Nicht die Hoffnung verlieren

Gerade Schoa-Überlebende können eine hoffnungsvolle Perspektive haben. Davon ist Gideon Lev überzeugt. Er war als Kind in Theresienstadt interniert.
Von Israelnetz

NAHARIA (inn) – Eine zentrale Zeremonie aus dem Kibbuz Lochamej HaGeta’ot hat den israelischen Holocaust-Gedenktag abgeschlossen. Dessen volle Bezeichnung lautet „Jom HaSikaron LaSchoa weLaGvura“ – „Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum“. Die Zeremonie wird seit 77 Jahren in dem Kibbuz nahe der Grenze zum Libanon abgehalten. Dort befindet sich das Haus der Ghettokämpfer. Wegen des Krieges wurde die diesjährige Veranstaltung vorher aufgezeichnet und am Dienstagabend ausgestrahlt.

Auch bei dieser Veranstaltung entzündeten sechs Überlebende je eine Fackel – im Namen der etwa sechs Millionen ermordeten Juden. Beteiligt waren hier Margit Bornstein, Irena Wadislawski, Mark und Liska Herman, Lea Galili, Sarah Melzer sowie Gideon Lev.

„Warum hast du den Mohnkuchen nicht mitgenommen?“

Margit Bornstein stammt aus Ungarn. Sie erzählte laut der Zeitung „Yediot Aharonot“, die deutschen Besatzer hätten nicht gewusst, in welchen Häusern Juden wohnten. Doch die Nachbarn hätten sie verraten.

„Als sie uns holten, machte meine Mutter gerade einen Mohnkuchen“, fügte sie hinzu. „Ich konnte es nicht vergessen und sagte ihr: ‚Warum hast du den Mohnkuchen nicht mitgenommen?‘“ Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau begegnete sie dem „Todesengel“ Josef Mengele. Ihr Vater musste Leichen von Ermordeten einsammeln.

Der Überlebende Gideon Lev ist in den Sozialen Medien aktiv. Auf TikTok hat er mehr als 300.000 Follower. Er stammt aus Prag. Als er sechs Jahre alt war, wurde er mit seiner Familie nach Theresienstadt deportiert. Später sei ihm bewusst geworden: „Etwa 35.000 Juden starben dort, 15.000 Jugendliche und Kinder gingen durch Theresienstadt. Ein wenig mehr als 100 überlebten – und ich bin einer von ihnen.“

Er ist überzeugt: „Wer sich eine bessere Zukunft vorstellen kann, das ist normalerweise der Überlebende. Nicht die Hoffnung verlieren, Wege zur Überwindung finden. Das Licht am Ende des Tunnels sehen.“ Lev wanderte 1959 nach Israel ein.

Von Generation zu Generation

Das Motto der Veranstaltung stammt aus dem jüdischen Partisanenlied „Sag niemals, du gehst den letzten Weg“; es ist die Zeile „Wie eine Parole soll das Lied von Generation zu Generation gehen“. Das Museum teilte dazu im Vorfeld mit: Das Thema „erhält derzeit eine veränderte Bedeutung von nationaler Stärke. Es ist ein lebendiger Aufruf, weiterzumachen und gemeinsam die Fackel zu tragen – auch von weitem“.

Die israelische Sängerin trug das Partisanenlied vor. Am Ende ging es in Klänge aus „New Day Will Rise“ über – dem Lied, mit dem die Überlebende des Massakers vom 7. Oktober 2023 im vergangenen Jahr beim Eurovision Song Contest in Basel den zweiten Platz belegte.

Auch die Mutter der im Gazastreifen hingerichteten Geisel Hersh Goldberg-Polin, Rachel Goldberg-Polin, wirkte bei der Zeremonie mit. Die organisatorische Verantwortung hatte der Jüdische Nationalfonds.

Der Kibbuz Lochamej HaGeta’ot (Ghettokämpfer) liegt an der Küste zwischen Akko und Naharia. 1949 wurde er von Überlebenden aus dem Warschauer Ghetto sowie Untergrundkämpfern in Partisanen-Einheiten gegründet. Das Haus der Ghettokämpfer dokumentiert die Verfolgungsgeschichte der Juden im 20. Jahrhundert und den Widerstand. (eh)

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2 Kommentare

  1. Danke Israelnetz für diesen Artikel und den Clip. Sehr ausdrucksstark, berührend, und nun fehlen mir einfach auch die Worte.

    Shalom Israel und liebe Grüße an alle anderen hier.

    Eleonora

    0
  2. Es gibt eine wahre Hoffnung, wem sie geschenkt wurde, ist der glücklichste Mensch auf Erden, auch im größten Sturm.

    Lieber Gruß Martin

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