Platz in Jerusalem nach portugiesischem Judenretter benannt

Während des Zweiten Weltkrieges stellte ein portugiesischer Diplomat in Frankreich Visa für Tausende verfolgte Juden aus. Nun trägt ein Platz in Jerusalem seinen Namen.
Von Israelnetz

Foto: Sousa Mendes Foundation

Der Platz, der an den Judenretter erinnert, befindet sich in der Nähe des Herzlberges

JERUSALEM (inn) – Der Jerusalemer Bürgermeister Mosche Leon (Likud) hat am Dienstag einen Platz zu Ehren eines portugiesischen Judenretters eingeweiht. Der Diplomat Aristides de Sousa Mendes war 1940 Generalkonsul in der französischen Stadt Bordeaux. Dort stellte er Visa und Pässe für rund 30.000 Menschen aus, die dem Naziregime entkommen wollten. Unter den Geretteten waren etwa 10.000 jüdische Flüchtlinge, wie die „Jerusalem Post“ berichtet.

De Sousa Mendes verstieß mit seiner Rettungsaktion gegen die Anordnungen der faschistischen Regierung unter dem damaligen portugiesischen Diktator António de Oliveira Salazar. Als Strafe wurde er nach Lissabon zurückbeordert und für ein Jahr vom Dienst suspendiert. In dieser Zeit erhielt er nur die Hälfte seines Gehaltes. Die jüdische Gemeinde unterstützte den Diplomaten und dessen Familie durch Mahlzeiten in ihrer Suppenküche.

Die Salazar-Diktatur hielt die Geschichte des mutigen Diplomaten unter Verschluss. De Sousa Mendes starb 1954 im Alter von 69 Jahren. 1966 erkannte die Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem den Portugiesen als „Gerechten unter den Völkern“ an.

Diplomat wollte lieber Gott gehorchen als Menschen

Olivia Mattis stammt von Juden ab, die dank des Generalkonsuls die Nazizeit überlebten. Vor zwölf Jahren gründete sie die Sousa-Mendes-Stiftung. Sie sagte der Onlinezeitung „Times of Israel“, zwar sei Portugal 1974 zu einer Demokratie geworden. Doch selbst in der neuen Regierung seien Kräfte dem alten Regime treu geblieben, so dass die Geschichte des Judenretters unterdrückt wurde.

Erst 2021 habe Portugal auf Druck von israelischen und US-amerikanischen Diplomaten sein Verdienst anerkannt, ergänzte Mattis. De Sousa Mendes habe offenbar seiner Familie erzählt, er werde sich „lieber mit Gott gegen den Menschen stellen, als mit dem Menschen gegen Gott“.

Der Platz befindet sich im Viertel Kiriat HaJovel, nahe des Herzlberges. Bürgermeister Leon sagte bei der Einweihung: „Diese kleine Ecke Jerusalems, der ewigen Stadt, trägt jetzt den Namen eines Helden.“ Viele Tausende würden hier vorübergehen und an seinen Heldenmut erinnert werden.

„Juden vor grauenhaftem Schicksal bewahrt“

Der portugiesische Botschafter in Israel, Jorge Cabral, würdigte de Sousa Mendes als „mutigen und außergewöhnlichen Mann“. Er habe „Juden vor einem grauenhaften und scheußlichen Schicksal bewahrt“. Cabral fügte an: „Diesem Mann heute Anerkennung zu zollen, ist eine Gelegenheit, in uns selbst hineinzuschauen und nach den Werten Friede, Liebe, Menschlichkeit und Mitleid füreinander zu suchen.“ Das Wissen um die Vergangenheit sei nötig, um Gegenwart und Zukunft zu verstehen.

Auch ein Enkel des Diplomaten, Gerald Mendes, nahm an der Einweihung teil. Die frühere israelische Botschafterin in Portugal, Colette Avital, war ebenfalls zugegen. (eh)

Schreiben Sie einen Kommentar

3 Antworten

  1. “lieber mit Gott gegen den Menschen, als mit dem Menschen gegen Gott”.

    Ein Ausspruch, der auch heute noch Gültigkeit hat!

    11
  2. es ist bemerkenswert wie dieses beschaemende, nahezu unausrottbare “braune
    Unkraut-Gestruepp”, sich auch i.d. faschistischen Grenzlaendern wie Spanien, Portugal,
    Italien, u.a., sich bis heute, aufrecht erhalten kann!! –
    Eine echte Blamage bedeutet es f.d. portugs. Regierung, erst auf Druck von aussen,
    sich veranlasst zu sehen, psychisch u. physisch dieses “braune Bollwerk” endlich
    als Solches erkennen u. ueberwinden zu wollen, um diesem diplomat. “aussergewoehnlichen
    RETTER – HELDEN” die laengst faellige Ehre zuteil werden zu lassen!! –

    9
  3. Dieses Geschehen zeigt die “Gefallenheit” der Menschheit! Und das Wort der Bibel: “Wir müssen Gott (JAHWE) mehr gehorchen als den Menschen” bleibt für alle Zeit gültig! Selbst wenn wir dabei unser irdisches Leben verlieren, JAHWE – Gott hat durch die Sendung seines Sohnes Jeschua (Jesus) als Messias Israels und Christus der Heiden, ein für allemal der ganzen Menschheit seine Liebe bezeugt und will, dass kein Mensch in Ewigkeit verloren geht! Leider sind wir Menschen zu träge, widerspenstig und anmaßend, das zu erkennen und gehorsam zu folgen! Der Sieg ist aber am Ende unseres Gottes, Schöpfer und Eigner des Universums – JAHWE! Sein Gericht ist gerecht, seine Barmherzigkeit und Treue noch aufrecht! Schalom Israel und HALLELUJA dem Ewigen!!!

    3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen