„Sein Name ist Dor“ – Für eine neue Generation in Jerusalem

Die Beschneidung der Vorhaut von jüdischen Jungen am achten Tag bekräftigt den bis heute gültigen Bundesschluss Gottes mit Abraham. Dabei wird auch der Name des Kindes bekannt gegeben. Bei der Beschneidung ihres Sohnes Ende Juli hält eine Mutter eine Rede und lässt die Gäste an ihren Gedanken über ihre Vorfahren und die nächste Generation teilhaben.
Von Israelnetz

Foto: Israelnetz/mh

Vater, Mohel und Pate bereiten den religiösen Brauch vor

Am achten Tag nach der Geburt wird die Vorhaut von jüdischen Jungen entfernt. So hat auch die Jerusalemer Familie Aviram Ende Juli Verwandte und Freunde in die Synagoge „Die Krone Zions“ im Stadtteil Ramot eingeladen. Unter Gesang und Segenssprüchen wird der Säugling von den Eltern zu den Großvätern und sogar zum Urgroßvater gereicht.

Der Vater singt Bibelsprüche, die von den anwesenden Gästen wiederholt werden: „Höre Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR ist einer“ (5. Mose 6,4-9), „Wenn ich dich vergesse, Jerusalem, so verdorre meine Rechte“ (Psalm 137,5).

Der Onkel des Kindes reicht das Kind schließlich an den Großvater väterlicherseits weiter, der als Pate fungiert. Dieser setzt sich im Andenken des Propheten Elia auf den besonders schön verzierten „Stuhl Elijahus“, weil dieser nach der Tradition bei dem Ritus anwesend ist. Der Pate hält das Kind, der Mohel – ein Fachmann, der eine Ausbildung zur Beschneidung durchlaufen hat – wird vom Kindsvater dazu bevollmächtigt, die jüdische Sitte zu erfüllen. Der Mohel vollzieht den entsprechenden Schnitt und versorgt die Wunde, währenddessen singt die Familie Bibelverse.

Der Mohel übergibt das Kind an die Großeltern und ruft einen anwesenden Rabbiner, in diesem Fall den Großonkel des Kindes, hinzu. Dieser dankt singend in einem Gebet für das Leben des Kindes. Der Vater flüstert ihm den Namen des Kindes ins Ohr und der Rabbiner verkündet diesen der Gemeinde. Dor soll er heißen, das hebräische Wort für „Generation“.

Foto: Israelnetz/mh
Der Mohel erklärt der Kindsmutter, wie sie die Wunde zu versorgen hat

Warum die Freude zur Trauer der „drei Wochen“ passt

Die Mutter Nitzan berichtet den Gästen, warum sie diesen Namen gewählt hat und wie die nächste Generation die Geschichte ihrer Familie weiterführen soll. Die junge Ärztin stammt aus einer alteingesessenen Jerusalemer Familie. In ihrer Erklärung zum Namen spricht sie über die Bedeutung Jerusalems für ihre Familie. Die Haltung, die in ihrer Rede zum Ausdruck kommt, ist unter gläubigen Juden weit verbreitet.

Schalom euch allen und danke, dass ihr heute gekommen seid, um euch mit uns zu freuen! Zusammen mit Euch dürfen wir heute die Geburt unseres Sohnes Dor feiern. Weil wir wegen der Corona-Pandemie die Geburt unserer Tochter Hila nicht mit euch feiern konnten, wollen wir nun die Gelegenheit nutzen, dem Heiligen – gelobt sei Er – auch für die Geburt von Hila zu danken und dafür, dass sie sich zu einem prächtigen und fröhlichen Mädchen entwickelt hat.

Unsere persönliche Freude über die Geburt unseres Sohnes Dor fällt in die Zeit der nationalen Trauer der „drei Wochen“, in denen wir die Besatzung Jerusalems und die Zerstörung des Zweiten Tempels betrauern. Bekanntlich werden in dieser Zeit eine Reihe von Trauerbräuchen praktiziert und düstere Prophezeiungen der Haftara, der Prophetenlesung, gelesen.

Doch auch wenn unser freudiges Ereignis in diese schwere Zeit fällt, gibt es eben in diesen düsteren Prophetenlesungen auch Trost. Am vergangenen Schabbat haben wir in der Haftara den bekannten Vers gelesen, in dem der Prophet Jeremia spricht: „Geh hin und predige Jerusalem öffentlich und sprich: So spricht der Herr: ‚Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.’“

Mit dieser Aussage erinnert der Prophet das Volk Israel daran, dass trotz der Zerstörung (des Tempels) und der Diaspora G’tt Israel nicht verstoßen hat. Er erinnert Israel daran, dass sie trotzdem in ihr Land zurückkehren und auch Jerusalem und der Tempel gebaut werden. Diese Prophetie des Trostes führt uns das Vorrecht vor Augen, hier in Jerusalem zu leben, das vor unseren Augen wieder aufgebaut wird. An das Privileg, hier eine neue Generation (Dor) zu gründen, die hier im Land lebt und es weiter aufbaut.

Für unsere Familie kommt zusätzlich zur nationalen Trauer eine persönliche Trauerzeit hinzu, weil wir uns nach dem Tod meines Großvaters Simcha (Freude) und meiner Großmutter Malka (Königin) – ihr Andenken sei gesegnet – im Trauerjahr befinden. Das Trauerjahr für sie verbindet sich für mich mit der Zeit der „drei Wochen“, weil meine Großeltern beide Menschen Jerusalems waren, die diese Stadt sehr geliebt haben.

Mein Großvater Zeidi Simcha lebte in neunter Generation in Jerusalem. Seine gesamte Energie verwendete er darauf, an das familiäre Erbe zu erinnern und das große Vorrecht zu betonen, dass alle seine Nachkommen im Land Israel wohnen.

Von meiner Großmutter, Oma Malka, habe ich gelernt, positiv auf die Welt zu blicken und Menschen bedingungslos anzunehmen. Obwohl sie die Vereinigten Staaten so sehr liebte, entschied sie sich, Alija zu machen und nach Jerusalem zu ziehen, um in der Nähe ihrer geliebten Kinder und Enkelkinder zu wohnen.

So wie wir uns darüber freuen, eine weitere Generation (Dor) zum Aufbau Jerusalems beizutragen, freuen wir uns darüber, dass auch die Familie, die unsere Großeltern – ihr Andenken sei gesegnet – gegründet haben, um eine Generation reicher wird. Dieses Privileg wollten wir im und mit dem Namen unseres geliebten Sohnes festschreiben. Danke, dass ihr gekommen seid und dieses Vorrecht mit uns feiert! (mh)

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5 Antworten

  1. In christlichen Ländern führt die Beschneidung oftmals zum Disput, dabei haben sie keine Ahnung, was es bedeutet für Juden und Muslime. Jeshua, der Jude, war auch beschnitten. Seine Jünger auch.

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    1. Ich habe mich vor vielen Jahren beschneiden lassen da ich den Eindruck hatte dass dies für mich dran ist. Seither bin ich darüber sehr ruhig und gewiss dass es richtig war.

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  2. Möge auch die Herzens-Beschneidung ein Thema werden, sowohl für Juden als auch für Christen…
    5 . MO 16 . 16 So beschneidet nun eure Herzen und seid nicht mehr halsstarrig.
    Apg 7:51 Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebt allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter also auch ihr.

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