JERUSALEM (inn) – Elf palästinensische Familien sind am Mittwoch aus ihren Häusern in Ostjerusalem ausgewiesen worden. Die Grundstücke waren vor der israelischen Staatsgründung in jüdischem Besitz. Mit der Räumung wurde ein Entscheid des Obersten Gerichtes zum Stadtteil Silwan aus dem vergangenen Jahr umgesetzt, wie die Nachrichtenseite „Times of Israel“ berichtet.
Grundlage ist ein israelisches Gesetz aus dem Jahr 1970. Es ermöglicht Besitzern, die ihr Eigentum in Ostjerusalem im Krieg von 1948 verloren haben, dies beim Staat zurückzuklagen beziehungsweise entsprechend entschädigt zu werden. Häufig haben einzelne Familien nicht die Nerven, Motivation oder das nötige Geld für einen solchen Rechtsstreit. Dann verkaufen sie ihre Rechte an jüdische Organisationen, die die Klage im Namen der ursprünglichen Besitzer führen.
Für Besitzer von Eigentum in Westjerusalem gilt das Gesetz von 1970 jedoch nicht: Wer 1948 sein Land auf israelischem Territorium verließ, hat sein Eigentumsrecht verwirkt – dies ist einem Gesetz von 1950 festgeschrieben. Die Verfasser dieser Gesetze hatten in erster Linie leerstehende Gebäude vor Augen.
Eigentumsrechte an Stiftung übergeben
Im vorliegenden Fall hatten die Interessenten die Eigentumsrechte an die rechtsgerichtete jüdische Stiftung „Ateret Cohanim“ übergeben. Diese will die jüdische Präsenz im Osten stärken, sie wandte sich an das Gericht. Die Berufung der palästinensischen Familien wurde Ende 2025 abgelehnt. Es gibt dazu mehrere Gerichtsentscheide, die sich auf insgesamt 157 arabische Bewohner beziehen.
Josef Basbus beklagte laut der israelischen Organisation „Frieden Jetzt“: „Unsere Familie wurde 1948 vertrieben und auf Flüchtlingslager im Westjordanland verteilt. Ich kam mit meinen Eltern vor mehr als 60 Jahren nach Silwan. Ich habe dieses Haus Stein für Stein, Ziegel für Ziegel, Nagel für Nagel erbaut.“ Die Polizei sage, sie setze die Gerichtsentscheide im Einklang mit dem Gesetz um, fügte der Palästinenser hinzu. „Aber was für ein Gesetz ist das, das mich vertreiben kann, der ich seit mehr als 60 Jahren hier bin?“
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Dabei haben israelische Gerichte in der Vergangenheit auch schon verfügt, dass Palästinenser ihre Häuser in Silwan rechtmäßig erworben haben. Doch in diesem Fall war eine Urkunde vom Ende des 19. Jahrhunderts ausschlaggebend. Demnach befanden sich die Grundstücke im Besitz des „Benvenisti Trust“, einer jüdischen Stiftung. Anfang der 2000er Jahre übernahm „Ateret Cohanim“ die Treuhandschaft.
Dokumente aus der osmanischen Zeit zeigen, dass Juden aus dem Jemen auf dem Land gelebt haben. Während der arabischen Aufstände gegen die jüdische Präsenz im damaligen Mandatsgebiet Palästina, zwischen 1929 und 1936, wurden sie vertrieben.
Kritik von israelischen Organisationen
Linksgerichtete israelische Organisationen kritisierten die Ausweisung der Palästinenser. „Frieden Jetzt“ sprach von einer „ethnischen Säuberung“: „Die Regierung und ein diskriminierendes Rechtssystem vertreiben eine ganze palästinensische Gemeinde“ und ersetzten sie durch jüdische Nationalisten. „Das passiert 2026 in Jerusalem, und es ist ein Fleck, der nicht von Israel gelöscht wird.“
Die Organisation „B’Tselem“ äußerte sich ähnlich. Sie sprach vom „Beginn einer langen Vertreibungswelle, die rund 2.200 Menschen in Silwan betrifft, die unmittelbar von Zwangsräumung bedroht sind“. Dazu gehörten 90 Familien im nun betroffenen Gebiet Batan al-Hawa, also etwa 700 Menschen.
