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Israelische Pioniere bei der Fackelzeremonie

Die Fackelzeremonie am 75. Unabhängigkeitstag zeigt: Israelische Pioniere sind vielfältig. In besonderer Weise berührt ein Mobbing-Opfer mit einer Botschaft an alle Leidensgenossen das Publikum.
Von Israelnetz

JERUSALEM (inn) – Aufrufe zur Einheit haben am Dienstagabend die zentrale Auftaktzeremonie zum 75. israelischen Unabhängigkeitstag geprägt. Dass sie trotz aller Zerrissenheit möglich ist, zeigten vier Israelis, die jeweils zu zweit eine der zwölf Fackeln entzündeten. Diese stehen für die biblischen Stämme Israels. Thema der Zeremonie auf dem Jerusalemer Herzlberg war im Jubiläumsjahr der Pioniergeist.

Avraham Rivkind und Chetam Hussein verbindet der unermüdliche Einsatz für ihre Patienten. Der Jude hat Pionierarbeit auf dem Gebiet der Traumatherapie geleistet. Seine Kollegin schloss als erste Drusin eine Ausbildung am renommierten Hadassa-Krankenhaus im Jerusalemer Stadtteil Ein Kerem ab. Die Spezialistin für Infektionskrankheiten arbeitet am Rambam-Krankenhaus in Haifa und wurde zur stellvertretenden Direktorin der Klinik in der nordisraelischen Küstenstadt Naharia ernannt.

Die beiden Ärzte widmeten ihre Fackel den Kollegen, den Rettungskräften und dem Personal in den Krankenhäusern. Sie betonten die so wichtige persönliche Beziehung zwischen Pfleger und Gepflegtem sowie die Heiligkeit des menschlichen Lebens.

Ebenfalls gemeinsam traten der Älteste und die Jüngste bei der Fackelzeremonie auf: der 91-jährige Rabbi Zalach Eliahu und die 17-jährige Re’ut Amichai. Als er etwa so alt war wie sie jetzt, wanderte er ohne seine Familie aus Kurdistan ein. Er hat zahlreiche Gedichte zu Ehren Israels geschrieben. Re’ut arbeitet seit über vier Jahren im Negev ehrenamtlich in der Landwirtschaft – und versucht bei der Organisation „HaSchomer HaChadasch“ (Der neue Wächter), jungen Menschen die Liebe zu dieser Arbeit weiterzugeben.

Ihre Fackel entzündeten die beiden zu Ehren der Zehntausenden Freiwilligen, der landwirtschaftlichen Jugend und der alten Landwirte. Rabbi Eliahu würdigte auch seine Familie: Er habe 13 Kinder, 51 Enkel und 60 Urenkel, freute sich der 91-Jährige. Wer ihren Umgang miteinander erlebte, hätte die beiden auch für Großvater und Enkelin halten können. Doch das Verbindende ist die Liebe zum Staat Israel.

Betroffene an Mobbing-Opfer: „Ihr seid wunderbar“

Einen besonderen Applaus für ihren Mut erhielt Ofek Rischon. Sie wurde vom 1. bis zum 6. Schuljahr aus der Klassengemeinschaft ausgeschlossen – in Israel dauert die Grundschule sechs Jahre. Ihre Fackel entzündete sie im Namen aller Kinder, die ebenfalls einen solchen Alptraum erleben. „Die das Gefühl haben, keinen Boden unter den Füßen zu haben. Die keine Einladungen erhalten und deren Anrufe nicht beantwortet werden.“

Die junge Frau versicherte den Mobbing-Opfern von der Bühne aus: „Es ist nicht eure Schuld.“ Sie rief ihnen sichtlich bewegt zu: „Ihr seid wunderbar, und ich umarme euch!“ Und sie würdigte die Familien, die sie und ihre Leidensgenossen in den schwersten Momenten daran erinnerten, „dass wir etwas wert sind“. Ofek Rischon hilft heute selbst Schülern, die von Mobbing betroffen sind. „Ohne meine Familie wäre ich jetzt nicht hier“, sagte sie dankbar.

