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Von klumpiger Erde und beschnittenen Pflanzen

Für zehn Tage fliegt der Deutsche Nicolas Dreyer zu einem Freiwilligendienst nach Israel. Schon oft war er im Land, doch sein Einsatz in der Landwirtschaft vertieft sein Bibelverständnis. Für Israelnetz hat er seine Gedanken aufgeschrieben.
Von Israelnetz
trockene Erde

Bevor ich im Februar zum Ernteeinsatz nach Israel flog, rieten mir die Organisatoren der Erntehilfe, wegen der starken Regensaison Gummistiefel mitzubringen. Trotzdem war ich dann überrascht, als ich Bekanntschaft mit der sehr klumpigen roten israelischen Erde machte. Bis dahin hatte ich mir nicht vorstellen können, warum das so ein Thema ist. Anders als in Deutschland, wo vielerorts die Erde bei Nässe schlammig wird, wird die Erde in Israel, die bei Trockenheit schnell sandig und brüchig wird, bei Niederschlägen ebenso schnell lehmig und klumpig.

Nur schwer lassen sich die Lehmklumpen mit Wasser und Bürste entfernen. Diese Erfahrung erinnerte mich an 1. Mose 2, und Bezüge darauf bei Hiob (10,9 und 33,6), Jesaja (29,16; 41,25; 5,9; 64,8), Jeremia (18,4-6) und Klagelieder 4,2. Dort wird der Mensch vom Schöpfer aus dem bewässerten Erdboden gebildet, ein ausgearbeitetes Stück Lehm, in das der Atem des Lebens eingehaucht wird.

Die Semantik der hebräischen Sprache betont die Theologie der biblischen Erzählung: Mensch heißt auf Hebräisch adam, das linguistisch wiederum mit adama, der Erde, verwandt ist, sowie mit adom, der Farbe rot. Die hebräische Wortwurzel drückt einen bedeutenden Teil der Schöpfungsgeschichte aus: ein rötlich, vielleicht mit rosafarbener Haut, ausgestatteter Mensch wird aus dem roten Lehm der Erde geformt. Während ich mit meinen Gummistiefeln und einem schweren nassen, nicht entfernbaren Lehmklumpen durch das Gewächshaus lief, verstand ich auf einmal besser, warum die antiken Hebräer, die vielleicht eine vergleichbare Erfahrung mit der israelischen Erde gemacht hatten, die Schöpfungsgeschichte im Buch Genesis auf diese Art und Weise erzählt haben mochten.

Keinesfalls möchte ich hier die Autoren- oder Herausgeberschaft der Tora und der Schöpfungsgeschichte diskutieren oder deren Offenbarungscharakter infrage stellen. Aber ich möchte unterstreichen, dass wir als Christen mit beiden Füßen auf dem Boden in Israel das Land kennenlernen, unbekannte Aspekte der Bibel aus erster Hand entdecken und sie in unseren eigenen Glauben integrieren.

Schlechte Stellen müssen beschnitten werden

Auch das Aussortieren von unreifen Früchten am Strauch wurde mir zur Lehre. Damit die größeren und reiferen Früchte noch besser wachsen können, müssen die kleineren grünen Tomaten abgerissen werden. Die Erwartung an die Produktivität der Plantage erfordert hier die Trennung von unreifen Früchten. Dazu kamen die hohen Niederschläge im letzten Winter. Aufgrund des undichten Nylondaches des Gewächshauses hatten viele der Tomatensträucher zu viel Feuchtigkeit abbekommen und verfaulten. Um die Fäulnis zu bekämpfen, mussten alle Sträucher im Gewächshaus sehr aufwendig behandelt werden.

Mit Hand und Pinsel trugen wir eine fungizide Lösung auf alle braunen, faulen Stellen an den Zweigen. Wieder wurde ich an die Gleichnisse Jesu erinnert. In Matthäus 7, aber auch im Gleichnis vom Weinstock und den Reben in Johannes 15, überträgt Jesus natürliche Realitäten in eine geistliche Dimension. Er spricht dabei von der Notwendigkeit, Zweige zu beschneiden und fruchtlose Äste zu entfernen, damit der ganze Baum produktiver werden kann.

