Tagsüber fasten – abends zuschlagen: Während des Ramadan werden keineswegs weniger Lebensmittel gekauft als sonst

Tagsüber fasten – abends zuschlagen: Während des Ramadan werden keineswegs weniger Lebensmittel gekauft als sonst

Fastenzeit mit üppigem Essen

Der muslimische Fastenmonat ist nicht nur eine Zeit des Verzichts. Wie die Feste anderer Religionen und Kulturen ist er auch Gelegenheit für Umsatz und Konsum.

JERUSALEM (inn) – Seit Beginn des Fastenmonats Ramadan am Montag haben sich in der arabischen Bevölkerung Israels die Lebensmittelkäufe verdoppelt. Während eine arabische Familie im Monat normalerweise umgerechnet rund 670 Euro für Essen ausgibt, sind es während des Ramadan durchschnittlich 1.370 Euro. Das berichtet die Tageszeitung „Ma'ariv“.

Die paradox klingende Situation erklärt sich dadurch, dass die vorwiegend muslimische Bevölkerungsgruppe tagsüber zwar fastet, es aber jeden Tag eine Mahlzeit vor dem ersten Gebet und nach Sonnenuntergang das feierliche Fastenbrechen Iftar gibt. Besonders oft kaufen die Araber Fleisch, getrocknete Früchte, Limonaden und Süßigkeiten. Die Werbeindustrie für Nahrungsmittel gibt ein Viertel ihres Budgets in diesem Monat aus.

Insgesamt herrscht gesteigerte Kauflust vor und während der Feiertage, vergleichbar mit dem jüdischen Passahfest, erklärt die israelische Tageszeitung „Jerusalem Post“. Für die Unternehmen bietet der Zeitraum eine Gelegenheit, Elektrotechnik oder Mode mit Rabatten schmackhaft zu machen. Das Kaufvolumen rangiert insgesamt zwischen 175 Millionen und 250 Millionen Euro.

Während der Zeit wird nicht nur mehr konsumiert, sondern auch weniger gearbeitet. So gab die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) bekannt, dass sie die Arbeitszeiten in Regierungsinstitutionen um zwei Stunden auf täglich fünf Stunden reduziert.

Israel erleichtert das Feiern

Unterdessen hat Israel Palästinensern aus dem Westjordanland die Einreise erleichtert. 150.000 Ausreisegenehmigungen wurden ausgestellt. Verheiratete Paare sollen von sonntags bis donnerstags Verwandte in Israel besuchen dürfen. Die Betriebszeiten der verschiedenen Kontrollpunkte zwischen dem Westjordanland und Israel werden ausgeweitet. 700 Palästinenser dürfen über den Ben Gurion-Flughafen ausreisen.

Von: tk