Lehrergewerkschaft distanziert sich von Israel-Boykott

Für die Zeitschrift der Lehrergewerkschaft Oldenburg war ein gegen Israel gerichteter Artikel geplant. Das wertet die Gewerkschaft nun als Fehler. Zuvor hatte es Proteste unter anderem von der israelischen Botschaft in Deutschland gegeben.
Weltweit gibt es Boykottaufrufe gegen Israel. Die Lehrergewerkschaft in Oldenburg spricht sich dagegen aus.
Weltweit gibt es Boykottaufrufe gegen Israel. Die Lehrergewerkschaft in Oldenburg spricht sich dagegen aus.
OLDENBURG (inn) – Die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ (GEW) in Oldenburg distanziert sich von einem Artikel des Israel-Boykott-Aktivisten und Sprachlehrers Christoph Glanz. Der Artikel war für die Ausgabe 99 der Zeitschrift „PaedOl“ vorgesehen. Nach Einschätzung der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ ist dies der erste Boykott-Aufruf einer deutschen Gewerkschaft seit dem Holocaust. Allerdings ist der Artikel überhaupt nicht erschienen. Die Verantwortlichen gaben aufgrund der Proteste keine Druckfreigabe; sie entfernten die Online-Ausgabe des Magazins auch von der Homepage. Das teilte der Vorsitzende der GEW Oldenburg Heinz Bührmann am Donnerstag Israelnetz mit. Allerdings ist das pfd-Dokument des Artikels im Internet abrufbar; ein Unbekannter hat es online gestellt.

Werbung für BDS

In der Stellungnahme erklärt Bührmann, die Gewerkschaft lehne einen Boykott Israels ab. Der Artikel sei zusammen mit Kontakthinweisen zur BDS-Kampagne (Boykott, Desinvestition, Sanktion) ein „großer Fehler“ gewesen. Dafür entschuldige sich die Gewerkschaft. „Die Kampagne war uns schlichtweg nicht als problematisch geläufig.“ Bührmann kündigte eine Sonderausgabe der „PaedOl“ mit Reaktionen und Gegendarstellungen an. In dem vierseitigen Artikel erklärte Glanz Ursprünge und Ziele der Boykott-Bewegung. Zudem erzählte er die Geschichte seines abgesagten Vortrags in der „Evangelischen StudentInnen Gemeinde“ (ESG) in Oldenburg. Die Absage erfolgte demnach nach heftigen Protesten von „sogenannten ‚Israelfreunden‘“. Einen weiteren BDS-Vortrag habe die Stadt Oldenburg aus Sicherheitsgründen abgesagt, ohne für Ersatz oder für polizeiliche Sicherheit zu sorgen. Glanz sieht durch solche Vorgänge die Debattenkultur in Gefahr. Der Artikel selbst lässt sich als einseitig einordnen. Wenn Glanz von der Vertreibung von 750.000 Palästinensern spricht, fehlt etwa die Information über die 800.000 vertriebenen Juden aus arabischen Ländern – die heute übrigens nicht mehr als Flüchtlinge gelten. Glanz führt Beispiele von Gewalt von Soldaten und Siedlern gegen Palästinenser an. Mit keinem Wort geht er auf die jüngste Terrorwelle oder palästinensische Hetze gegen Israelis ein.

Vorwurf des Antisemitismus

Der Artikel stieß auf breite Kritik. Die israelische Botschaft in Deutschland erklärte auf Anfrage der „Jerusalem Post“, man sei von der GEW „überrascht und enttäuscht“. „Der BDS-Bewegung geht es de facto um die Auslöschung Israels als jüdischen und demokratischen Staat.“ Der Leser könne den Artikel richtig einordnen; dennoch erwarte die Botschaft vom Magazin „bessere redaktionelle Standards“. Auch das „Simon-Wiesenthal-Zentrum“ sprach von einer „Entwicklung, der man entgegentreten muss“. Sascha Stawski von der Organisation „Honestly Concerned“ ordnet den Artikel als antisemitisch ein. Er erfülle mit Bezug auf den Staat Israel die Kriterien Doppelter Standard, Dämonisierung und Entrechtung. Mit diesen drei Vorgaben definierte der Leiter der „Jewish Agency“, Natan Scharansky, Antisemitismus. Der Autor Glanz äußerte sich trotz Anfrage der „Jerusalem Post“ nicht zu den Vorwürfen. (df)

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