Foto: GPO, Screenshot Israelnetz
„Ihr seid wunderbar und ich umarme euch. Hört auf den Applaus!“, rief Ofek Rischon den anderen Mobbing-Opfern zu

Avigdor Kahalani wurde 1967 im Sechs-Tage-Krieg verletzt und erhielt im Jom-Kippur-Krieg von 1973 eine Auszeichnung. Heute leitet er Jugendliche im Militär an. Der ehemalige Sicherheitsminister widmete seine Fackel den Kämpfern der Scho’ah sowie den Versehrten der israelischen Armee und den trauernden Familien, die bei bewaffneten Auseinandersetzungen und Anschlägen Angehörige verloren haben.

Sivan Ja’ari war vor etwa 20 Jahren zum ersten Mal in Afrika und erkannte, dass sie dort viele Leben retten konnte. Sie gründete die Organisation „Innovation: Africa“. Diese bringt neue Technologien in entlegene Gebiete. Mit ihrer Fackel würdigte sie die Vision von Theodor Herzl, dem Begründer des politischen Zionismus. Sie freute sich über die israelische Innovation, mit der Blinde sehen und viele Menschen zum ersten Mal sauberes Wasser trinken könnten.

Biblische Prophetie verwirklicht

Eine weitere Pionierin ist die Winzerin Vered Ben-Sa’adon. Sie habe verwirklicht, was der Prophet Jeremia vor 2.500 Jahren versprochen habe, hieß es in der Anmoderation: Weinanbau in Samaria. Ihre Fackel entzündete sie zu Ehren der Landwirte in ganz Israel, die vor Sonnenaufgang aufstehen. Zudem nannte sie ihre „Geschwister in Judäa und Samaria“, die Winzerbranche und den israelischen Wein, „der Herzen erfreut“.

Die jüdische Diaspora vertrat der Kanadier Sylvan Adams, der abwechselnd in seiner nordamerikanischen Heimat und in Israel lebt. Er klärt international über Zionismus auf, unter anderem durch Sport und Musik. Die Fackel widmete er den „wunderbaren Menschen“ im Staat Israel. „Auch wenn wir diskutieren, sind wir vereint“, sagte er. Adams ehrte auch Menschen, die der Welt „die wahre Geschichte von Israel“ erzählten – nämlich, dass es ein tolerantes, pluralistisches Land sei.

Nina Avidar Weiner vermittelt mit ihrer 1977 gegründeten Stiftung ISEF jungen Einwanderern eine Ausbildung, wenn sie selbst keine Möglichkeit dafür haben. Die 89-Jährige entzündete ihre Fackel zu Ehren der Kinder der israelischen Peripherie und merkte an: „Sie brauchen jemanden, der an sie glaubt und sie auf den richtigen Weg führt.“ Der Staat sei auf Wundern afufgebaut worden. Nun müsse er ein Wunder für diese Kinder werden.

Der Schauspieler und Comedian Schalom Assajag zeigt in seinem kulturellen Schaffen die Verbundenheit mit der israelischen Heimat. Vor dem Entzünden der Fackel erwähnte er seine aus Marokko eingewanderten Eltern. Er würdigte die Kulturwelt, deren wichtigste Aufgabe es sei, Menschen zu vereinen – und „dem Humor, der Schmerz heilt“.

In den Gazastreifen verschleppte Geisel erwähnt

Jehudit Negossa bereitet Jugendliche mit problematischem Hintergrund auf die Armee vor und stärkt ihr Selbstvertrauen. Ihre Initiative nennt sich „Chance auf Veränderung“. Die Fackel widmete sie ihren aus Äthiopien eingewanderten Eltern und den Teilnehmern ihres Projektes. Diese bezeichnete sie als „tapfere junge Leute, die Grenzen und Hindernisse durchbrechen“. Ferner sprach sie für den in den Gazastreifen verschleppten Zivilisten Avera Mengistu und alle Geiseln.

Seinen vollen Namen durfte Oberleutnant D. aus Sicherheitsgründen ebensowenig preisgeben wie sein Gesicht. Denn er ist Kommandeur der Duvdevan-Einheit, wo er Soldaten trainiert und Operationen leitet. Die Fackel entzündete der Vater von sechs Kindern für seine Eltern, die in jungem Alter nach Israel eingewandert waren, und seine Familie. Zudem würdigte er die Soldaten als „Helden“. Sie hätten eine gemeinsame Mission: Israel zu verteidigen.

