Im Fokus der Öffentlichkeit: Die „MV Helios Ray“, hier am 24. Januar im Hamburger Hafen

Im Fokus der Öffentlichkeit: Die „MV Helios Ray“, hier am 24. Januar im Hamburger Hafen

Netanjahu: Iran für Explosion auf Frachter verantwortlich

Israel sieht den Iran hinter der Explosion auf einem Frachter, die Islamische Republik weist das zurück. Sicherheitsexperten deuten den Vorfall als Auftakt für weitere Anschläge.

JERUSALEM / TEHERAN (inn) – Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) hat den Iran für die Explosion auf dem israelischen Frachtschiff „Helios Ray“ verantwortlich gemacht. Dem Radiosender „Reschet Bet“ sagte er am Montag, der Iran sei „der größte Feind Israels, und wir bekämpfen ihn in der gesamten Region“.

Der Iran wies die Beschuldigung zurück. Der Sprecher des Außenministeriums Said Chatibsadeh sagte, Netanjahu leide mit Blick auf den Iran an einer „Angststörung“. Mit den Vorwürfen wolle er von innenpolitischen Problemen ablenken, ergänzte er laut der iranischen Nachrichtenagentur „Tasnim“.

Reparatur in den Emiraten

Die „Helios Ray“ befand sich zum Zeitpunkt der Explosion am Freitag im Golf von Oman. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Am Frachtschiff entstanden jedoch Schäden: Jeweils zwei Löcher direkt über der Wasserlinie an Back- und Steuerbord. Es lief am Sonntag den Hafen von Mina Raschid in Dubai zur Reparatur und Untersuchung an.

Die Ursache der Explosion ist noch unbekannt. Ein Bericht von „Kanal 13“ nannte am Sonntag insgeheim angebrachte Minen. Das haben offenbar die Untersuchungen ergeben; der Fernsehsender gab jedoch keine Quellen an. Als Urheber gelten die Islamischen Revolutionsgarden. In anderen Berichten hatte es zuvor geheißen, eine Rakete habe das Schiff getroffen.

Die „MV Helios Ray“ war auf dem Weg von Dammam in Saudi-Arabien nach Singapur. Der Fahrzeugfrachter gehört dem israelischen Geschäftsmann Rami Ungar, fährt aber unter der Flagge der Bahamas.

Weitere Anschläge befürchtet

Auch der israelische Armeechef Aviv Kochavi und Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) sprachen von einer iranischen Urheberschaft. Für Gantz ist dabei die Nähe zur iranischen Küste ein Indiz. Er betonte laut der Nachrichtenseite „Walla“ zugleich, die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Indessen ist unklar, ob das Raketenfeuer auf Ziele bei Damaskus in der Nacht zum Montag im Zusammenhang mit dem Anschlag auf das Schiff steht. Syrische Medien sehen dahinter Israel, die Armee äußert sich zu solchen Berichten grundsätzlich nicht.

Angesichts der Explosion auf dem Schiff warnen Sicherheitsexperten, der Vorfall könne der Auftakt zu weiteren Anschlägen im Roten Meer und im Persischen Golf sein. Hinter dem Ausmaß des Schadens könnte Absicht stecken: Ein Handelsschiff zu versenken hätte andere Folgen, als es „lediglich“ zu beschädigen. Insofern habe der Iran mit dem Anschlag ein Signal senden wollen.

Falls der Iran für den Anschlag verantwortlich ist, könnte es sich um eine Vergeltungsaktion handeln. In jüngster Zeit verzeichnete das Atomprogramm Teherans Rückschläge: So kam der Kernphysiker Mohsen Fachrisadeh im November bei einem Anschlag um. Im Juli zerstörte eine Explosion die Atomanlage in Natanz. Schwer wiegt darüber hinaus die Tötung des iranischen Kommandeurs Hassan Soleimani im Januar 2020.

Von: df