Mehr als 15.000 Holocaustüberlebende starben 2021 in Israel

Sie werden immer älter: Überlebende des Holocaust. In Israel leben derzeit noch etwas mehr als 165.000 Überlebende. Doch 90 Prozent sind über 80 Jahre alt. Das Ministerium für soziale Gleichheit in Israel veröffentlicht eine neue Statistik.
Von Israelnetz
Die blaue Farbe der Israelflagge ist von der Bibel inspiriert

Foto: Israelnetz/mh

In Israel leben noch etwa 165.000 Holocaustüberlebende – von Jahr zu Jahr werden es weniger

JERUSALEM (inn) – In Israel sind im vergangenen Jahr 15.324 Überlebende des Holocaust gestorben. Diese und weitere Zahlen gehen aus einer Statistik hervor, die das israelische Ministerium für soziale Gleichheit am Vorabend des internationalen Holocaust-Gedenktages veröffentlichte.

Demnach leben derzeit 165.800 Holocaustüberlebende im jüdischen Staat. 90 Prozent sind älter als 80 Jahre. 19 Prozent, also etwa 31.000, sind älter als 90 Jahre. Außerdem sind 950 Überlebende über 100 Jahre alt. Das Durchschnittsalter liegt insgesamt bei 85 Jahren. Die Mehrheit der Überlebenden sind Frauen, etwas mehr als 60 Prozent.

Die meisten Überlebenden, 64 Prozent, sind in Europa geboren, vorwiegend in den ehemaligen sowjetischen Ländern, aber auch in Rumänien, Polen, Ungarn oder Deutschland. 36 Prozent stammen aus Asien oder Nordafrika – etwa aus Marokko oder Algerien.

Das Ministerium geht davon aus, dass lediglich 5 Prozent der Überlebenden bereits vor der Staatsgründung Israels im Mai 1948 eingewandert sind. Bis Ende 1948 kamen nochmals 11 Prozent hinzu. In den folgenden zehn Jahren kamen knapp 48 Prozent der noch 165.800 Holocaustüberlebenden nach Israel. Etwa 30 Prozent wanderten mit dem Zerfall der Sowjetunion ein. Auch im Jahr 2021 wanderten noch 98 Überlebende nach Israel ein. Die meisten Überlebenden wohnen in den Großstädten Haifa, Jerusalem, Tel Aviv und Aschdod.

Finanzielle Zuschüsse für Holocaustüberlebende

Der israelische Staat unterstützt die Holocaustüberlebenden. Der Statistik zufolge gab er im Jahr 2021 rund 1,15 Millionen Euro für finanzielle Zuschüsse an die Überlebenden aus. Insgesamt 58.000 von ihnen erhalten monatliche Beiträge zwischen 700 und 1.800 Euro. Grund dafür sind körperliche Einschränkungen. Weitere 15.500 Überlebende erhalten etwa 3.200 Euro, da ihr Einkommen zu niedrig ist. Auch andere Länder unterstützen die Überlebenden in Israel, mit finanziellen Zuwendungen.

Die Ministerin für soziale Gleichheit, Meirav Cohen (Jesch Atid), begründet die Unterstützung mit der besonderen Verantwortung, die Israel zufalle. „Dies sind die letzten Jahre, in denen wir ihnen dienen, sie in Würde altern lassen und viele ihrer Geschichten dokumentieren können, da es in Kürze niemand mehr geben wird, der diese erzählen kann“, erklärte die Ministerin weiter.

Auch die Gedenkstätte Yad Vashem wird vom israelischen Staat finanziell unterstützt. Erst kürzlich sagte die Regierung eine erneute Finanzspritze von 8,1 Millionen Euro zu. (joh)

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5 Antworten

  1. Von den schätzungsweise 165.000 Holocaust-Überlebenden in Israel lebt nach Angaben einer Interessenvertretung der Überlebenden etwa jeder Dritte in Armut. Obwohl die Überlebenden staatliche Zuschüsse erhalten, sind viele immer noch auf Lebensmittelspenden angewiesen, die von israelischen Wohltätigkeitsorganisationen wie Chasdei Naomi organisiert werden.
    “Diejenigen, die sich wirklich um die Überlebenden des Holocaust kümmern sollten, sind der Staat Israel. Leider gibt es den nicht”, sagte Tshuva Cabra, die Leiterin der Spendenorganisation.
    Mitarbeiter und Freiwillige der Hilfsorganisation verteilten am Mittwoch in Jerusalem Lebensmittelpakete, Blumen und Pralinen an verarmte Überlebende. “Wenn wir nicht für sie da sind, wer dann? Es ist wirklich traurig, dass nur NROs aufstehen und handeln”, sagte sie.
    Der internationale Gedenktag am Donnerstag markiert den 77. Jahrestag der Befreiung des nationalsozialistischen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in Polen. Schätzungsweise ein Drittel des Weltjudentums wurde von Nazideutschland und seinen Verbündeten vernichtet. Nach dem Krieg machten sich Hunderttausende von Überlebenden auf den Weg in das neu gegründete Israel.
    In den ersten 12 Jahren nach der Gründung Israels war es dort verpönt, über den Holocaust überhaupt zu sprechen. Überlebende wurde mißtrauisch als schwache und mögliche Kollaborateure verachtet. Erst ab dem Eichmann-Prozess erkannte man, dass das Potential der “Shoah-Erinnerungs-Industrie”.. Heute glaubt Israel, Sprachrohr aller Juden auf der Welt zu sein, obwohl weniger als 40 % der Juden der Welt dort leben.

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  2. Schalom,
    danke, dass wir das Institut of advanced Dental Education mit einem gespendeten Gerät unterstützen konnten. In der Einrichtung werden Holocaust Überlebende behandelt.
    Ich sehe darin einen kleinen Beitrag der Erinnerung zu dem unbeschreiblichen Leid, das wir Deutsche dem jüdischen Volk zugefügt haben.
    Schalom

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