Perlenfund – ein Bibelblick

Unzählige jüdische Gelehrte haben in den vergangenen Jahrhunderten die Hebräische Bibel ausgelegt. Der Israeli Ari Lipinski lässt diese Kommentatoren zu Wort kommen – und versieht dies mit zahlreichen Erklärungen. Dadurch ermöglicht er einen tieferen Einblick in Gottes Wort.
Von Israelnetz
Messianische Juden Bild: Ein Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium auf Hebräisch Als sich Mitte des ersten Jahrhunderts die ersten christlichen Gemeinden bildeten, bestanden sie vornehmlich aus Juden. Menschen wie Petrus oder Paulus kamen gar nicht auf die Idee, dass sie durch ihren Glauben an Jesus, den Messias, einer anderen Religion angehören könnten. In der Tradition dieser jüdischen Urchristen sehen sich messianische Juden. Viele von ihnen feiern jüdische Feste und halten sich an jüdische Bräuche. Gleichzeitig glauben sie, dass Jesus der Messias ist. Innerhalb der messianischen Juden gibt es verschiedene Strömungen: Manche Gemeinden sind charismatisch geprägt und wirken auf den ersten Blick nicht besonders jüdisch. Andere feiern Gottesdienst mit der Lesung aus der Torarolle und einer Predigt über den Wochenabschnitt der Synagoge. Zusätzlich spielen Texte aus dem Neuen Testament (siehe Bild) bei ihnen eine Rolle. Die einen singen die neuesten Anbetungslieder, die anderen halten sich an das jüdische Gebetbuch mit seinen altvertrauten Melodien. Doch alle diese Gemeinden sind verbunden durch den Glauben an Jeschua HaMaschiach, der hebräische Name für Jesus Christus. Weil sie an Jesus glauben, werden sie vielfach nicht mehr als Juden anerkannt – auch wenn sie von einer jüdischen Mutter abstammen. Dadurch ist es für messianische Juden mitunter schwierig, nach Israel einzuwandern. Denn die Regel, dass jeder Jude ohne weitere Voraussetzungen israelischer Staatsbürger werden darf, trifft für sie nach Auffassung der Rabbiner nicht zu. Die Gesamtzahl der messianischen Juden zu erfassen, ist kaum möglich. Viele nicht-jüdische Christen sind Teil der Gemeinden, so dass dies nicht als Grundlage für eine Zählung dienen kann. Ein Teil der messianischen Juden ist zudem nicht als Mitglied einer Gemeinde registriert.

Foto: Israelnetz/mh

Theologie ohne hebräische Auslegungen – nicht vorstellbar

Der Titel weckt Interesse und Neugier: „Hebräische Perlen der Torah. Eine Auslese origineller Bibel-Auslegungen jüdischer Gelehrter aus 2500 Jahren – auf Deutsch erklärt von Ari Lipinski“.

Es ist ein großformatiges Lesebuch. Es ist ein Lehrbuch. Und gleichermaßen im Umfang von gut 350 Seiten ein Bibelkommentar, ein Kompendium und eine Konkordanz. Am Ende des Buches werden Pflanzen und Bäume der Bibel aufgelistet und teils bebildert mit den Bibelstellen beschrieben. So werden auch „Die siebzig Namen des Ewigen“ von „Adir“ bis „Zewaoth“ genannt und erklärt. An anderer Stelle gibt Lipinski einen Überblick samt kurzer Erklärung zur „Heiligen Zahl 7“.

Den Schwerpunkt und Hauptteil des Buches bilden die Bibelauslegungen jüdischer Gelehrter von Ibn Esra aus dem 11. Jahrhundert, Maimonides aus dem 12. Jahrhundert bis zu Rabbi Meir Leibusch aus dem Litauen des 19. Jahrhunderts, die sich ihrerseits wieder auf ältere Kommentare beziehen. Herausragend gewürdigt hat der Autor die umfangreichen Schriften zur Torah von Don Isaak Abarbanel aus dem 15. Jahrhundert. Dies ist eine besondere Perle, denn zum ersten Mal sind die Auslegungen Abarbanels auf Deutsch zu lesen. Der vorliegende Band 1 umfasst die Wochenabschnitte der Genesis, also des 1. Buches Mose.