In Silwan leben demnach etwa 50.000 Palästinenser sowie ein paar hundert jüdische Aktivisten. Diese kennzeichnen ihre Häuser oft mit blauen Davidsternen aus Metall.
„B’Tselem“ weist darauf hin, dass Silwan nicht fern von der Jerusalemer Altstadt liegt: Seine geographische Lage „nahe der Al-Aqsa-Moschee für Palästinenser und nahe des Tempelberges für Juden stellt es an die vorderste Front der Kampagne des israelischen Regimes zur Enteignung und Vertreibung in Jerusalem, als Teil eines größeren Planes, das Gebiet von palästinensischen Bewohnern zu säubern und die Viertel um die Altstadt zu säubern“. (eh)
46 Kommentare
Und Foristen hier wollen mir klar machen, es gäbe keine ethnische Säuberung. In Israel hätten Araber das gleiche Recht wie Israelis.
@ Blub
Israel und die Juden sind an allem schuld. Der Mossad ermordet Tausende Araber täglich. Die Araber sind friedliebend und reine Demokraten.
Mit der Räumung wurde ein Entscheid des Obersten Gerichtes aus dem vergangenen Jahr umgesetzt. Das oberste Gericht ist ein gutes Gericht.
@Blub
Den ganzen Artikel gelesen? Oder nur die Abschnitte, die zu deinem gewohnten Israelhass passen?
Wie haben wir’s mit „Dokumente aus der osmanischen Zeit zeigen, dass Juden aus dem Jemen auf dem Land gelebt haben. Während der arabischen Aufstände gegen die jüdische Präsenz im damaligen Mandatsgebiet Palästina, zwischen 1929 und 1936, wurden sie vertrieben.“
Nur so, als Beispiel…
Und was „B’Tselem“ und „Frieden Jetzt“ betrifft – bei denen frage ich mich ernsthaft, was sie eigentlich in Israel wollen. Sie arbeiten nur gegen ihr Land, eine Schande.
@Efronit
Blub hat bestimmt nicht die besten Universitäten besucht, daher seine provokanten Thesen. Ist das eine Schande? Meine Ehefrau sagt Nein. Das ist einfach Meinungsfreiheit.
@AlbertNola
Wenn ich „Schande“ schrieb, betrifft das ja gar nicht Blub, sondern das Verhalten von „B’Tselem“ und „Frieden Jetzt“.
Ich meinte, klar geschrieben zu haben.
Was Blub betrifft, meine ich auch, er musste sich mit der zweitbesten Universität begnügen 😉
Im großen und ganzen ist es auch so, aber es gibt gerade aus der Zeit der arabischen Aufstände einige grenzwertige Fälle, die man, anstatt sie irgendeiner Stiftung zu überlassen, besser ausser den ordentlichen Gerichten auch einer internationalen Jury zur Sichtung und Beurteilung übertragen hätte.
So oder so hat das ganze ein etwas unkoscheres Geschmäckle.
Da wäre zum Beispiel die Schweizer die das Geld den ermordeten Juden nicht rausrücken. Oder div. Kunstbesitz der bei Juden geraubt wurde. Wie währe das alles an Gerichte weiterleiten. Oder Besitz in Osteuropa der mint Center abgespeist wurde.Ach Entschuldigung für Juden gelten
andere Maßstäbe. Das hat auch ein geschmackle
Ohne mich Blub an seine Seite stellen zu wollen, öffnen diese Siedler und Kriminellen jedem Feind Israels eine offene Flanke, den gesamten Staat als Terrorregime hinzustellen. Denn Terror ist es tatsächlich, was einige Siedler und auch Ultraorthodoxe verbreiten.
