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Münz- und Bibelkunde bei einem Besuch in Jerusalem

Schon oft war der Deutsche Nicolas Dreyer in Israel. Doch bei einem Kurzbesuch in Jerusalem vertieft er unerwartet sein Bibelverständnis. Für Israelnetz hat er seine Gedanken aufgeschrieben.
Von Israelnetz
Münzen

Bei einem Ausflug nach Jerusalem unternahm ich kurz vor dem Beginn des Schabbat einen eiligen Spaziergang durch die Altstadt zur Klagemauer. Auf dem Weg sprach mich ein Antiquitätenhändler an. Zuerst fühlte ich mich von der Störung auf meinem Weg genervt und reagierte recht abweisend auf den älteren Mann.

Letztlich folgte ich aber doch der Einladung in seinen Laden ein paar Gassen weiter. Nachdem der Ladenbesitzer mir unzählige Briefe und Dankesschreiben von führenden Theologen, Archäologen, Museen und Politikern aus aller Welt zeigte, die er und sein verstorbener Vater mit Antiquitäten belieferten, präsentierte er mir verschiedene griechische, römische und jüdische Münzen, die zur Zeit Jesu in Umlauf waren. Neben Tonlampen, Pfeilspitzen und Waffenteilen zeigte er mir auch verschiedene Münzen, die zur Zeit des Neuen Testaments in Gebrauch waren.

Mehrmals erklärte ich ihm, dass ich keinerlei Absicht hätte, irgendetwas zu erwerben. Doch ich hörte aufmerksam zu, wie der Händler mir erklärte: Die Größe und das Gewicht einer Münze und ihr Wert, die darin eingeprägten Gesichter und Symbole, hatten für die zeitgenössischen Zuhörer eine bestimmte Bedeutung.

Als heutige Leser der Bibel tun wir uns oft schwer damit, die konkrete damalige Bedeutung zu erfassen. Die winzige Witwenmünze aus Bronze, die in Lukas 21,1–4 erwähnt wird und kaum einen Wert hatte, unterscheidet sich von dem wertvollen, schwereren Silberdenar mit dem Konterfei von Julius Cäsar oder späteren Kaisern. Sie brachten deren umfassenden Herrschaftsanspruch zum Ausdruck und Jesus spricht in Matthäus 22,15–22 davon.

In Matthäus 17,24–27 und 26,14–15 hingegen wird die Tempelsilbermünze, der tyrische Halbschekel, erwähnt. Sie war die damals am weitesten verbreitete Silbermünze, mit der die Tempelsteuer bezahlt werden musste.

Brennende Lampen für Israels Erlösung?

Die Tonprodukte und -lampen im Laden erinnerten mich plötzlich an das Gleichnis Jesu von den klugen Jungfrauen (Matthäus 25,1–13), die einen kleinen Vorrat an Öl dabei hatten (vergleiche Lukas 12,35). In Jesaja 62,1 heißt es: „Zions wegen will ich nicht schweigen, und Jerusalems wegen will ich nicht ruhen, bis seine Gerechtigkeit hervorbricht wie Lichtglanz und sein Heil wie eine Fackel brennt“.

Ist es vorstellbar, dass die „brennenden Lampen” der fünf treuen Jungfrauen durch die Bildsprache und die Symbolik mit Jesajas „Lampe, die brennt“ und die damit Israels Erlösung demonstriert, verbunden sind? Dies würde bedeuten, dass die klugen Jungfrauen sich von den törichten dadurch unterscheiden, dass sie in der Erlösung Israels gegründet sind.

Ich sah mir die Tonlampen aufmerksam an, hielt die Münzen in der Hand und spürte ihr unterschiedliches Gewicht. Plötzlich verstand ich, dass es sehr viel mehr in der Bibel gibt, als ich normalerweise beim Lesen beachte oder in Predigten und Bibelstunden erklärt bekomme. Künftig möchte ich beim Lesen der Bibel den historischen Details mehr Aufmerksamkeit schenken.

Nicolas Dreyer war unter anderem für den Ebenezer Hilfsfonds Deutschland e.V. in Hamburg und den Jüdischen Nationalfonds JNF-KKL e.V. in Frankfurt a.M. tätig. Er ist 2. Vorsitzender eines deutschen Fördervereins für den israelischen Rettungsdienst, Christliche Freunde des Magen David Adom in Israel (CFMDA) e.V., und ist Mitglied der General Assembly des „AMI Jerusalem Center for Biblical Studies and Research“. Der promovierte Slawist ist Lehrbeauftragter an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Er forscht zu jüdischer Literatur und Geschichte in Russland und der Ukraine.

Der Text entstand unter Mitwirkung von Merle Hofer.

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