Drohnen stellen eine immer größere Bedrohung dar. Sie sind leicht zu erwerben, die Kosten liegen oftmals bei nur wenigen Hundert Euro. Mit ein wenig technischem Know-how können sie in tödliche Waffen umgebaut werden.
Seit längerem setzen auch Terroristen handelsübliche Drohnen für ihre Anschläge ein. Bereits im Jahr 2015 etwa wurde radioaktives Material mit einer Drohne auf das Dach des japanischen Premierministeramtes transportiert. Die Terror-Gruppe „Al-Qaida“ versuchte bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, Anschläge mit Drohnen auszuführen. Auch die Organisation „Boko Haram“ hat vor fast zehn Jahren Drohnen zur Überwachung verwendet, um Informationen über militärische und zivile Ziele zu sammeln.
Beim Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 setzten die Terroristen modifizierte Drohnen ein, um schreckliche Propagandavideos zu erstellen, Grenzschutzsysteme auszuschalten oder mit ferngesteuerten Maschinengewehren Menschen zu töten. Die ukrainischen Streitkräfte nutzen im Krieg mit Russland Drohnen zur Aufklärung und Artillerielenkung und haben nach eigenen Angaben zudem das militärische Potenzial von Konsumentendrohnen demonstriert.
Übernahme der Kontrolle über Drohnen
Die Technologie des israelischen Unternehmens „Sentrycs“ ist zur Sicherung kritischer Infrastrukturen wie Flughäfen und Militärbasen bereits in über 25 Ländern im Einsatz. Sie basiert auf einer Technik, die als „Cyber-over-RF-Technologie“ (CoRF) bezeichnet wird. Einfach ausgedrückt beschreibt das die Methode, Cyber-Angriffe über Funkwellen direkt in ein Zielsystem einzuspielen.
Die Technik nutzt Funkschnittstellen eines Geräts als Einfallstor, also WLAN, Bluetooth, Satellitenkommunikation, Mobilfunk oder spezialisierte militärische Funkfrequenzen. Im Prinzip sendet der Angreifer Funkwellen, die eine Schwachstelle im Funk-Chipsatz oder im Treiber des Zielgeräts ausnutzen sollen. Funktioniert die Übernahme, kann er Befehle ausführen und die Kontrolle über die Drohne übernehmen.
Dies ermöglicht die Erkennung und Verfolgung unautorisierter Drohnen sowie gezielte Abwehrmaßnahmen. Das System erlaubt es den Nutzern, die Steuerung der unbekannten Drohnen zu übernehmen, um sie sicher zu steuern und in dafür vorgesehenen Bereichen zu landen. Dabei kommen keine Störsender zum Einsatz oder kinetische Maßnahmen wie etwa das Abfangen durch Netze. Denn dies birgt die Gefahr, dass die Drohnen unkontrolliert abstürzen. Das mache die Technik interessant für den Einsatz in dicht besiedelten Gebieten oder an stark frequentierten Veranstaltungsorten.
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Die „Sentrycs“-Systeme sollen laut dem israelischen Wirtschaftsmagazin „Globes“ bereits im Vorfeld der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft an allen 16 Austragungsorten des Großturniers eingesetzt werden, um die Sicherheit von Millionen von Zuschauern in Stadien, Fanzonen und an anderen Veranstaltungsorten zu gewährleisten.
Sicherheit in Gefängnissen und bei Großveranstaltungen
Die Technologie des Unternehmens mit Sitz in Tel Aviv ist unter anderem bei der Sicherheit von Gefängnissen im Einsatz. Hier wird sie eingesetzt gegen Drohnen, die Drogen, Waffen oder Handys schmuggeln. Des Weiteren ermöglicht sie die schnelle Erkennung, Verfolgung und Abwehr von Drohnen in Grenzregionen.
Als weiteres Einsatzgebiet nennt die Firma die Sicherung von Großveranstaltungen vor unbefugten Drohnenangriffen. Details zur Verfahrensweise der Technologie macht das Unternehmen aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Es heißt lediglich, es arbeite vollkommen autonom und benötige keine ständige Überwachung, auch eine Sichtverbindung sei nicht nötig.
Das Unternehmen teilt mit: „Jüngste Vorfälle wie der Attentatsversuch gegen den venezolanischen Präsidenten und Drohneneinsätze während der Fußball-Europameisterschaft in Belgrad verdeutlichen die Risiken. Hochkarätige Veranstaltungen wie die Olympischen Spiele, Hochzeiten im Freien, Beerdigungen und Konzerte sind potenzielle Ziele.“
Das „Sentrycs“-System werde auf einem Stativ an einem strategischen Aussichtspunkt, etwa auf einem Dach mit Blick auf den Veranstaltungsort, installiert. Das System sei innerhalb weniger Minuten betriebsbereit. Auch die präzise Geolokalisierung der Drohnenpiloten sei möglich, selbst derjenigen, die außerhalb des Veranstaltungsbereichs starteten.
Von amerikanischem Unternehmen übernommen
Im November hat das US-amerikanische Unternehmen „Ondas“ das israelische Unternehmen „Sentrycs“ aufgekauf. Die Technologie zur Drohnenabwehr könnte etwa während der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko im Juni und Juli 2026 helfen, Drohnenangriffe abzuwehren.
„Wir beobachten eine steigende Nachfrage nach integrierten, mehrschichtigen Sicherheitslösungen, die sowohl Bedrohungen aus der Luft als auch vom Boden aus abwehren“, sagte Oshri Lugassy, Co-Direktor von „Ondas Autonomous Systems“.
„Ondas“ ist ein führender Anbieter von autonomen Drohnen. Die Kunden stammen nach eigenen Angaben aus den Bereichen Bahn, Energie, öffentliche Sicherheit, kritische Infrastrukturen und Regierungen.