Als Rechtsstaat wäre Israel sehr gut beraten, solche illegalen Landnahmen, verbunden mit Mord und Körperverletzung zu unterbinden.
@Gideon Lahav
Vermutlich bin ich viel zu unbedarft, um zu verstehen, was Ihr Kommentar mit dem Inhalt des von Frau Hausen verfassten Israelnetz-Berichts (siehe oben) zu tun haben könnte. Ich sehe keinerlei Zusammenhang.
Sie reden von „Kriminellen“, vom „gesamten Staat als Terrorregime“, von „illegalen Landnahmen“[im Plural!], von „Mord und Körperverletzung“. – Bei allem Respekt, eine derartige Sprache erinnert mich an die eines (Links-)Extremisten.
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Das Oberste Gericht eines Rechtsstaats hat entschieden. Die Gesetzeslage ist eindeutig, Der rechtlich bindende Entscheid wird umgesetzt. Ihnen missfällt das. Warum auch nicht? – Wieso aber erwähnen Sie den Entscheid des Obersten Gerichts (basierend auf einem einschlägigen Gesetz von 1970) in Ihrem Kommentar mit keiner Silbe? Er, der Entscheid, ist doch die (rechtliche) Grundlage für das, was sich daraufhin ereignet. Oder nicht?
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Mir drängt sich der Gedanke auf, für Sie seien diejenigen israelischen Staatsbürger, die es wagen, sich künftig im Jerusalemer Stadtteil Silwan anzusiedeln, von vornherein mit Kriminellen oder gar Terroristen gleichzusetzen. (Ich hoffe, ich irre mich.)
Dabei halten sich diese Israelis doch schlicht und einfach an Recht und Gesetz. – Aber vielleicht ist es Ihre
Meinung, der östliche Teil Jerusalems sei ja die (künftige?) Hauptstadt eines anderen Staates als Israel?
Hallo Alida, meinen sie dass Gesetz über rechtliche und administrative Angelegenheiten von 1970?
Nach dem Gesetz von 1970 müssen diese an die ursprünglichen Eigentümer bzw. deren Rechtsnachfolger (in diesem Fall die Siedlerorganisation Ateret Cohanim) zurückgegeben werden.
(Sie reden von „Kriminellen“, vom „gesamten Staat als Terrorregime“, von „illegalen Landnahmen“[im Plural!], von „Mord und Körperverletzung“).
Ich wiederhole, diese Siedler und Kriminellen öffnen jedem Feind Israels eine offene Flanke, den gesamten Staat als Terrorregime hinzustellen. Wenn der israelische Staat dagegen nicht vorgeht, wird er in Summe jeglichen Kredit verlieren und damit seiner Auslöschung eher wahrscheinlicher machen.
Wieder ein Beispiel von der unglaublichen Dummheit, wenn Menschen religiös bzw. ideologisch motiviert sind. Denn ein Weiterso wird nie einen (wenn auch wackeligen) Frieden bringen. Leute, die Israel hassen, gibt es schon genug.
Israel sollte sich keine neuen davon heranziehen.
(Aber vielleicht ist es Ihre
Meinung, der östliche Teil Jerusalems sei ja die (künftige?) Hauptstadt eines anderen Staates als Israel?)
Ich betrachte Jerusalem als ungeteilte Hauptstadt Israels, Jerusalem ist das Zentrum des jüdischen Glaubens. König David machte sie vor rund 3.000 Jahren zur Hauptstadt, und König Salomon baute dort den ersten Tempel. Die Klagemauer ist als Überrest des zweiten Tempels der heiligste Ort für jüdische Gebete.
Hoffe nur dass du etwas Verständnis für mich hast.
@Gideon Lahav
Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich verstehe Sie um einiges besser. Es wird unter anderem an meiner mangelnden Lebenserfahrung liegen, auch an meinen lückenhaften Kenntnissen, dass mir manches, was Sie schreiben, widersprüchlich vorkommt.