Hebrische Perlen_Cover Foto: Ari Lipinski
Hebräische Perlen der Torah. Eine Auslese origineller Bibel-Auslegungen jüdischer Gelehrter aus 2500 Jahren – auf Deutsch erklärt von Ari Lipinski“, Selbstverlag, 19,80 Euro (Taschenbuch) oder 49,80 Euro (gebunden), ISBN 9798484673483

Immer wieder bringt sich Lipinski selbst ins Gespräch und spricht direkt die Leserschaft an. Und so öffnet sich die Tür zum typisch jüdischen Lehrhaus. Da wird nicht von oben doziert, sondern auf Augenhöhe mit allen Schülern argumentiert, die ihrerseits ihre Fragen und Anmerkungen machen, was wiederum den Lehrer weiterbringt. Übrigens: Ganz praktisch ist das mit dem Autor möglich; er hat eingangs seine E-Mail-Adresse abdrucken lassen.

Bekannte Bibelgeschichten in neuem Licht

In gut verständlicher Sprache werden „Hebräische Perlen“ interessierten Laien und theologisch gebildeten Fachleuten in die Hand gegeben. Perlen wachsen verborgen in einer Muschel unter oft grauer unscheinbarer Schale. Von außen nicht zu sehen. Erst mit dem Öffnen der Muschel wird der Schatz offenbar. Oder anders gesagt: Für die Leserschaft öffnet sich eine Schatztruhe voller Perlen in edlem Glanz. Bekannte Bibelgeschichten tauchen in neuem Licht auf. Jahrhunderte alte Fragen und Antworten, Erkenntnisse und Weisheiten hat der Autor gesucht und gefunden. So wird das Buch ganz sicher für Juden und Christen gleichermaßen zur Quelle neuer Einsichten in die Tiefe der Heiligen Schrift.

Kleine und doch feine optische Oasen bilden die zahlreichen Abbildungen israelischer Briefmarken mit biblischen Motiven ergänzt durch Gemälde-Miniaturen. So aufgelockert wird das Lesen und Studieren erleichtert, was ohnehin durch das Großformat sowie ein lesefreundliches Layout gegeben ist.
Behutsam werden zum Teil liebgewordene Bibelübersetzungen korrigiert, ergänzt und an der ursprachlichen Quelle geprüft. Die Erklärung des biblischen Hebräisch liegt Lipinski am Herzen. So erklärt er mehrere Seiten lang das erste Wort der Bibel – bereschit. Frei nach dem Gedanken „In der Torah ist das, was man liest, nicht nur das, was man liest“. An dieser Stelle sind Leserinnen und Leser zum Weiterlesen eingeladen.

Ari Lipinski – gebürtiger Israeli mit Grundschule in Israel und Abitur in Deutschland. Studium an der Bar-Ilan-Universität. Israelischer Gesandter für die „Vereinigte Kibbutz-Bewegung“ (Takam) in Deutschland.

Von: Egmond Prill

Israelnetz Magazin

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2 Antworten

  1. Die ganze Bibel ist eine Perle. Gottes Wort, durch seinen Geist inspirierte Schriften, beschreiben uns den allmächtigen Gott. Der Heilige Geist ist der beste Lehrer, der uns den Vater und den Sohn erklärt und uns von Schuld und Sünde überführt. “Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit” (Joh. 1.14). Ich persönlich glaube nicht, dass menschliche Gelehrte uns einen tieferen Einblick in Gottes Wort verschaffen können, sagt doch die Bibel: “Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott” (1.Kor.3,19).
    Lieber Gruß Martin

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  2. Die ganze Bibel, AT und NT vermitteln uns den umfassenden und unbegreiflichen gro0ßen SHALOM, den Gott in Jesus Christus den Glaubenden schenkt!

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