Kein Schach an Jom Kippur: Technische Niederlagen für israelische Teams

Vor der Schach-Olympiade beantragt der israelische Verband, keine Partien am Jom Kippur spielen zu müssen. Doch die Zusage wird nicht eingehalten, und Israel kassiert technische Niederlagen.
Von Israelnetz

SAMARKAND (inn) – Weil sie den Jom Kippur einhielten, haben die israelischen Teams bei der Schach-Olympiade in Usbekistan am Montag technische Niederlagen kassiert. Ihre Gegner aus den Niederlanden und Bulgarien waren nicht bereit, die Partien zu verschieben. Die verpassten Spiele wurden mit jeweils 0:4 gewertet.

Bereits für den Sonntagabend waren beim Turnier in Samarkand für Israels Herren- und Damenmannschaft Partien nach Beginn des Versöhnungstages angesetzt. Doch in dem Fall erklärten sich die gegnerischen Teams aus Singapur und Kolumbien bereit, die Spiele ein wenig vorzuverlegen. Damit mussten die Israelis nicht am Großen Versöhnungstag antreten, an dem Juden traditionell fasten und beten.

Der israelische Schachverband hatte den internationalen Verband FIDE frühzeitig gebeten, am Jom Kippur keine Partien für die Israelis anzusetzen. In einem offiziellen Brief ging es um den Zeitraum zwischen Sonntag um 17 Uhr Ortszeit und Montag um 19.30 Uhr.

Einem Bericht der Nachrichtenagentur JNS zufolge willigte die FIDE am 15. Januar ein. Nun wirft der israelische Verband ihr vor, sie habe „ihr Versprechen gebrochen“. Er kündigte an, von der FIDE Erklärungen zu fordern.

Widersprüchliche Berichte

Die FIDE schrieb auf ihrer Website in einer Zusammenfassung des fünften Wettkampftages am Sonntag: „Wegen des Einhaltens von Jom Kippur, dem heiligsten Tag im Judentum, am 20. September, mussten beide Teams ihre Partien früher austragen, als es die Standard-Terminierung normalerweise zuließe.“ Singapur und Kolumbien hätten „im Geist von Sportlichkeit und gegenseitigem Respekt“ zugestimmt, die Spiele vorzuverlegen. Diese seien in einem Hotel unter den üblichen Wettbewerbsregeln ausgetragen worden.

Im Bericht zum sechsten Tag der Olympiade wirkt es hingegen, als wäre der Jom Kippur für den Weltschachverband ein völlig neues Thema: „Die meisten Teams kommen mit mehr als genug Zeit an die Stätte, um ihre Schachbretter zu finden und sich auf die Partie vorzubereiten. Deshalb war es besonders ungewöhnlich, keine Mitglieder der israelischen Teams zu sehen, als die Partien begannen.“

Nach ein paar Minuten sei die Situation klar geworden: Weil sie den Jom Kippur begehen wollten, hatten die israelischen Teams um eine Verschiebung auf Dienstag, den Ruhetag des Turniers, gebeten. Die FIDE leitete die Bitte weiter, doch die Gegner, die Niederlande und Bulgarien, willigten nicht ein. „Dazu sind sie völlig berechtigt“, merkt die FIDE an und ergänzt: „Als Folge, und in Übereinstimmung mit den Wettbewerbsregeln, wurden die Spiele für beide israelische Teams als Niederlage gewertet.“ (eh)

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7 Kommentare

  1. Der Geist von Sportlichkeit und gegenseitigem Respekt weht seit Jahren nicht mehr. Die FIDE hatte dem israelischen Schachverband bereits im Januar schriftlich zugesagt, dass dessen Partien am 21. September erst nach Ende des Feiertags beginnen würden, nicht vor 19.30 Uhr. Diese Zusage galt offenbar nicht mehr. Aber wenn ein arabisches Team z.B. wegen Ramadan um Verlegung der Spiele gebeten hätten, wäre dem bestimmt nachgegeben worden. Statt Leistung zählt die anti-israelische Haltung.

    1. Nein das stimmt so nicht , es gab auch schon über Ostern wichtige finde -turniere und auch schon von anderen landen wichtige Feiertage. Es ist unmöglich für die Fide, bei so einem Weltturnier alle Feiertage oder bitten zu berücksichtigen. Profi-Sportler , müssen halt auch wie Ärzte, Polizei , adac oder Tankstellen am Feiertage Arbeit.

      1. @Felix Kessel
        Aber der FIDE war es möglich, dem Antrag Israels im Januar zuzustimmen. Wenn diese Zustimmung nicht erfolgt wäre, würde ich Ihre Argumentation verstehen.

  2. Schande, Niederlande/ Bulgarien.
    FAIR GEHT VOR- Fremdwort dieser Antisemiten.

  3. Erinnert mich an ein Fußballspiel der UEFA champions League zwischen Hapoel Tel Aviv und dem FC Bayern in Tel Aviv, das zufällig auf den Vorabend von Rosh Hachana fiel. Die Israelis baten um ein Vorziehen des Spiels auf den frühen Nachmittag, Franz Beckenbauer, damals Bayernboss, hat dem sofort zugestimmt, aber die UEFA damals mit einem britischen Präsidenten, lehnte ab. DasSpiel fand am Abend statt. Nicht jeder hat die Eleganz von „Kaiser Franz „.

    1. Nun, vielleicht kannte er auch die Geschichte des FC Bayern München. Gegründet wurde er, da 1860 München keine jüdischen Mitglieder aufgenommen hat. Der erste Präsident nach dem II. Weltkrieg war auch ein jüdisches Mitglied des FCB, ohne den der Verein vielleicht gar nicht mehr existieren würde.

  4. Ich bin sehr traurig, zumal ich selber Turnierschachspieler bin. Diese Welt ist ein Grauen geworden. In Berlin durfte 2023 eine Lehrerin Jüdischen Glaubens nicht frei bekommen am Jom Kippur, jetzt ist der Antisemitismus im Schach angekommen. Wenn man dann noch „Happy Ramadan“ in West-Deutschland betrachtet, dann fragt man sich, wie sehr sich die Welt vom Gott der Bibel entfernt hat. Ich hoffe weiter auf eine bessere Zeit, diese wird es auch geben…!

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