Wahrscheinlich ist es respektlos und unsinnig, jemanden gleichsam einer bestimmten Richtung zuordnen zu wollen . . .
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OT: Meine Freundin z.B. findet vieles, was ich sage, ungereimt. Sie sagt, einmal erschiene es ihr so, als befürwortete ich seit Oktober 2023 die stille „Eingemeindung“ der Westbank in den israelischen Staat. Sie findet es auch merkwürdig, dass ich den Begriff „Siedler“ nur ungern verwende, sondern behaupte, da gäbe es doch praktisch eine Reihe von israelischen Städten in der Westbank. Gleichzeitig aber hielte ich eine unabhängige Untersuchung der Rolle Netanjahus vor dem Oktober 2023 für längst überfällig, denn er habe versagt (um es sehr vorsichtig auszudrücken) . . .
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@Gideon, es ist für mich eine große Freude zu lesen, was Sie zu Jerusalem, der ungeteilten Hauptstadt Israels, schreiben. – Und ich hatte gehofft, (auch) Jerusalem im nächsten Monat wiederzusehen . . .
Alida, der gute Gideon sagt auch nur mit anderen Worten und, so will es scheinen mit etwas anderem Fokus das gleiche, was meine Wenigkeit mit dem wiedererrichteten Israel sagt, wir berücksichtigen in unserer Beurteilung auch die Fehler der Regierung des von uns geliebten Landes.
Dies unterscheidet auch einen Juden von vielen semitophilen und gutmeinenden Freunden, von denen aber einige leider überhaupt keine Kritik an der Staatsführung zulassen, was ein Fehler ist, denn es entbehrt der nötigen Objektivität, den richtigen Blick auf dieses Land zu wahren.
SHALOM SAMEACH SEDER VE PESSACH
(Entschuldigung für mein mieses Ivrit,
ist derzeit nur rudimentär vorhanden, wird sich aber ändern nach meiner Aliya)
Was würde Jesus tun?
Ich verstehe beide Lager irgendwie. Es ist ein Drama sein eigenes Heim aufgeben zu müssen. Ich leide mit diesen Menschen, die ihr Herzblut hinein gesteckt haben, dort war ihr Leben! Ich frage mich, wohin sie nun gehen sollen, hat der Staat Israel eine gute Ersatz-Lösung? Man kann ja nicht einfach Menschen raus schmeißen und sie zusehen lassen, wo sie bleiben.
Andererseits verstehe ich auch, das, bevor diese Menschen dort ihr Leben aufbauten, sie es auf Grundbesitz aufbauten, der nicht ihnen gehörte.
Juden wurden vertrieben, Fremde nahmen ihr Land in Besitz.
Das alles hat aber nichts damit zu tun, das Juden und israelische Palästinenser in Israel nicht grundsätzlich die gleichen Rechte hätten. Denn das ist weiterhin so. Man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Hier ging es um eine klare Regelung dieser Gebiete. Ob man das zwangsweise so hätte tun müssen, ist fraglich.
Grundsätzlich verstehe ich Gottes Wort so, das Juden wieder in ihrem Land leben sollen, das ihre Siedlungen und Städte von Gott aus gesehen die logische Schlussfolgerung für die Rückkehr der Juden in ihr Land sind. Aber wie man mit seinen Nachbarn umgeht ist vielleicht noch ein größerer Knackpunkt.
@Astrid
Wie die Nachbarn mit Israel umgehen ist wirklich ein großer Knackpunkt, denn diese Nachbarn haben nie friedliche Absichten gehabt. Unsere Nachbarn (aus Ligurien, Umbrien, Latium) hier in der Toscana sind im Vergleich überaus friedlich.
