Israel gedenkt der Terror-Opfer von München 1972

Zum 50. Jahrestag des Massakers von München 1972 nach dem jüdischen Kalender gedenkt Israel der Opfer. IOC-Präsident Bach bittet die Hinterbliebenen um Entschuldigung für die langjährige Blockade des Gedenkens.
Von Israelnetz
Der israelische Präsident Herzog bei einer Gedenkveranstaltung zu München 1972

Foto: Jitzchak Herzog, Facebook

Der israelische Präsident Herzog zog eine Parallele zwischen dem palästinensischem Terror von München 1972 und aktuellen Anschlägen

TEL AVIV (inn) – Israel hat am Mittwoch des Terroranschlags bei den Olympischen Spielen 1972 in München gedacht. An der Veranstaltung in Tel Aviv zum 50. Jahrestag nach dem jüdischen Datum (25. Elul) nahmen auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, sowie die Opferfamilien teil.

Staatspräsident Jitzchak Herzog sagte, die elf ermordeten Mitglieder des israelischen Teams seien im Geist des Sports und der Brüderlichkeit zu den Spielen nach Deutschland gereist. „Sie wurden brutal und kaltblütig ermordet durch eine palästinensische Terror-Organisation, nur weil sie Juden waren; nur weil sie Israelis waren.“ Das Gedenken an sie verlange das Bekenntnis zum entschiedenen Kampf gegen Terror.

Parallelen in der Gegenwart

Der Anschlag sei zwar ein nationales Desaster gewesen, doch zugleich eine globale Tragödie. Dies zeige der Kampf der Angehörigen um Erinnerung und Gerechtigkeit. Herzog dankte IOC-Präsident Bach für seinen Einsatz dafür, „dass die Welt das Massaker von München nie vergisst“. Zugleich rief Herzog das Komitee auf, das Gedenken an die elf Athleten zu einem festen Bestandteil zukünftiger Spiele zu machen.

Der israelische Präsident ging auch auf den Terroranschlag vom Dienstag ein, bei dem eine jüdische Frau durch einen Palästinenser ermordet wurde. Es handele sich hier um den „selben blinden, schrecklichen Hass, den wir nicht gewinnen lassen werden“. Der Präsident kondolierte den Angehörigen.

Bach: Einer der dunkelsten Momente bei Olympia

Bach bezeichnete den Anschlag in seiner Rede als „einen der dunkelsten Momente in der Geschichte der Olympischen Spiele“. Er bat die Opferfamilien um Entschuldigung für die vielen Jahre, die das IOC brauchte, um der Israelis „würdevoll“ zu gedenken. „Dieser Schmerz und diese Qual tun mir wirklich leid.“

Vor der Veranstaltung besuchte der IOC-Präsident die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Ins Gästebuch schrieb er: „Worte können den unaussprechlichen Schrecken der Schoa nicht fassen. Hier in Yad Vashem bekräftige ich feierlich den Einsatz der gesamten olympischen Bewegung gegen Diskriminierung und für Frieden.“

Graduelles Gedenken

Bach amtiert seit 2013 als Präsident des IOC. In der Regel hatte bis dahin die jeweilige israelische Botschaft ein Gedenken organisiert. Für die Spiele in London 2012 zum 40. Jahrestag schloss der damalige IOC-Präsident Jacques Rogge ein Gedenken bei der Eröffnungszeremonie aus; er gedachte der ermordeten Israelis aber im Vorfeld bei einer Veranstaltung zum Olympischen Frieden.

Bei den Spielen Rio de Janeiro im Jahr 2016 gab es erstmals einen „Platz der Trauer“. Das IOC veranstaltete dort im Vorfeld der Spiele und zum Abschluss ein Gedenken für Menschen, die während Olympischer Spiele ums Leben gekommen sind. Neben den elf Israelis zählen dazu ein deutscher Polizeibeamter, der 1972 ebenfalls umkam, zwei Opfer infolge des Terroranschlags in Atlanta 1996 sowie der georgische Rodler Nodar Kumaitshvili, der 2010 in Vancouver bei einem Trainingsunfall starb. Bei den Spielen in Tokio im Jahr 2021 wurde dieser Menschen erstmals während der Eröffnungszeremonie gedacht.

Bereits Anfang September waren Bach und Herzog bei einer Gedenkveranstaltung in Deutschland anlässlich des 40. Jahrestages nach westlichem Datum zugegen. Die Opferfamilien nahmen daran teil, nachdem sie sich mit Deutschland auf eine Entschädigung in Höhe von 28 Millionen Euro geeinigt hatten. (df)

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