PFLP und japanischer Terrorist gedenken an Anschlag von Lod

Am 50. Jahrestag feiert die Terrorgruppe PFLP einen Anschlag mit 26 Todesopfern. Der einzige überlebende Attentäter legt einen Kranz für seine Komplizen nieder.
Von Israelnetz

Foto: Gedenkseite für Terror-Opfer

Am heutigen Ben-Gurion-Flughafen gibt es einen Gedenkort, an dem die Namen der Opfer zu lesen sind

BEIRUT (inn) – Terroristen der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) haben am Montag im Libanon den 50. Jahrestag eines Anschlags auf dem Flughafen in Lod begangen. Mit dabei war auch der letzte Überlebende der drei Attentäter – der Japaner Kozo Okamoto. Er und seine Komplizen hatten am 30. Mai 1972 Passagiere angegriffen und 26 Menschen ermordet.

Die Attentäter gehörten zur linksextremen „Japanischen Roten Armee“ (JRA). Auftraggeberin für den Anschlag war aber die PFLP. Okamoto flog an jenem Tag mit einem gefälschten Pass an Bord einer Air-France-Maschine von Rom an den Flughafen, der damals noch nicht Ben-Gurion-Flughafen hieß. Sein Deckname war Daisuke Namba – nach einem Attentäter, der 1923 versucht hatte, den japanischen Kronprinzen zu ermorden. Sein Kampfname für die PFLP lautete hingegen Ahmad, schreibt die Zeitung „Yediot Aharonot“.

Gepäck vom Band genommen und Waffen herausgezogen

Gepäckkontrollen gab es 1972 noch kaum, nur die Passagiere wurden untersucht. Erst infolge des Attentats wurden später weltweit die Sicherheitsstandards an Flughäfen erhöht. Nach der Ankunft nahmen die drei Japaner ihr Gepäck vom Band. Sie zogen Sturmgewehre und Granaten heraus und eröffneten das Feuer. Die Attentäter ermordeten acht Israelis, einen Kanadier und 17 christliche Pilger aus Puerto Rico. Bis heute gibt es in der puertoricanischen Hauptstadt San Juan jedes Jahr am 30. Mai eine Gedenkveranstaltung.

Der Anschlag war als Selbstmordattentat gedacht: Die drei Japaner wollten sich töten und dabei ihre Gesichter mithilfe einer Granate unkenntlich machen, um die Identifizierung zu erschweren. Doch Okamotos Komplizen wurden von Sicherheitskräften erschossen. Er wurde festgenommen und zu lebenslanger Haft in Israel verurteilt.

Während des Prozesses war der Japaner auf die Todesstrafe aus. Diese wurde allerdings in Israel bislang erst einmal angewandt: Vor genau 60 Jahren, in der Nacht zum 1. Juni 1962, wurde der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann hingerichtet. Okamoto erhielt eine lebenslange Haftstrafe.

Freilassung bei Gefangenenaustausch

Dann kam der „Dschibril-Deal“: 1985 entließ Israel etwa 1.150 palästinensische Sicherheitsgefangene aus der Haft. Im Austausch kamen drei Soldaten frei, die von der Terrorgruppe „Volksfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando“ festgehalten wurden. Seine Bezeichnung hatte der Deal von dem Terrorführer Ahmad Dschibril. Freigelassen wurden nicht nur Palästinenser, sondern auch der Japaner Okamoto. Seitdem steht er unter dem Schutz der PFLP in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Ein PFLP-Vertreter, der unter dem Namen Abu Jussef auftritt, kümmerte sich um Okamoto. „Als er freigelassen wurde, sah er wie eine Leiche aus“, sagte der Palästinenser einige Zeit nach der Haftentlassung. Er habe den größten Teil der Haft in einer Einzelzelle verbracht und sei gezwungen worden, wie ein Hund aus einem Napf am Boden zu essen. Dabei habe er Handschellen getragen.

Im Jahr 1997 wurde Okamoto erneut inhaftiert, diesmal im Libanon. Der Grund waren Fälschungsvorwürfe. Japan drängte auf eine Auslieferung. 2000 wies der Libanon vier JRA-Mitglieder in das ostasiatische Land aus. Der Attentäter von Lod hingegen erhielt politisches Asyl – als erste und bislang einzige Person im Zedernstaat.

Kranz für getötete Komplizen niedergelegt

Okamoto zeigt sich äußerst selten in der Öffentlichkeit. Eine Ausnahme bildete die Gedenkzeremonie am Montag. Auf einem Friedhof am Rande des palästinensischen Flüchtlingslagers Schatila legte der 74-Jährige einen Kranz für seine toten Komplizen nieder und zeigte die Siegesgeste. Abu Jussef äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: Er „kam, um die Freiheit von Leuten zu verteidigen, deren Land gestohlen worden war. Er glaubt an ihre Rechte, er glaubt an Gerechtigkeit und menschliche Freiheit“.

An der Zeremonie nahm auch der Hisbollah-Vertreter Abdullah Hamud teil. Er wies darauf hin, dass Okamoto immer noch in Japan wegen Terrors gesucht wird. „Dieser wackere Held hat in den Gefängnissen des Feindes gelitten“, ergänzte der Anhänger der libanesischen Miliz. „Aber heute schlägt sein Herz mit Palästina.“

Die PFLP hat seit dem Anschlag jedes Jahr am 30. Mai lobend des Massakers gedacht. Sie gilt in Israel, den USA, der EU und Japan als Terrorgruppe.

Am Samstag wurde die Gründerin der „Japanischen Roten Armee“, Fusako Shigenobu, aus ihrer Haft entlassen. Sie war 2006 zu 20 Jahren verurteilt worden. Ihre Tochter May Shigenobu ist im Libanon aufgewachsen. Sie hält Okamoto für harmlos: „Er wird keine Bedrohung für Israel oder Japan sein. Aber die Japaner fordern immer noch jedes Jahr seine Auslieferung. Deshalb steht er trotz seines körperlichen und mentalen Zustandes unter Beobachtung. Ich kann die Möglichkeit nicht ausschließen, dass sein Leben immer noch bedroht ist.“ (eh)

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3 Antworten

  1. Was für Verbrecher!
    Und bis dato hat sich nichts verändert.
    Terror- Gruppen und Terror- Führer haben weltweit Anhänger.
    Der Libanon!
    Das Land ist mit Hisbollah verloren. Einst blühend, jetzt könnte eine Hungersnot kommen, gestern in Nachrichten. Sie erhielten Getreide aus der Ukraine. Jetzt hält es der Schlächter von Moskau zurück.

    15
    1. Kaum vorstellbar, dass der Libanon vor einem guten halben Jahrhundert mal “Schweiz des Orients” genannt wurde. Heute ist er, was “Staatlichkeit” betrifft, auf dem Level von Somalia.

      13

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