Mehr als ein Drittel aller Lebensmittel kommt in den Müll

Es ist ein altbekanntes Problem: Israel verschwendet Jahr für Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel. Ein neuer Bericht zeigt kaum Fortschritt.
Von Israelnetz
Früchte zählen in Israel zu den Lebensmitteln, die am häufigsten weggeschmissen werden

Foto: Pxhere

Obst und Gemüse werden in Israel besonders oft weggeschmissen

JERUSALEM (inn) – Israelis haben im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Dies geht aus dem siebten jährlichen Bericht zur Lebensmittelverschwendung von der Organisation „Leket“ hervor. Dieser wurde am Montag veröffentlicht. Wie die Zeitung „Jerusalem Post“ berichtet, fordert „Leket“ weitere Maßnahmen, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren.

Im Jahr 2021 warfen die Israelis rund 2,6 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Die Kosten beliefen sich auf umgerechnet etwa 6 Milliarden Euro. Im Durchschnitt kostete die Verschwendung jeden Haushalt knapp 1.000 Euro.

Gemessen an der Gesamtmenge der Lebensmittel in Israel, macht die Menge des verschwendeten Essens 37 Prozent aus. Der Jahresbericht gibt die Menge der noch verwertbaren und für den menschlichen Verzehr geeigneten Lebensmittel mit etwas mehr als einer Million Tonnen an – knapp die Hälfte der verschwendeten Lebensmittel.

Weiter große Lücke in der Ernährungssicherheit

Der Bericht vergleicht Israel mit 17 Ländern, bei denen die Lebensmittelverschwendung ebenfalls hoch ist. Alle untersuchten Staaten haben bereits Programme und Maßnahmen gestartet. Israel landet auf dem letzten Platz bei der Bekämpfung der Verschwendung – Frankreich erreicht Rang 1.

Die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, dass eine mögliche Reduzierung der Verschwendung dazu beitragen würde, die Ernährungsunsicherheit im jüdischen Staat zu verringern oder gar zu beseitigen. 16,2 Prozent der israelischen Haushalte können sich keine konstante Versorgung mit Lebensmitteln leisten.

„Die Rettung von nur 20 Prozent der Lebensmittel, die derzeit weggeworfen werden, kann die gesamte Lücke der Ernährungssicherheit in Israel schließen“, heißt es in dem Bericht. Neben dem Aspekt, dass Armut verringert werden könne, spare die israelische Bevölkerung Geld. „Leket“ fordert daher Maßnahmen, um Verschwendung und Armut zu reduzieren.

Verschwendung schadet der Umwelt

„Leket“ schätzt die Umweltkosten der Verschwendung auf rund 1 Milliarde Euro. Darunter falle auch die Verschwendung von Landressourcen und Wasser. Hinzu komme der Ausstoß von etwa 5 Millionen Tonnen CO₂. Dies entspricht 6 Prozent aller Emissionen in Israel.

Die scheidende israelische Umweltministerin, Tamar Sandberg (Meretz), sagte: „Lebensmittelrettung und die Minimierung von Lebensmittelverschwendung sind notwendige Maßnahmen. Sie müssen ergriffen werden, um Israels ökologische, soziale und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu bewahren.“

„Die Lebensmittelrettung trägt zur Reduzierung von Emissionen und Schadstoffen bei und stärkt den Kampf gegen die globale Klimakrise“, sagte der Geschäftsführer von „Leket“ Didi Kroch. Es sei von großer Bedeutung, die Ernährungssicherheit in Israel herzustellen und die Ressourcen zu schonen. (joh)

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5 Antworten

  1. Das ist nicht nur in Israel der Fall, auch in der BRD.
    Nicht nur eine Schande an die Umwelt, sondern eine absolute Schande gegenüber Menschen, die sich kein Obst u.a. leisten können.
    In ” meinen” umliegenden SB Märkten wird Ware von den Tafeln abgeholt, wobei wir direkt beim Erzeuger kaufen. Ausnahme sind Granatäpfel, generell Südfrüchte.
    Man weiß das alles bereits seit Jahren und trotzdem werden weiterhin Lebensmittel vernichtet und ein paar Flugstunden entfernt verhungern Menschen.
    8 Milliarden Menschen sind wir auf der Erde. Gestern wurde es bekannt gegeben. China, Indien, Afrika
    hat die meisten Bewohner. Wann wachen wir eigentlich alle auf?
    Die Früchte der Erde sind uns gegeben — nicht für den Mülleimer.

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    1. Sofern die Menschheit noch einen kleinen Funken Glauben und Ehrerbietung an den Schöpfer des Lebens aufzubringen imstande ist, befürchte ich ein bitteres Erwachen am sogenannten Jüngsten Tag, an jenem Gericht, an dem vor allem offenbar wird, was die Menschen an Leben und Lebensmitteln vernichtet haben.
      Ich möchte alle aufrufen, sich mit diesen Gedanken zu befassen und diese Kunde weiter zu geben. Viel Zeit haben wir nicht mehr; die Zeit läuft uns davon. Trage jeder vor dem HERRN die Verantwortung dafür, des Schöpfers Gaben zu seinen Ehren zu verwalten und auch mit Freude zu gebrauchen. Man sollte dies einfach endlich verstehen. Der HERR ist nahe. Punkt.

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  2. Das ist in der Tat ein großes Problem. Und zieht sich durch alle Länder durch.

    Wobei ich durchaus den Eindruck habe, bedingt durch die hohe Inflation, passen die Menschen besser auf. Allerdings dürfte dies eher eine Sache des Geldbeutels sein und weniger dem Bewusstsein geschuldet, dass Verschwendung eine Sünde ist.

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  3. Ich möchte diesen Bericht nicht so ohne weiteres glauben.
    Als ich vor Jahren mit dem Amt für Landwirtschaft in Israel war, konnte ich sehen, dass sehr viele “Abfallprodukte” wie Orangenschalen etc. für Viehfutter aufbereitet wurden. Ich könnte mir vorstellen, dass dies auch mit Gemüse- und Obstprodukten, die nicht auf dem Markt verkauft werden können, geschied.
    Problematisch wird es dann bei den privaten Haushalten.

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  4. Überproduktion gehört zur Marktwirtschaft und somit zu einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung.
    Somit beginnt die Vernichtung schon auf Feld und Plantage, weil das Angebot nicht der Nachfrage entspricht. Beispiel 2022: Vernichtung von Spargel und Erdbeeren. Große Mengen werden jährlich im BIO-Anbau untergepflügt, weil nicht vermarktungsfähig. Massen von Obst verfault an den Bäumen wegen fehlender Erntehelfer. Normal sind Abfälle bei der weiteren Verarbeitung, die sinnvoll oftmals in BIO-Gasanlagen verwertet werden können, hier gibt es aber leider gesetzliche Restriktionen. Die meisten Supermärkte managen Ihre Vernichtung durch rechtzeitige Preisnachlässe, Abgabe an die Tafeln u.Ä. Lebensmittel in den Müll ist für den Handel Sondermüll, den dieser teuer entsorgen lassen muss. Ja….und dann kommen wir Endverbraucher. Schmeissen wir wirklich 78kg per Köpf p.a. in den Müll? Ich nicht, auch ich hab nicht essbare Abfälle, wie Schalen, Knochen, Stünke usw auch mal was Verdorbenes, aber über 200gr per Tag?????
    managen

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