Shalom,-Blub@-Haben sie nicht richtig gelesen?Die Häuser gehörten früher Jüdischen Leuten die dort gewohnt haben.Ist mit Papieren bewiesen!!!Daher die Gerichtsentscheide.Müssen auch sie akzeptieren!!! Jerusalem
@Jerusalem
Warum soll er, wenn er nicht will? Sollen wir seine Meinung teilen? Nein.
@Jerusalem
Die Gerichte in Israel? Schon von sde Teiman gehört?
@Ludovico
Der Forist @Jerusalem weist Ihren Gesinnungsbruder @Blub auf Fakten hin. Und was fällt Ihnen dazu ein? Sie bedienen sich – und das nicht zum ersten Male – eines plumpen Tricks. Ein Trick, der z.B. von Arthur Schopenhauer in seinem Büchlein „Die Kunst, recht zu behalten“ als KUNSTGRIFF 29 beschrieben wird.
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Schopenhauer beginnt so:
„Merkt man, dass man geschlagen wird [. . . oder an Fakten desinteressiert ist, so ergänze ich, A.M.], so macht man eine Diversion, d.h. fängt mit einem Male von etwas ganz anderm an, als gehörte es zur Sache und wäre ein Argument gegen den Gegner. [. . .]“
Vollständiger Text ist im Internet leicht zugänglich. Die Lektüre sei Ihnen empfohlen.
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OT: Es ist immer wieder zu beobachten, dass Personen wie Sie und Ihr Verbündeter @Blub Schopenhauers Kunstgriff 29 anwenden.
Dazu ein Ratschlag:
Bemühen Sie sich bitte weiterhin im munteren Springen von einem selbstgewählten Thema zum andern als eine Art Beitrag in Ihrem Bemühen, den Zielen, Ansprüchen und Wünschen der Hamas, der Hisbollah, der Huthis, des Islamischen Djihad, der Gazaner, der arabischen Westbänkler, der Muslimbrüder, der Mullahs usw., usf. Gehör zu verschaffen.
Begriffe wie Ironie und Sarkasmus kommen Ihnen bekannt vor? Ich zweifle nicht daran.
Und was zum Teufel hat Sde Teiman mit der Frage der Besitzansprüche zu tun ?
Wieder mal der Fokus verrutscht ?
Frage an den Besserwisser Blub:
Wie sind die Araber (vulgo „Palästinenser“) eigentlich in Ostjerusalem an die ehemals jüdischen Häuser gekommen? War da was mit Jordanien?
Das Selbe gab es in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung auch. Die Besitzer flüchteten in den Westen und Andere vor Ort haben mit großen Anstrengungen die Gebäude instandgehalten und bewohnt und mussten dann nach vielleicht 30 Jahren raus, weil der Wessy Anspruch auf seine Eigentumsrechte anmeldete. Das gab da auch viel böses Blut. Andererseits wurden Juden auch oft von Ihrem Besitz Entschädigungslos vertrieben wo kein Hahn danach krähte, aber das ist ja was andres. Auch im Westjordanland lebten vor dem Unabhängigkeitskrieg viele Juden, auf die wurde auch keine Rücksicht genommen, oder mit der Völkerrechtskeule gewunken, nur mal zum Vergleich. Oder die Türkei und die Kurden, die wohnen ja auch schon lange dort und werden vertrieben, sogar im Nachbarland Syrien von einem Natomitglied, aber alles was Andres.
Also, ich finde die Ausweisung der Palästinenser aus den Häusern, die sie schon seit Jahrzehnten bewohnen, nicht richtig! Dass vor der Staatsgründung dort jüdische Familien gewohnt haben, rechtfertigt diese Zwangsräumung meiner Meinung nach nicht.
Israel hat alles Recht der Welt, sich gegen seine Feinde zu verteidigen, sei es die Hamas, die Hisbollah oder der Iran. Aber das hier, das ist ein unfassbares Unrecht in meinen Augen. Das rückt den Staat Israel in ein sehr schlechtes Licht. Das „riecht“ geradezu nach Diktatur.
