Beobachtet in der arabischen Welt einen „historischen Wandel": Matthias Küntzel

Beobachtet in der arabischen Welt einen „historischen Wandel": Matthias Küntzel

„Es gibt einen Stimmungsumschwung in der arabischen Welt“

In einem Vortrag thematisiert der Historiker und Politikwissenschaftler Matthias Küntzel die aktuelle Lage im Nahen Osten. Seine Erkenntnis: Die Stimmung hat sich radikal geändert – sowohl auf Regierungsebene als auch in der Gesellschaft.

BERLIN (inn) – In der arabischen Welt habe sich in den vergangenen Monaten im Hinblick auf Israel viel verändert. Erkennbar sei dies vor allem mit Blick auf die „arabischen Straßen“. Denn diese blieben trotz der Abkommen zwischen Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emirate mit Israel ruhig. Das sagte der Hamburger Historiker und Politikwissenschaftler Matthias Küntzel am Donnerstagabend während der Veranstaltung „Israel und die Golfstaaten – Morgendämmerung eines neuen Nahen Ostens?“ in Berlin.

Diese Nicht-Reaktion sei ein Zeichen, dass sich in der arabischen Welt „offensichtlich“ etwas verändert habe. Anstatt großer Demonstrationen habe es fast ausschließlich Begeisterung, Zustimmung oder Enthaltung gegeben. Sogar in den palästinensischen Gebieten habe kaum jemand auf die Aufforderung der palästinensischen Führung reagiert, gegen die Abkommen zu protestieren. Denn die Position der Funktionäre sei nicht die der Gesellschaft. Dieser „historische Wandel“ sei ebenso in der Arabischen Liga zu erkennen. Dort blieben die Versuche der Palästinenserführung, die Abkommen zu verurteilen, erfolglos.

Nach Ansicht von Küntzel hat diese neue Stimmung gegenüber Israel nichts mit dem „gefräßigen Expansionismus“ des Iran zu tun. Vielmehr gehe es um eine wirtschaftliche Zusammenarbeit der Länder, um die Technologie und Potentiale, die Israel biete, zu nutzen. Für diese Sichtweise spiele die arabische Jugend eine entscheidende Rolle, sagte Küntzel. Anders als die Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien seien die Abkommen mit Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht aus der Not heraus entstanden. Vielmehr hätten diese Länder „selbstbewusst und stolz“ den Frieden mit Israel gesucht. Daher könne nun von einem „warmen Frieden“ gesprochen werden. Bei dem aktuellen Stimmungsumschwung handele es sich um nichts Geringeres als einen psychologischen Durchbruch, bei dem „die Ratio anstelle des Irrsinns, ein moderates Verständnis des Islam anstelle von religiösem Fanatismus und Inklusion anstelle von Ausgrenzung“ gesetzt werde.

„Deutschland steht auf der falschen Seite“

Neben dem Wandel in der arabischen Welt habe auch Donald Trump eine wichtige Rolle gespielt. Der amerikanische Präsident habe mit seiner Parteinahme für Israel zu mehr Frieden geführt. Die Politik seines Amtsvorgängers Barack Obama habe dagegen mehr Krieg im Nahen Osten bedeutet.

Deutschland und die Europäische Union stünden nun auf der falschen Seite, sagte Küntzel. In der aktuellen Situation müsste Deutschland „eigentlich klipp und klar“ Partei für Israel ergreifen. Stattdessen scheine die Rücksicht auf den Iran und die Türkei wichtiger zu sein als die Sicherheitsinteressen Israels. Symptomatisch dafür sei das Fernbleiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während des historischen Treffens des emiratischen Außenministers Abdullah Bin Sajed al-Nahjan mit seinem israelischen Amtskollegen Gabi Aschkenasi (Blau-Weiß) in Berlin.

Zu dem Vortrag eingeladen hatten das „Mideast Freedom Forum Berlin“ sowie die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg.

Von: Martin Schlorke

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