Jerusalem gedenkt an Pogrom

Zum Gedenken an die „Reichskristallnacht“ 1938 ruft die Organisation „March of the Living“ weltweit dazu auf, Gotteshäuser zu beleuchten. In Jerusalem wird eine Lichtshow an die Mauern der Altstadt projiziert.
Auf der Altstadtmauer waren auch Bilder von brennenden Synagogen zu sehen

Foto: Israelnetz/mh

Auf der Altstadtmauer waren auch Bilder von brennenden Synagogen zu sehen

JERUSALEM (inn) – Vor allem in der Pogromnacht am 9. November 1938 ereignete sich die Zerstörung von 1.400 Synagogen. Geschäfte und Wohnungen von Juden wurden angegriffen und zerstört. Mehrere hundert Juden wurden getötet, etwa 300 nahmen sich das Leben. Mehr als 30.000 Juden wurden gefangengenommen und in Konzentrationslager transportiert. Wenn Überlebende über diese Nacht sprechen, haben sie Schrecken in den Augen oder zeigen gar keine Emotionen.

Zum Jahrestag hatte die Organisation „March of the Living“ (Marsch der Lebenden) zu der Aktion „Es werde Licht“ eingeladen. Gotteshäuser in aller Welt ließen in dieser Nacht die Lichter brennen. An den Mauern der Jerusalemer Altstadt war am Montagabend zu lesen: „Heute werden Synagogen und Gebetshäuser in der ganzen Welt angegriffen. Gemeinsam stehen wir gegen Antisemitismus, Rassismus, Intoleranz und Hass, indem wir Licht über die Dunkelheit des Hasses strahlen.“ Außerdem wurden zahlreiche Grußworte von Politikern und Rabbinern und anderen Personen des öffentlichen Lebens projiziert.

Synagogenfenster waren bei der Gedenkveranstaltung ebenso zu sehen ... Foto: Israelnetz/mh
Synagogenfenster waren bei der Gedenkveranstaltung ebenso zu sehen …
... wie der Schriftzug „Es werde Licht“ auf Englisch Foto: Israelnetz/mh
… wie der Schriftzug „Es werde Licht“ auf Englisch
Die Kathedrale von Coventry und die Frankfurter Westend-Synagoge fanden besondere Erwähnung Foto: Israelnetz/mh
Die Kathedrale von Coventry und die Frankfurter Westend-Synagoge fanden besondere Erwähnung

Die Veranstalter zitierten Eve Kugler, eine Holocaustüberlebende. Die Pogromnacht erlebte sie mit sieben Jahren in Halle/Saale: „Mitten in der Nacht stürmten fünf uniformierte SS-Soldaten mit dem Polizeichef in unsere Wohnung. Sie zerstörten unsere Wohnung und nahmen meinen Vater mit. Die Synagoge, die mein Großvater gebaut hatte, wurde angezündet und brannte vollständig ab. Vor einem Jahr war ich entsetzt, als ich von dem Anschlag auf die Synagoge in Halle hörte. Ich fühlte mich, als wäre es meine eigene Synagoge. Für mich war klar: Wir dürfen nicht länger schweigen. Es ist unsere Pflicht, aufzustehen und die Welt zu einem sichereren und fröhlicheren Ort zu machen.“

Für eine hellere Zukunft

Licht symbolisiere Hoffnung inmitten einer Zeit von Hass, teilten die Veranstalter am Abend des Gedenktages mit. Die Präsidentin des „March of the Living“, Phyllis Greenberg Heideman, sagte: „Ungeachtet der Umstände haben wir keine Wahl, weiterhin des Holocausts zu gedenken. Angesichts der antisemitischen Angriffe und wenn Hass und Intoleranz ihr hässliches Gesicht zeigen, können wir nicht still sein. Die Botschaft dieser Kampagne ist eine Botschaft der Hoffnung, dass wir zusammen das Licht bringen können für eine hellere Zukunft.“

Im Zentrum der Aktion standen die Synagoge von Frankfurt – eine von wenigen Synagogen in Deutschland, die unversehrt geblieben sei – sowie die Kathedrale von Coventry, die von den Nationalsozialisten zerbombt wurde. Maßgeblich sei auch eine Moschee in New York beteiligt gewesen. Um welche Moschee es sich genau handelt, gaben die Veranstalter nicht an.

Die Organisation „March of the Living“ veranstaltet seit 1988 am Holocaust-Gedenktag einen „Marsch der Lebenden“, der Menschen aus aller Welt Gelegenheit bietet, der Opfer des Holocaust zu gedenken. An dem Marsch zwischen Auschwitz und Birkenau haben nach Angaben der Veranstalter bisher mehr als 300.000 Menschen aus 52 Ländern teilgenommen.

Von: mh

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