Sabine, die Häuser wurden den Juden widerrechtlich weggenommen. Während der jordanischen Besatzung Ostjerusalems. Nutznießer waren Palästinenser. Sie kamen also widerrechtlich in den Besitz dieser Häuser. Was ist daran Diktatur, wenn diese Häuser geräumt werden? Oder wie Blub sagt: Immer schön bei den Fakten bleiben.
@Sabine
Die Palästinenser betrachten die Rückkehr in ihre Häuser und zu ihrem Eigentum, die sie mit der Gründung Israels 1948 verloren haben, als ihr Recht. Dazu gibt es sogar eine UN-Resolution.
Warum sollten dann Juden nicht das Recht haben, in ihre Häuser, auf ihr Land zurückzukehren, das ihnen gemäß der Beweise durch die Urkunde rechtmäßig gehört?
Sabine, sind Sie dann auch der Meinung, das die Palästinenser nach Haifa, Jaffa, Akko u.a. Städte über ganz Israel verteilt leben dürfen, denn da lebten sie im britischen Mandatsgebiet ja auch vor 1948?
Diese Rückkehrfrage ist der Punkt, an dem Frieden immer wieder scheitern wird, denn sonst müsste es einen Ein-Staat geben. Silwan gehört zu Jerusalem, zur David-Stadt. Und der Kampf um Jerusalem ist nicht neu, eine Stadt mit zwei Wirklichkeiten.
Sie haben dort nicht nur gewohnt, die Häuser gehörten ihnen. Es gab schon ein paar Hinweise auf andere Länder, da gab es gleiche Probleme. Und wenn Palästinenser Häuser zurückfordern, die sie im Krieg 1948/49 verlasen haben (teilweise auch vertrieben wurden – ja es gab beides) hat man kein Problem dies zu unterstützen. Was ist da der Unterschied, Sabine? Ich kann mich an Gerichtsverhandlungen erinnern, in den Palästinenser verlangten, das sie ein Haus zurück bekommen. Die Gerichte sagten eindeutig: weist nach, dass es euer Eigentum ist, dann wird die Entscheidung für euch ausfallen. Und hier? Gibt es den Nachweis und nur weil es Juden sind, sollen sie ihr Eigentum nicht zurück bekommen? Warum?
Bis 1917 gehörte der gesamte Nahe Osten zum Osmanischen Reich, dann fiel Palästina, wie andere Gebiete, unter britische Oberhoheit – bis 1948, als der Staat Israel gegründet wurde. Um die Grundlagen für einen solchen Staat zu schaffen, hatte die zionistische Bewegung bereits im letzten Jahrhundert damit begonnen, Grundbesitz in Palästina zu erwerben. Ein entscheidender Grund für den Erfolg der zionistischen Bewegung lag darin, dass die arabischen Einwohner damals nicht begriffen, was sich vor ihren Augen vollzog, und nicht in der Lage waren, bei den Kolonialbehörden ein Verbot dieser Landkäufe zu erwirken.
Die neuen Siedler, die nach 1948 kamen, konnten sich bereits als „Eigentümer“ von Teilen Palästinas betrachten
@Brigitte
Ich zitiere: „Ein entscheidender Grund für den Erfolg der zionistischen Bewegung lag darin, dass die arabischen Einwohner damals nicht begriffen [Unterstellung!], was sich vor ihren Augen vollzog, und nicht in der Lage waren[?!], bei den Kolonialbehörden ein Verbot dieser Landkäufe zu erwirken.“
Betreiben Sie – wie hier -öfters Geschichtsklitterung? Vielleicht haben Sie ja aber lediglich zu viel Ilan Pappé gelesen, nicht wahr?
@Alida
Brigitte, hochgebildet, hat die besten Universitäten besucht, aber, was Israel angeht, die falschen Bücher gelesen.