Der ehemalige Basketballspieler und -trainer David Blatt hatte ebenfalls die Ehre, eine der Fackeln zu entzünden. Er widmete sie dem Staat Israel, der ihm als Neueinwanderer aus den USA ein Zuhause gegeben habe. Zudem würdigte er die „wunderbare Familie des israelischen Sports“. Blatt ergänzte, in einem anderen Kontext habe er in jüngster Zeit ebenfalls neue Geschwister gefunden: beim Kampf gegen Multiple Sklerose: „Jeder Tag ist ein Kampf. Jeder Tag ist ein Geschenk. Wir werden nie aufgeben“, sagte die Sportlegende unter großem Beifall.

Knessetsprecher: Kein anderes Land und kein anderes Volk

Im israelischen Kalender geht der Gedenktag für die Gefallenen, Jom HaSikaron, am Abend nahtlos in den Jom HaAtzma’ut über. Knessetsprecher Amir Ochana (Likud) griff in seiner Ansprache zum Auftakt der Zeremonie das Gedenken an Gefallene und Terror-Opfer noch einmal auf. „Ohne sie hätten wir keinen Staat“, sagte er mit Bezug auf die israelischen Soldaten.

Generationen von Juden hätten den Wunsch geäußert: „Nächstes Jahr in Jerusalem“. Nun sei der Traum verwirklicht. Sie seien nach Jerusalem zurückgekehrt – „diesmal, um es nie mehr zu verlassen“. Die Pioniere hätten gegen viele Feinde gekämpft. Die heutigen Israelis müssten ihren Weg fortsetzen. Auch hätten die Pioniere verstanden, dass es bei allen Auseinandersetzungen etwas gebe, das stärker sei „als die Kräfte, die uns trennen“: „Wir haben kein anderes Land und kein anderes Volk.“

In den Kriegen hätten Israelis immer das Gebet in sich getragen: „Der Frieden schafft in Seiner Höhe, Er schaffe Frieden über uns und über ganz Israel.“ Zwei Geschwisterpaare seien in den vergangenen Wochen durch Anschläge getötet worden, ein weiteres durch eine Katastrophe. Eines der Opfer, Ma’ajan Assor, habe kurz vor dem Tod geschrieben: „Wann werden wir verstehen, dass wir alle Geschwister sind?“ Ochana sagte, er bete, „dass wir es verstehen“. Ma’ajan und ihr Bruder Sahar waren Anfang April nach einer Sturzflut in Südisrael ertrunken.

Der Knessetsprecher, dessen Eltern aus Marokko stammen, entzündete entsprechend der Tradition ebenfalls eine Fackel. Sie stehe für alle Einwanderer und für die Knesset, „das Symbol der israelischen Demokratie“. Zudem nannte Ochana die Soldaten, Polizisten und Sicherheitskräfte. Sie verwirklichten den nach der Scho’ah geschworenen Eid: „Nie wieder“.

Netanjahu: Diskussionen bereits beim Exodus

Dass der Regierungschef bei der von der Knesset organisierten Zeremonie auf dem Herzlberg spricht, ist nicht vorgesehen. Benjamin Netanjahu (Likud) brachte sich aber mit einer Video-Grußbotschaft ein. Darin lobte er Israels historische Friedensabkommen und betonte die Bedeutung der Einheit. Wenn Israelis gemeinsam schritten, seien Wunder möglich.

Schon beim Auszug aus Ägypten hätten die Israeliten darüber diskutiert, ob sie rechts oder links abbiegen sollten. Doch die Israelis seien ein Volk und ein Staat, fügte der Premierminister hinzu. „Auch wenn wir von ganzem Herzen diskutieren, geschieht es aus Liebe zu unserem Land.“

Foto: GPO, Screenshot Israelnetz
Auch das Raketenabwehrsystem Iron Dome gehörte zur Choreographie

Zum Abschluss der offiziellen Zeremonie traten Fahnenträger von Armee und Sicherheitskräften auf. In einer durchdachten Choreographie stellten Soldaten und Polizisten Symbole und Wörter dar. Da war etwa „Pioniergeist“ oder „Bereschit“ zu lesen. Letzteres bedeutet „Im Anfang“ und ist die hebräische Bezeichnung des 1. Buches Mose. Ein Traktor als Zeichen für die Landwirtschaft, eine Menora, die Zahl 75 und eine israelische Flagge auf einem Berg gestalteten die Sicherheitskräfte als Figuren. (eh)

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