Israel hat viel Know-How in der Cybersicherheit. Im Bild: ein „Cyber-Pferd“, das 2016 auf dem Messegelände in Tel Aviv ausgestellt war. Es ist aus technisch defektem Computerzubehör und Mobiltelefonen gebaut.

Israel hat viel Know-How in der Cybersicherheit. Im Bild: ein „Cyber-Pferd“, das 2016 auf dem Messegelände in Tel Aviv ausgestellt war. Es ist aus technisch defektem Computerzubehör und Mobiltelefonen gebaut.

Technologie bestimmend wie nie zuvor

Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr stiegen Technologie-Dienste im Export aus Israel an. Der Gesamtexport habe im Vergleich zum Vorjahr nur leichte Verluste eingefahren. Das israelische Export-Institut erklärt die Entwicklungen im Pandemie-Jahr 2020.

TEL AVIV (inn) – Der Export für Technologiedienstleistungen hat sich 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent erhöht. Dies entspricht einer Verdoppelung auf etwa 30 Milliarden Euro im Vergleich zum Jahr 2014.

Trotz der Lockdowns im vergangenen Jahr und schlimmer Vorhersagen ist Israels Export insgesamt nur um 3 Prozentpunkte gefallen. Der Wert orientiert sich am US-Dollar. Die Exporteure hätten ihre Lektionen aus der Vergangenheit gelernt und könnten sich vor Währungsschwankungen besser schützen, sodass sich der Wertanstieg des Schekels gegenüber dem US-Dollar nur geringfügig auswirkt. Dies berichtet das Wirtschaftsmagazin „Globes“.

Der Wert der Exportgüter fiel demnach im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf 44 Milliarden, doch der Wert von Wirtschafts-Dienstleistungen stieg um 9 Prozent auf 38 Milliarden Euro. Dieser Wert beruhe vor allem auf Verkäufen im Hightech-Sektor, so wie Cybersicherheit, Fintech und Managementsystemen für Unternehmen.

Technologiesektor zu Wachstumsmotor

Der israelische Technologiesektor ist damit zu einem noch wichtigeren Wachstumsmotor geworden als zuvor, und sein Anteil an den Dienstleistungsexporten wächst weiter.

Laut einer Studie des Chefökonomen des Export-Instituts, Schauli Katzenelson, und seines Leiters für Wirtschaftsforschung, Daniel Rofe, macht die Hochtechnologie mehr als die Hälfte der gesamten israelischen Exporte von Waren und Dienstleistungen aus. Die USA sind mit 40 Prozent Israels Hauptexportmarkt.

Die Wirtschaftsexperten erklärten, dass sich die Pandemie auf die Hightech-Branche nicht negativ ausgewirkt habe. Der weltweite Anstieg des Online-Handels sowie die vermehrte Nachfrage nach digitalen Diensten aller Art durch das veränderte Nutzungsverhalten vieler Arbeitgeber hätten vielleicht sogar positive Folgen gehabt. Zudem sei aufgrund von globalem Anstieg der digitalen Kriminalität die Nachfrage nach Cybersicherheitsdiensten gestiegen.

Zwischen Hysterie und Geschichte

Der Vorsitzende des Export-Instituts, Adiv Baruch, beschreibt 2020 als ein Jahr der Hysterie und Historie: Hysterie aufgrund der Coronavirus-Pandemie, die die Welt unvorbereitet erfasst hat, und Geschichte aufgrund der Normalisierungsabkommen zwischen Israel und arabischen Ländern, die ein großes Potenzial für die israelische Wirtschaft bergen.

Laut Baruch waren die Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain ein wichtiges Element zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stärke Israels: „Es ist nicht nur der bilaterale Handel mit den Emiraten, sondern der Handel über sie mit neuen und alten Märkten. An die Freihandelszonen in den Golfstaaten und an Bahrains Status als globales Finanzzentrum müssen wir unsere Leistungen anpassen. Innerhalb eines Radius von drei Flugstunden können wir plötzlich drei Milliarden Menschen in den Golfstaaten erreichen. Wir müssen die Chancen nutzen. Durch die Emirate und Bahrain haben wir plötzlich Zugang nach Indonesien, Malaysia und Saudi-Arabien.“

Israels Ziel müsse sein, Firmen im Aufbau zu unterstützen und sie zu ermutigen, ihre Forschungs- und Entwicklungstätigkeit im Land zu halten. „Es gibt großartige Beispiele wie Wix oder Mobileye. Nicht jedes Start-up muss komplett ins Ausland verkauft werden.“

Food- und Agrartechnologie im Aufschwung

Weitere fortschrittliche Technologien kämen im Lebensmittel- und Landwirtschaftsbereich zum Einsatz. „Weil die Emirate den größten Teil ihrer Lebensmittel importieren“, sagt Baruch, „sind sie besorgt über die Ernährungssicherheit. Aufgrund von Wüstenbildung und anderen Faktoren werden sie künftig kein Ackerland mehr haben, sodass sie große landwirtschaftliche Flächen in Afrika, Osteuropa, Brasilien und anderen Ländern gekauft haben. Um das Land zu bewässern und zu bearbeiten, benötigen sie israelische Agrartechnologien. Firmen wie Netafim und andere, die mit Drohnen, Robotern und Wassertechnologien arbeiten, haben zur Entwicklung dieser Gebiete Verträge mit Investoren und Unternehmen in den Emiraten unterzeichnet.“ Zudem sei die Verlegung von israelischen Firmen in die Golfregion geplant, um die zentrale Lage und verstärkt Arbeitskräfte nutzen zu können sowie Steuererleichterungen zu erhalten.

Nach Ansicht von Baruch muss die israelische Regierung mehr tun, um den Export zu fördern. „Die Absage von Ausstellungen und Messen im vergangenen Jahr hat dazu geführt, dass Export nicht in dem Umfang stattfinden konnte, wie es möglich gewesen wäre.“

Von: mh