Erntehilfe in Israel

Wegen der gewaltigen Mobilisierung der Reserven der israelischen Armee haben manche Branchen der Wirtschaft seit dem 7. Oktober nicht mehr genügend Arbeiter. Dies betraf und betrifft weiterhin vor allem die Landwirtschaft. Auch sind viele thailändische Arbeitskräfte, die vor dem 7. Oktober in der israelischen Landwirtschaft sehr wichtig waren, nach Thailand zurückgekehrt. Zudem erlaubte Israel palästinensischen Arbeitern aus der Westbank (die in Israel als Judäa und Samaria bezeichnet wird) und aus dem Gazastreifen nur noch bedingt, in Israel ihrer Beschäftigung nachzugehen.

Direkt nach Ausbruch des Krieges ergriffen amerikanische Cowboys Initiative und halfen den israelischen Landwirten. In Deutschland und den Niederlanden formierte sich eine Allianz aus drei christlichen Organisationen: die holländische Organisation „Lema’ancha“ sowie die deutschen Organisationen „Brücke Düsseldorf-Haifa“ und „Sächsische Israelfreunde“ bieten Interessenten einen Rahmen für einen Erntehilfeeinsatz in Israel. Die Initiative ist von einer Vision des Propheten Jesaja getragen: „Dann werden Fremde dastehen und eure Schafherden weiden, und Ausländer werden eure Bauern und eure Weingärtner sein“. (Jesaja 61,5)

Die Organisationen kontaktieren Landwirte in der Umgebung von Haifa und dem Gazastreifen sowie in der Nähe der ägyptischen Grenze, um sich nach deren Bedarf an Freiwilligen zu erkundigen. Die Organisatoren kümmern sich auch um Unterkünfte und den täglichen Transport zu den Farmen. Weil nach den Angriffen im Oktober viele Gesellschaften ihre Flüge nach Israel einstellten, sind die bestehenden Flüge wesentlich teurer. Darum unterstützen die Organisationen auch Volontäre, wenn diese ihr Flugticket nicht komplett selbst bezahlen können.

Gleiches gilt für die Parabel vom verdorrten Feigenbaum in Lukas 13, in der der Besitzer des Feigenbaumes großen zusätzlichen Aufwand in die Pflege des Baumes steckt, getrieben von der Hoffnung, dass er doch noch Frucht bringen wird. Beide Lektionen empfand ich als relevant für mein eigenes Leben und meine Arbeit. Bei der Entwicklung eines neuen Projektes beginne ich möglicherweise sehr breit, um alle relevanten Aspekte einzubeziehen. Wenn ich es aber nicht zur rechten Zeit schaffe, Dimensionen loszulassen, die sich als unproduktiv herausstellen, werde ich nicht den richtigen Fokus finden, das Projekt erfolgreich abzuschließen.

Meine eigenen Projekte, wertlose oder ungesunde Lebensweisen und Beschäftigungen zu beschneiden, kann die Qualität meines Lebens, meiner Arbeit und meines Glaubens verbessern. Wo sich der richtige Fokus finden lässt, mag allerdings ein zusätzlicher Einsatz für ein Vorhaben sinnvoll sein, bis ein zunächst unsichtbares Ergebnis schließlich sichtbar wird und Früchte trägt.

Nicolas Dreyer war unter anderem für den Ebenezer Hilfsfonds Deutschland e.V. in Hamburg und den Jüdischen Nationalfonds JNF-KKL e.V. in Frankfurt a.M. tätig. Er ist 2. Vorsitzender eines deutschen Fördervereins für den israelischen Rettungsdienst, Christliche Freunde des Magen David Adom in Israel (CFMDA) e.V., und ist Mitglied der General Assembly des „AMI Jerusalem Center for Biblical Studies and Research“. Der promovierte Slawist ist Lehrbeauftragter an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Er forscht zu jüdischer Literatur und Geschichte in Russland und der Ukraine.

Der Text entstand unter Mitwirkung von Merle Hofer.

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4 Antworten

  1. Schön, wenn Israel auf diesem Weg Hilfe zuteil wird! Allen, die Israel lieben, Schalom und dem Ewigen alle Ehre und Anbetung!

    11
  2. Toll, dass sich Helfer durch den Krieg nicht irritieren lassen und Israel zur Hand gehen. Das schafft Erfahrungen und Freundschaften fürs Leben.

    6

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