Rabin: Premierminister, Armeechef und Friedensnobelpreisträger

Das Attentat auf Jitzchak Rabin zerstörte viele Hoffnungen auf Aussöhnung mit den Palästinensern. Die Symbolfigur der israelischen Friedensbewegung wurde vor 100 Jahren geboren.
Von Elisabeth Hausen

Foto: GPO

Rabin im November 1994 bei einem Besuch im Jordantal

Er beteiligte sich mehrfach an israelischen Friedensverhandlungen: mit Ägypten, mit Jordanien und mit der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO). Im zweiten und dritten Fall unterzeichnete er gar entsprechende Abkommen. Doch Friedensnobelpreisträger Jitzchak Rabin machte auch Karriere beim israelischen Militär. Am heutigen Dienstag wäre der zweimalige israelische Regierungschef 100 Jahre alt geworden.

Seine letzte Rede vor der Knesset hielt Rabin am 1. November 1995, drei Tage vor seiner Ermordung bei einer Friedenskundgebung in Tel Aviv. Zu Gast war damals der portugiesische Staatspräsident Mário Soares. Ihm und seiner Delegation sagte der Regierungschef: „Sie sind in ein Land gekommen, das sich nach Frieden sehnt. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt eines Versöhnungsprozesses in unserer Region. Auch wenn der Weg lang und manchmal schmerzhaft ist, haben wir ein gutes Stück zurückgelegt und haben Friedensbeziehungen und Zusammenarbeit mit einigen unserer Nachbarn gebildet.“ Der Versöhnungsprozess kostete ihn letztlich das Leben.

Geboren wurde Jitzchak Rabin am 1. März 1922 in Jerusalem. Seine Eltern, Nechemia Rabin und Rosa Cohen, waren Aktivisten der linken und zionistischen Bewegung „Achdut HaAvoda“ (Einheit der Arbeit). Der Vater arbeitete bei der Stromgesellschaft, die Mutter leitete die Gruppe der vorstaatlichen militärischen Organisation „Hagana“ in Haifa. Damit war sie eine Pionierin. Der Sohn besuchte eine Bildungsstätte für Arbeiterkinder in Tel Aviv und eine landwirtschaftliche Schule.

Unabhängigkeitskrieg: Erstmals an Verhandlungen beteiligt

Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in den Reihen der Hagana-Eliteorganisation Palmach. Er half der britischen Armee unter anderem beim Einmarsch in den Libanon und nach Syrien. 1948 begann nach der Staatsgründung der israelische Unabhängigkeitskrieg. Rabin leitete die Har’el-Brigade, die den Korridor nach Jerusalem überwachte und Konvois beschützte. Am 13. Januar 1949 wirkte er auf der griechischen Insel Rhodos bei den Verhandlungen mit Ägypten über eine Waffenruhe mit.

Seine Frau Leah (1928–2000), die er 1948 heiratete, stammte aus Königsberg. Sie bekamen zwei Kinder: Dalia Rabin-Pelossof und Juval Rabin. Ende 1963 wurde Jitzchak Rabin zum siebenten Generalstabschef des Israelischen Verteidigungsstreitkräfte ernannt. Er befehligte sie auch im Sechs-Tage-Krieg, als Israel das Westjordanland und Ostjerusalem von Jordanien, den Gazastreifen und den Sinai von Ägypten sowie die Golanhöhen von Syrien eroberte.

Dann wandte sich Rabin der Diplomatie zu: 1968 wurde er israelischer Botschafter in Washington. Sechs Jahre später erhielt er als Mitglied der Arbeitspartei (Avoda) sein erstes Regierungsamt: Er wurde Arbeitsminister. Kurz darauf übernahm er den Regierungsvorsitz von seiner Parteigenossin Golda Meir, die wegen der Versäumnisse im Jom-Kippur-Krieg vom Oktober 1973 zurücktrat.

In Rabins erste Amtszeit als Premierminister fiel der Interimsvertrag mit Ägypten über den Rückzug aus dem Sinai. Auch die Operation zur Befreiung der Geiseln im ugandischen Entebbe von 1976 ereignete sich in dieser Legislaturperiode: Terroristen hatten ein Flugzeug der französischen Gesellschaft Air France entführt. Ein israelisches Sondereinsatzkommando befreite die Passagiere.

