Labour will Antisemitismus bekämpfen

Dass die britische Labour-Partei ein Problem mit Antisemitismus hat, belegen die zahlreichen Austritte kritischer Mitglieder. Nun will Parteichef Corbyn mit einer neuen Webseite über Formen des Judenhasses aufklären. Dabei wird auch betont, dass Antizionisten in der Partei willkommen sind.
Labour-Chef Corbyn will nach eigenen Aussagen Antisemitismus bekämpfen
Labour-Chef Corbyn will nach eigenen Aussagen Antisemitismus bekämpfen

LONDON (inn) – Die britische Labour-Partei will mit einer neuen Webseite gegen Antisemitismus in der eigenen Partei und in der Gesellschaft vorgehen. Parteichef Jeremy Corbyn sagte am Sonntag, es handele sich um den ersten Teil einer Reihe von Aufklärungsmaterial. „Ich habe so viel gelernt, ich hoffe, Sie werden auch viel lernen“, schrieb er auf Twitter.

Mit Blick auf die eigenen Mitglieder heißt es auf der Seite, dass eine „kleine Anzahl“ antisemitische Sichtweisen vertrete, während eine „viel größere Anzahl“ nicht in der Lage sei, antisemitische Stereotype und Verschwörungstheorien als solche zu erkennen. Dazu gehörten die Leugnung des Holocaust, krude Vorstellungen von jüdischen Bankiers oder die Auffassung, Israel sei schuld an den Terroranschlägen vom 11. September 2001.

Eine Geschichte des Antisemitismus

Der Einführungstext schildert in Kürze, wie sich Antisemitismus in der Geschichte gezeigt hat, etwa die Vertreibung der Juden aus England 1290 oder der „Höhepunkt des Judenhasses“, der Holocaust unter den Nazis.

Bezüglich des Staates Israel führt der Text weiter aus, Juden hätten wie jedes andere Volk das Recht auf Selbstbestimmung. Zionismus sei verwurzelt im jüdischen Selbstverständnis. Kritik am Staat oder Gegnerschaft zur Regierung dürfe nicht auf antisemitische Vorstellungen zurückgreifen – etwa dass Ungerechtigkeiten in der jüdischen Identität verankert seien. Darüber hinaus gehe es nicht an, Juden in Großbritannien für die israelische Politik verantwortlich zu machen oder Israel mit Nazi-Deutschland zu vergleichen.

Bleibende Unterstützung für Palästinenser

Umgekehrt bedeuten diese Vorgaben nicht, die Unterstützung für die Palästinenser zu schmälern. Dies gelte für „das Ringen des palästinensischen Volkes um Gerechtigkeit, um seinen eigenen Staat und um das Recht der Flüchtlinge und deren Nachkommen“.

Zugleich betont der Text, dass Antizionismus nicht zwingend antisemitisch sei. Als Beispiel wird das Eintreten für „einen Staat“ genannt, „mit Rechten für alle Israelis und Palästinenser“. „Labour ist eine politische Heimat für Zionisten und für Antizionisten. Weder Zionismus noch Antizionismus ist aus sich selbst heraus rassistisch.“

Die Labour-Partei steht seit einiger Zeit wegen antisemitischer Vorstellungen in ihren Reihen in der Kritik. Im Februar trat die Vorsitzende der Israelgruppe des Parlaments, Joan Ryan, wegen einer „Kultur des Antisemitismus und Israel-Hasses“ aus. Der frühere Londoner Bürgermeister Ken Livingstone wurde von der Partei wegen antisemitischer Aussagen ausgeschlossen; er verließ die Partei schließlich im Mai 2018. Parteichef Corby musste sich vor einem Jahr mit dem Vorwurf auseinandersetzen, palästinensischen Terroristen Ehre erwiesen zu haben.

Von: df

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