Musiker Boy George hält trotz Anfeindungen an Pro-Israel-Haltung fest

Nach seinem pro-israelischen Lied „We Will Dance Again“ steht der britische Musiker Boy George massiv unter Druck. Er verliert ein Musical-Engagement, trennt sich vom Label-Manager und muss bei der Veröffentlichung des Songs Hindernisse überwinden.
Von Israelnetz
Der britische Sänger Boy George, hier mit Senhit beim ESC, stellt sich künstlerisch an die Seite Israels

LONDON (inn) – Boy George bekommt die Folgen seines pro-israelischen Songs „We Will Dance Again“ zu spüren. Seit der Veröffentlichung Ende Juli sieht sich der britische Musiker, der mit bürgerlichem Namen George Alan O’Dowd heißt, mit heftiger Kritik konfrontiert. Seine Unterstützung für den jüdischen Staat will er dennoch nicht zurücknehmen.

In dem Song verteidigt er Israels Vorgehen im Gazastreifen mit den Worten: „Ihr sagt Genozid, Ich sage Krieg.“ Gleichzeitig kritisiert er seine Kollegen aus der Musikindustrie: „Ihr verurteilt die Juden mit eurer selektiven Erinnerung. Musiker schwenken Fahnen und plappern wie Schafe.“ Dass er für diese Aussagen kritisiert und angefeindet werden würde, dürfte George gewusst haben. Inzwischen hat der 65-Jährige mehrere Konsequenzen gezogen beziehungsweise hinnehmen müssen.

Rückzug vom Londoner Palladium

Besonders deutlich zeigt sich der Streit an einem geplanten Bühnenengagement. Boy George sollte in Andrew Lloyd Webbers Musical „Jesus Christ Superstar“ im London Palladium die Rolle des Königs Herodes übernehmen. Wegen der Kontroverse um seinen Song zog er sich jedoch aus der Produktion zurück. Inwieweit ihm dieser Schritt nahegelegt wurde oder es eine persönliche Entscheidung war, bleibt offen.

Sein Manager Paul Kemsley erklärte, er habe nach längerer Überlegung entschieden, dass der Sänger nicht mehr auftreten werde. Es gehe darum, der Produktion Raum zu geben und dafür zu sorgen, dass alle Beteiligten mit gegenseitigem Respekt weitermachen könnten.

Streit mit dem Plattenmanager

Auch in seinem beruflichen Umfeld führte die Veröffentlichung zu Konsequenzen. Boy George trennte sich von Tony Pontius, dem Manager seines Plattenlabels. Nach Angaben des Sängers hatte Pontius die Veröffentlichung von „We Will Dance Again“ abgelehnt.

Boy George schilderte den Vorgang auf X: Er habe seinen Song veröffentlichen wollen, sein Manager habe jedoch erklärt, mit dem Lied nichts zu tun haben zu wollen. Daraufhin habe er die Zusammenarbeit beendet. „Weil ich mich entschieden habe, für meine jüdischen Freunde einzutreten, verliere ich einige Menschen aus meinem Leben“, schrieb der Sänger. Bereits in der Vergangenheit hatte er sich gegen Aufrufe gewandt, Israel vom Eurovision Song Contest auszuschließen.

Auch die Veröffentlichung wird erschwert

Nicht nur seine Auftritte und Geschäftsbeziehungen sind betroffen. Auch bei der Verbreitung des Liedes musste Boy George einen Umweg nehmen. Die Musiker-Plattform Bandcamp löschte sein Profil. Als Grund wurde laut Boy George das Verbot von KI-generierter Musik genannt.

Der Sänger widersprach dieser Begründung. Künstliche Intelligenz habe ihn lediglich bei der Produktion unterstützt. „KI schreibt meine Songs nicht. Ich schreibe sie“, erklärte der Musiker. Er verwies dabei auf seine mehr als 40 Jahre Erfahrung als Songwriter.

Kurz darauf fand Boy George eine andere Möglichkeit, das Lied anzubieten. Über die Plattform Payhip stellte er einen neuen Link bereit, über den „We Will Dance Again“ heruntergeladen werden konnte. Eine reguläre Veröffentlichung soll später folgen.

Millionen hören den Song

Trotz der Kritik findet das Lied ein großes Publikum. Nach Angaben der Zeitung „Welt“ wurde der Song auf dem X-Account des Sängers inzwischen mehr als fünf Millionen Mal angehört. Die Reaktionen fallen dabei sehr unterschiedlich aus. Während Boy George in sozialen Netzwerken massiv angegriffen wird, erhält er auch Unterstützung, besonders von jüdischen und israelischen Hörern. Auch einige britische Medien würdigten seinen offenen Kurs.

Der „Daily Telegraph“ hob insbesondere hervor, dass der Musiker sich in einer Kulturszene zu Israel bekenne, in der die Unterstützung für die Palästinenser weit verbreitet sei. Kolumnistin Zoe Strimpel schrieb, Personen des öffentlichen Lebens, die sich als Zionisten bezeichneten, gerieten derzeit in einen besonders heftigen öffentlichen Streit.