Erste Amtszeit als Premier endete mit Rücktritt

Doch der anfangs geschätzte Regierungschef verlor an Zustimmung in der Bevölkerung und in seiner Koalition, die immer mehr zerstritten war – unter anderem über Siedlungsausbau, den Rabin zu jener Zeit ablehnte. Der „Spiegel“ schrieb in der Ausgabe 53/1976: „Die eigene Partei warf Rabin Mangel an Charisma und persönliche Fehler vor: Der Premier sei ein ‚einsamer, oft jähzorniger Wolf‘, der sich allen Ratschlägen verschließe und entschlussunfähig sei. Rabin rechtfertigte sich, indem er anführte, die ‚Koalition mache ständige Kompromisse unvermeidbar‘.“

Schließlich trat Rabin 1977 zurück, blieb aber in der Knesset. Sein Nachfolger wurde der Likud-Politiker und ehemalige Terrorist Menachem Begin. Unter dessen Führung wurde das Friedensabkommen mit Ägypten 1979 unterzeichnet.

Rabin indes kehrte 1984 als Verteidigungsminister zurück, diesmal in einer Regierung der nationalen Einheit unter seinem Parteirivalen Schimon Peres. Dieser wurde zwei Jahre später aufgrund eines Rotationsprinzips von Jitzchak Schamir (Likud) abgelöst.

Zweiter Versuch

Ihm folgte 1992 erneut Rabin. Er verlegte sich einmal mehr aufs Verhandeln. Im Oktober 1994 unterzeichneten Israel und Jordanien 1994 ihr Abkommen – nach Ägypten das zweite arabische Land, das Frieden mit Israel schloss.

Foto: GPO
Ein Treffen zwischen Rabin und Arafat im Oktober 1994 im marokkanischen Casablanca

Doch auch die Verhandlungen mit den Palästinensern trieb der Regierungschef voran: Am 13. September 1993 unterzeichnete er im Weißen Haus mit PLO-Chef Jasser Arafat eine Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung. Israel und die PLO erkannten sich gegenseitig an. Rabin, Peres und Arafat erhielten 1994 den Friedensnobelpreis. Am 5. Oktober 1995 folgte ein weiteres Abkommen mit den Palästinensern in Washington.

Attentat zerstörte Hoffnungen

Viele Israelis sahen nun konkrete Hoffnung auf ein Ende der palästinensischen Terroranschläge und ein Leben in Frieden. Doch am 4. November 1995 erschütterte das Attentat auf dem Platz, der mittlerweile nach Jitzchak Rabin benannt ist, diese Träume: Der rechtsradikale jüdische Israeli Jigal Amir gab drei Schüsse auf Rabin ab, der Hoffnungsträger starb.

Seitdem hat es weitere Verhandlungsversuche und immer wieder gegenseitige Schuldzuweisungen gegeben, Terror und auch jüdische Angriffe auf Palästinenser. Friedenskundgebungen sind mitunter in israelischen Städten zu sehen, aber nicht in palästinensischen. Die im vergangenen Jahr gegründete Regierung unter Naftali Bennett (Jamina) hat einen neuen Anlauf für Gespräche unternommen – mit Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) und auch mit Außenminister Jair Lapid (Jesch Atid).

Wie wohl Rabin die aktuelle Entwicklung bewerten würde? Die Beteuerungen, Hauptstadt des palästinensischen Staates müsse Jerusalem werden, könnte er vermutlich nicht teilen. Sagte er doch in der schon erwähnten letzten Knesset-Ansprache zum portugiesischen Präsidenten Soares: „Es ist uns eine Freude und ein Vergnügen, Sie in Jerusalem zu Gast zu haben – in der ewigen Hauptstadt des Volkes Israel.“

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2 Antworten

  1. Wieso hat ein inner-israelischer (!) Mord die Hoffnung auf eine Aussöhnung mit den Palästinensern zerstört??
    Im Gelobten Land haben nach der Bibel immer auch Nichtisraeliten gelebt. Der jüdische Mörder hat das nicht wahrhaben wollen.

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    1. Sie wissen aber schon, dass schon zur Zeit Rabins Arafat das Land mit seinen Mördern überzogen hat und dann in der Regierungszeit von Peres dies noch mehr gesteigert hat.
      Wie viel Schuld hat Arafat an an der Sache?

      Rabin war bitter enttäuscht von Arafat und dies machte er in seiner letzten Rede in der Knesset auch unmissverständlich klar.

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