@AlbertNola
Herzlichen Dank! Mit einem einzigen Satz bringen Sie Licht in das (Halb-)Dunkel! 👍
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Albert, Sie verleiten mich zu einer selbstkritischen Bemerkung:
Ich, Alida M., bestenfalls halbgebildet, an einer unbedeutenden deutschen Universität Chemie studierend, habe – meinem Großvater sei Dank! – bisher immer die richtigen Bücher zum unerschöpflichen Thema Israel lesen dürfen. Und daran wird sich – ich verspreche es – auch künftig nichts ändern.😉
@Alida
Chemie ist tolles Fach, sagt Marina, unsere Köchin, 5 Semester Fachbereich Chemie, UNI Pisa, Studienabbrecherin aus Überzeugung, hat sich entschieden für uns zu kochen.
Und wir müssen in dem Zusammenhang noch an etwas anderes denken. Die Juden, die ins Land zurückkamen brachten eine andere Lebensweise mit. Diese trug u.a. dazu bei, dass das Gesundheitswesen besser wurde, die Lebenserwartung stieg. Die Malariasümpfe wurden trockengelegt. Der Straßenbau nahm zu. All das brachte den Arabern auch etwas, da kam vielleicht auch etwas an Verständnis auf, zumindest mal: die Juden nützen uns etwas.
Die Tatsache, dass die Araber, die damals dort lebten nicht die Eigentümer der Besitze waren, das verschweigt Brigitte natürlich. Die meisten von ihnen waren Pächter, die Eigentümer, die den Besitz auch nur erworben haben, saßen in Ägypten, Jemen, Saudi-Arabien usw. Die hatten Land,der Rest interessierte sich nicht. Die Schuld sucht man dort wohl nicht. Was Brigitte macht ist Gesichtsklitterung, das stimme ich dir zu, Alida. Denn das was ihr Beitrag aussagt, bedeutet nichts anderes als: Araber dürfen Land kaufen (siehe Besitzer im Ausland) , aber Juden nicht.
Die Bezeichnung Siedler, die sie für die Besitzer gewählt hat, zeigt welches Geistes Kind sie ist. Es bedeutet, den Juden alles Recht abzusprechen, in dem Land wohnen zu dürfen. Das sprachliche Kreidefressen nützt nichts, denn an der Grundhaltung ändert dieses nichts.
@Christin
👍👍👍 Gut formuliert und erklärt. Danke!!!
@christin
Herzlichen Dank für Ihren ausgezeichneten Kommentar! 👍👍
Habe ihn erst jetzt gelesen. Ich wäre bei allem Bemühen nicht imstande, so viele historisch stimmige Tatsachen kurz und bündig zu formulieren.
@ Alida
Lesen Sie einfach nur mal neu in Ruhe nach.
Erklären Sie sich selbst Ihr angewandtes Wort „Geschichtsklitterung“ und prüfen Sie Ihren Vorwurf, ich hätte pejorativ argumentiert.
Ich finde, wer schon die klare Aussage von Gideon Lahav so falsch versteht….
Nein Alida, Brigitte hat in Teilen sogar recht ,die Makler, zum Teil geriebene arabische, aber auch jüdische ,,Geschäftsleute“ haben diesen Leuten die Häuser vergleichsweise billig abgekauft, in dem Wissen, daß die so geleimten Verkäufer noch nie so viel Geld in der Hand hatten. Die Käufer dieser Häuser wurden aufgrund überhöhter Provisionen aber ebenso abgezogen, nur hatten die anschließend den Kaufvertrag.
Mit dem Landerwerb war es so ungefähr das
gleiche, nur waren es da die arabischen Großgrundbesitzer, die in ihrer Habgier und Geldgeilheit die Geschäfte tätigten und sich anschließend sogar noch an der Vertreibung der Pächter beteiligten ,zum Teil in der Hoffnung auf weitere ,,gute“ Geschäfte dieser Art. Ungeachtet des Unabhängigkeitskrieges setzte sich diese Praxis bis in die späten sechziger Jahre fort, der Sechstagekrieg setzte dem allerdings ein schlagartiges Ende.
