Treffen in der Residenz des ugandischen Präsidenten: Israel und der Sudan wollen näher zusammenrücken

Treffen in der Residenz des ugandischen Präsidenten: Israel und der Sudan wollen näher zusammenrücken

Sudan will Beziehungen zu Israel normalisieren

Premier Netanjahu macht beim Werben um diplomatische Beziehungen mit muslimischen Staaten Fortschritte. Für den Sudan könnte Israel eine Fürsprecherrolle in einem Konflikt einnehmen.

ENTEBBE (inn) – Bei seinem Besuch in Uganda hat der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu am Montag auch den Übergangsregierungschef des Sudan, Abdel Fattah al-Burhan, getroffen. Das Gespräch dauerte zwei Stunden und erfolgte im Amtssitz des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni in der ehemaligen Hauptstadt Entebbe. Danach twitterte Netanjahu: „Wir haben uns darauf verständigt, eine Zusammenarbeit zu beginnen, die zu einer Normalisierung zwischen beiden Ländern führen wird.“

Dies markiert eine Kehrtwende in den bilateralen Beziehungen. Israel und der muslimisch geprägte Sudan befinden sich technisch gesehen noch im Krieg. Das afrikanische Land gilt als Umschlagplatz des palästinensischen Waffenschmuggels. In der Vergangenheit hatte es wiederholt Luftschläge gegen Konvois gegeben, hinter denen Israel vermutet wird. In jüngster Zeit ist der Sudan jedoch auf Distanz zum iranischen Regime gegangen, wegen dessen Verwicklung in den Jemenkrieg.

Hoffen auf israelische Unterstützung

Der Sudan ist insbesondere an Israels Fürsprache bei den USA interessiert. Diese listen das Land als staatlichen Finanzier von Terrorismus und haben es mit Sanktionen belegt. Die Einstufung besteht seit 1990, als der Sudan Osama Bin Laden und andere damals gesuchte Terroristen empfing. Laut Berichten der Online-Zeitung „Times of Israel“ versprach Netanjahu, ein gutes Wort bei den Amerikanern einzulegen. Der amerikanische Außenminister Mike Pompeo lud Al-Burhan bereits am Sonntag ein, die USA zu besuchen.

Al-Burhan ist seit dem Militärputsch gegen Umar al-Baschir im April 2019 Vorsitzender des „Souveränen Rats“. Dieser setzt sich aus jeweils fünf Militärs und Zivilpersonen, sowie einer elften Person, auf die sich beide Seiten einigen, zusammen. Neuwahlen sind für das Jahr 2022 geplant.

Israel ist seinerseits an Überflugrechten interessiert, da dies Reisen nach Südamerika um mehrere Stunden verkürzen würde. Im vergangenen Jahr schmiedete Israel bereits neue Beziehungen mit dem Tschad. Im Jahr 2016 wurden die diplomatischen Beziehungen zu Guinea wieder aufgenommen. Zudem ist Israel generell um die diplomatische Anerkennung von muslimischen Staaten bemüht.

Palästinenser reagieren zornig

Der Generalsekretär der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Saeb Erekat, nannte die Annäherung mit Israel einen „Messerstich in den Rücken“ der „palästinensischen Sache“. Es handele sich um eine „eklatante Abwendung von der Arabischen Friedensinitiative in einer Zeit, in der die Regierungen von US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Premierminister Netanjahu versuchen, das palästinensische Anliegen zunichte zu machen“. Die Arabische Friedensinitiative von 2002 sieht eine Normalisierung mit Israel erst dann vor, wenn Israel sich aus dem Westjordanland und Ostjerusalem zurückzieht, sowie alle „palästinensischen Flüchtlinge“ aufnimmt. Alle 22 Mitgliedländer der Arabischen Liga stimmten dem zu.

Inzwischen hat die sudanesische Übergangsregierung verlautbart, sie sei über das Treffen nicht informiert gewesen und habe erst durch die Medien davon erfahren. Man erwarte vom Vorsitzenden Al-Burhan eine Erklärung, sobald er in sein Land zurückgekehrt sei.

Von: tk

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