Boy George will nicht schweigen

Zugleich machte er deutlich, dass er nicht einfach abwarten wolle, bis die Kritik verstummt. Viele Menschen hätten ihm geraten, den Sturm vorüberziehen zu lassen. Das sei für ihn jedoch keine Option. Für diese Haltung zahlt Boy George inzwischen einen Preis. Ein Musical-Auftritt ist gestrichen, die Zusammenarbeit mit seinem Label-Manager beendet und die Veröffentlichung seines Songs wurde zumindest vorübergehend erschwert.

Die eigentliche Botschaft des Liedes indes gerät in den Kontroversen leicht in den Hintergrund. „We Will Dance Again“ greift den Satz der Überlebenden des Massakers beim Nova-Festival auf: „Wir werden wieder tanzen.“ Es ist eine Botschaft der Hoffnung – auf ein Leben nach dem Terror und auf eine Zukunft, in der wieder getanzt werden kann: im Frieden, nach dem Krieg. (tko)

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23 Kommentare

  1. Boy George ist nicht unbedingt meine Kulturrichtung, aber in diesem Zusammenhang sage ich „chapeau bas“. Der Mann hat Mut und (hoffentlich) Durchhaltevermögen (tiene los cojones bien puestos, sagt man in Lateinamerika). Eigentlich eine Schande, dass man sich für eine proisraelische Haltung rechtfertigen muss, während die pro-Hamas-Schreier sich auf allen Bühnen der Welt austoben können. Boy George hat das natürlich gewusst und trotzdem diesen Song herausgebracht. Bravo !

    1. Liebe Antonia, glauben Sie ernsthaft, dass dieser „mutige Mann“, helfen kann, den Antisemitismus zu besiegen?
      Lieber Gruß Martin

  2. Ja, wenn man an der Seite der Juden steht, braucht man ein dickes Fell. Respekt für Boy Georges Reaktion, nicht schweigen zu wollen. Und Dank an alle, die seinen Song nicht verurteilen und aufstehen gegen Israelhass und Antisemitismus.

    1. @Ella, ein noch dickeres Fell braucht man, wenn man fest zum Wort Gottes steht, selbst bei IN.
      Lieber Gruß Martin

      1. @Untertan
        Wieso? Ich stehe fest zu Gottes Wort, fühle mich aber nicht bedroht oder angegriffen. Hindernisse müssen wir alle überwinden wenn wir nicht schweigen wollen.
        LG Ella

        1. Liebe Ella, sorry kann Ihnen nicht antworten. Meine Aussage bezog sich doch nicht auf Sie.

          Lieber Gruß Martin

          1. @Untertan
            Ja Martin, Sie brauchen selbst ein dickes Fell, habs verstanden. Aber wer sich einsetzt, setzt sich aus. Nur Mut. Ab und zu bin ich mit Ihnen, aber sehr oft auch nicht. Und dann sag ichs eben auch.
            LG Ella

      2. Vergeben Sie uns Abtrünnigen. Wir bemühen uns um tiefere Erkenntnis,
        lieber Martin.
        Ich plädiere für eine Petition für „Boy George“ und ggf. finanzielle Unterstützung.
        Die Menschen, die er verloren hat, sind kein wirklicher Verlust für ihn.
        Weiter so Boy George.

  3. Judenhasser wollen Boy George an den Kragen. Boy George wird nicht schweigen.

  4. Gut so, Boy George, das ist in der Tat Standfestigkeit und Haltung, letzteres ein Begriff, der vielfach missbraucht und verwässert worden ist.
    SHALOM

  5. So sieht Mobbing aus. Was für ein primitives „Pack“ um ihn herum. Sorry für das Wort. Ist eigentlich nicht meine Art.
    Ich ziehe den Hut vor ihm.
    Nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Musiker ähnlich denken, sich jedoch vor einem existenziellen Absturz oder Isolation fürchten und daher den Mund halten.
    Wo bleiben beispielsweise Mick Jagger, Paul McCartney oder bei uns Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer.

    1. Vergessen:
      Mein Kommentar kann Teilsatire enthalten.
      Am ehsten würde ich es Paul zutrauen.

  6. Es gibt tatsächlich noch Menschen mit Rückrat, die sich nicht von einem antisemitischen Mainstream vereinnahmen und bestimmen lassen! Das wird immer seltener und ist in der Künstlerszene fast nicht mehr anzutreffen, weil sie alle um ihr Ansehen fürchten. Wahrheit und Fakten sind da schon lange nicht mehr der Massstab!

  7. Mut gegen feige Drohung aus vermeintlich sicherem Umfeld 👍👍👍
    Respekt für Boy George👍

  8. Boy George ist geradlinig. „Wer Israel segnet, der wird gesegnet werden, wer Israel flucht, der wird verflucht werden“. Ich hoffe für Boy George, dass er die Pro-Israel-Zeit noch erleben wird, denn diese wird kommen !

  9. Wir müssen weiter trommeln, wie Boy George es macht (trommeln wie in dem Film Jumanji, aber für eine bessere Welt). Sympathien verlieren wir oder sogar Freunde, aber wir gewinnen neue Freunde!

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