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Mit 44 Jahren in der Weltspitze

Der israelische Quad-Rollstuhltennisspieler Guy Sasson hat auf dem Sandplatz des Rolland Garros seinen ersten großen Titel im Einzel gewonnen. Es ist der Höhepunkt seiner steilen Karriere und einer inspirierenden Geschichte.
Von Israelnetz

Als der Israeli Guy Sasson an jenem Samstagnachmittag seine Arme siegreich in den Himmel streckt, hat er vergessen, dass das Match-Tie-Break nicht mit sieben, sondern mit zehn Punkten entschieden wird. Nachdem ihn der Schiedsrichter verschmitzt darauf hinweist, lacht Sasson kurz mit den Zuschauern. Aber der kleine Fauxpas hält ihn nicht auf und mindert keinesfalls die Freude, als er dann nach dem zehnten Satzgewinn seinen ersten Grand-Slam-Titel im Quad-Rollstuhltennis erringt.

Im Freudentaumel mit den Betreuern erfährt er außerdem, dass vier Geiseln von der israelischen Armee gerettet wurden. Kurzerhand widmet er ihnen seinen historischen Sieg und ruft in die Menge: „Am Israel Chai“ – das bedeutet „Das Volk Israel lebt“.

Hinter ihm liegt ein dreistündiges Ringen zwischen Sasson und dem Niederländer Sam Schröder, dem er sich beim Finale der Australian Open im Januar noch hatte geschlagen geben müssen. Schröder ist mit seinen 22 Jahren halb so alt wie Sasson und momentan Führender der Weltrangliste. Im Paris-Finale gewinnt der Israeli den ersten Satz mit 6:2, verliert den nächsten 3:6 und setzt sich dann im Match-Tie-Break durch. Sasson arbeitet sich mit seinem Sieg bei den French Open auf Platz 3 der Weltrangliste vor.

Ein Unfall veränderte alles

Grund für die späte Karriere von Sasson ist, dass er ohne Einschränkung auf die Welt kam. Er wuchs auf in Ramat Gan, diente beim Militär und ging schließlich zum Studium in die USA. Dort gründete und verkaufte er einige Unternehmen, bevor er nach Israel zurückkehrte, wo er eine Immobilienfirma gründete und die Israelin Aja Mohr heiratete.

2015 hatte er dann einen Snowboard-Unfall in Frankreich und fiel von einer Klippe. Die Ärzte sagten ihm, er werde nie wieder laufen können. Der Sportbegeisterte Sasson suchte nach einem Ausgleich, dachte zunächst ans Schwimmen, bevor er seinen jetzigen Coach Ofri Lankri kennenlernte und mit dem Rollstuhltennis anfing. Gegenüber der Nachrichtenagentur JNS äußerte er: „Am Anfang habe ich niemandem davon erzählt, nicht einmal meiner Frau. Niemandem! Als ich besser wurde, musste ich es dann meiner Frau erzählen.“

Zweiter Einzel-Grand-Slam-Titel in der Geschichte Israels

Der späte Karrierestart hielt ihn allerdings nicht davon ab, sich bis in die Weltspitze vorzukämpfen. 2021 nahm er an den Paralympischen Spielen in Tokio teil. Sasson startete zunächst in der offenen Klasse, bevor man ihn wegen Einschränkungen im Oberkörper der sogenannten Quad-Klasse zuteilte.

2024 ist sein bisher erfolgreichstes Jahr und er erreichte, im Einzel sowie auch im Doppel, Finalteilnahmen. Und jetzt eben sein erster Grand-Slam-Titel: eine israelische Premiere. Bislang gelang das nur der Spielerin Shahar Pe’er, und zwar im Jugendbereich. Der inzwischen dreifache Familienvater denkt indes noch nicht ans Aufhören – und erst recht nicht ans Aufgeben. (tko)  

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4 Responses

  1. Tapferer Mann und erfolgreicher Sportler, der niemals resigniert hat trotz seines tragischen Unfalls. Respekt und Gratulation. 👍

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