht besser erklären können. Vielen Dank lieber Gast. Sie spiegeln die Denkweise von manchen Leuten echt sehr gut wieder.
Gast seien Sie bitte vorsichtig, was die Pauschalisierung palästinensischen Verhaltens betrifft, ein paar der besten Freunde und Nachbarn meiner Verwandten in Beit Yanai sind zufällig palästinensischer Herkunft, und so habe auch ich die Leute kennengelernt.
Nicht jeder Palästinenser riecht nach Terrorismus.
SHALOM
Stimmt, lieber Klaus, man sollte Palästinenser nicht pauschalisieren, sie protestieren schließlich überall auf der Welt gegen ihre wirklichen Feinde, Hamas und Hisbollah. So schlau sind sie wenigstens, dass sie soviel verstehen. Sie verteilen keine Süßigkeiten aufgrund ihrer Freude über ein Massaker. Ihre Proteste finden selbstverständlich streng geheim statt, denn man sieht sie nicht. Aber sicher gibt es sie, weil es sie geben muss, sonst stimmen ja unsere Glaubenssätze über die Menschheit nicht. Trotzdem hat selbst der Mossad noch keine Demos gesichtet und der sieht bekanntlich fast alles. Ich bin auch davon überzeugt, dass nachdem die Hamas und die Hisbollah besiegt sind, alle Palästineser Widerstandskämpfer waren. In Deutschland nach ’45 waren auch alle Deutschen Widerständskämpfer, zumindest Gegner ihres Regimes. Was denn sonst?
@gast
OT: Wenn ich einen Kommentar wie diesen lese, kommt mir der Gedanke, den Verfasser zu fragen, welche der Schriften Jonathan Swifts zu seiner Lieblingslektüre gehört, Mir ist bewusst, wenn ich das schreibe, dass ich mich durchaus auf einem Holzweg befinden könnte.
1. Netanyahu muss an der Macht bleiben, um vor den Korruptionsverfahren geschützt zu bleiben.
2. Dazu braucht er braucht seine ultrarechten Koalitionspartner.
3. Diese Ultrarechten sind das Rückgrat der Siedler, und umgekehrt.
Fazit: Unter Netanyahu wird sich bezüglich Siedler und Siedlergewalt nichts ändern.
Wahre Worte.👍
@Gast
Wenn jüdische Siedler ein illegale Siedlung errichten, diese lt. Bericht der isr. Armee zerstört, aber erneut aufgebaut wird, dann benötigen die Siedler keine starken Nerven, sie brauchen nur dort zu bleiben wie sie dürfen, ganz einfach. Es ist doch vielmehr genau anders herum.
Nicht jeder Palästinenser ist nervenstark wenn ihm immer mehr Land weg genommen wird.
Wie hier bereits mehrfach angeklungen. Auch dieser Todesfall ist sehr zu bedauern, so oder so. Laut IDF ist die Siedlergewalt 2025 um 27 Prozent gestiegen, die Zahl der als terroristisch einstufbaren Vorfälle um 50 Prozent. Der massive Anstieg wird mit dem 7. OKTOBER 2023 in Verbindung gebracht. Krieg und Gewalt wirken ansteckend, zum Einen die massenmäßige Mobilisierung antijüdischer Vernichtungsphantasien weltweit, zum Zweiten die sich ausweitende Siedlergewalt. Beides ist zu verurteilen. Dennoch sollte nicht der Eindruck entstehen, dass diese gewalttätigen Ausuferungen auf die sehr große Überzahl friedlicher Siedler übertragbar ist.
Wenn ich hier beispielsweise lese,
dass die Gewalt jetzt das Westjordanland überflutet (!) oder „dass die (!) Siedler sehr friedvoll sind … “ oder “ die Taten der (!) Siedler im WJL …“ drängt sich mir allerdings der Verdacht auf, dass hier die Gunst der Stunde genutzt wird und die Siedler ganz allgemein verteufelt werden, sie also sozusagen als das ursächliche Krebsgeschwür zu sehen, das den Hass gegen Israel rechtfertigen soll. Den Weg bin ich nicht bereit mitzugehen. Selbst wenn alle Siedler Judäa und Samaria räumen würden, der Hass würde garantiert weitergehen. Eine neue Regierung in Israel mag andere Akzente setzen, aber sie wird genauso oder sehr ähnlich mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben, wie bisher.
Die Problematik ließe sich nur entschärfen, wenn der grundsätzlichliche Vernichtungswille gegenüber Israel gebrochen würde. Und das ist mit „Abbas- und Arafattypen“ niemals hinzukriegen.
Analysieren wir mal folgenden Absatz:
„Der Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mohammad Mustafa, forderte die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten auf. Sie müsse die Angriffe von Siedlern stoppen, sagte der Fatah-Politiker am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem irischen Premierminister Micheál Martin (Fianna Fáil). Er prangerte eine Zunahme von Angriffen gegen schutzlose Zivilisten und deren Besitz an – es handele sich „unter anderen um von Israel, der Besatzungsmacht, unternommene Maßnahmen“.“
1.) Als 1200 schutzlose, israelische Zivilisten am 7. Oktober ums Leben gekommen sind hat dieser „Premierminister“ sich nicht darüber empört und auch nicht die internationale Gemeinschaft aufgefordert die Angriffe der Hamas bzw. Palästinenser gegen die israelischen Zivilisten zu stoppen!
2.) Schutzlose Zivilisten unter den Palästinensern gibt es so gut wie keine, denn dort gibt es mehr illegale Waffen in jeder Familie (LEIDER AUCH von unseren westlichen Entwicklungshilfegeldern finanziert) als sonst wo!
3.) Man sollte aus der vollkommen unbegründeten medialen Hetzjagd gegen einen aus Deutschland stammenden israelischen Scharfschützen (die erst kürzlich aufgeflogen ist) doch eigentlich gelernt haben, dass man bei allem was aus dem „Palästinensischen Lager“ kommt sehr vorsichtig sein muss!
4.) Jegliche Äußerungen unter Beteiligung der irischen Regierung sind grundsätzlich zu hinterfragen denn die Irland und seine verblendete Regierung hat ihre Ablehnung Israels mehr als nur einmal zum Ausdruck gebracht und sich damit selbst disqualifiziert!