SHALOM
@ Brigitte
Wann begreifen und akzeptieren Sie eigentlich endlich die Tatsache, dass „Palästina“ eine Wortschöpfung der Römer war, die die Juden in ihrem angestammten Land massakrierten und daraus vertrieben?! Die Engländer haben diese Wortschöpfung geflissentlich in ihrem imperialistischen Machtstreben gerne übernommen, um die Besitzansprüche des jüdischen Volkes auf diese Region zu verschleiern („Britisches Mandatsgebiet Palästina“).
Auf diesen Umstand haben hier doch nun wirklich schon ausreichend viele User, mit schlüssigem Nachweis der entsprechenden geschichtlichen Hintergründe, hingewiesen. Dies immer wieder vehement zu ignorieren spricht für eine außerordentliche Starrsinnigkeit und Geschichtsklitterung.
@Caja
So lange, wie Sie Ihre Sprache, besonders mir gegenüber, nicht im Griff haben.
„“Wann begreifen und akzeptieren Sie eigentlich endlich die Tatsache…““
Wie der Geist aus der Flasche, der sich vor mir groß u. gefährlich aufbauschen möchte zur Einschüchterung und beweisen möchte, dass es nie eine nivellierte Augenhöhe geben kann…
Bitte schön, dann hängen Sie Ihrer Pseudohistorie weiter nach.
Liebe Brigitte, beste Polemikerin von allen, Caja meint es nicht so, Caja ist ein guter Mensch, (hochgebildet wie unser Gärtner Ernesto), Caja liebt Israel und schreibt gute Kommentare, sagt meine Ehefrau, 10 Semester Politikwissenschaft mit Abschluss.
AlbertN
„Zionismus kennt keine Seele“ – sagte der jüdische Prof. Moshe Zuckermann.
Guter Mann? Jawoll. Ich wünsche Ihnen noch einen sonnigen Tag.
Lief, wie JSR weiter oben bereits anmerkte, ähnlich auch bei uns im Zuge der Wiedervereinigung. Die beiden deutschen Staaten einigten sich in einer gemeinsamen Erklärung vom 15.6.90 über das Verfahren zur Regelung „offener Vermögensfragen“.
Am 29.9.90 verabschiedete die Volkskammer der DDR das sogenannte Vermögensgesetz. In ihm wurden die Ansprüche enteigneter oder durch staatliche Verwaltung in ihrer Verfügungsbefugnis beschränkter Eigentümer geregelt.
Nach dem Vermögensgesetz galt prinzipiell der Grundsatz „Rückgabe vor Entschädigung“. Sofern eine Rückgabe nicht möglich war, etwa wenn sich eine öffentliche Straße oder ein öffentliches Gebäude auf dem fraglichen Grundstück befanden, konnte stattdessen für den erlittenen Vermögensverlust eine Entschädigung geleistet werden.
Viele Alteigentümer, die seinerzeit die DDR verlassen hatten/mussten, ohne tatsächlich oder angemessen entschädigt worden zu sein, machten nun Ansprüche geltend auf ihr ihnen unrechtmäßig entzogenes Eigentum. Das führte zu vielen Konflikten und „bösem Blut“.
Gegen die Beschlüsse der Politik (Einigungsvertrag) und Gerichte war wenig auszurichten. Und auch heute stehen Rechtsprechung und Politik größtenteils nach wie vor zu den damaligen Entscheidungen.
Das was in Israel also aktuell vollzogen wird, ist genau so auch bei uns nach geltendem Recht umgesetzt worden. Das mag nicht jedem schmecken, in Teilen auch als „ungerecht“ empfunden werden, ist aber gültige Rechtssetzung. Recht und Gesetz haben eben oft nichts mit landläufig empfundener „Gerechtigkeit“ zu tun.
@ Gideon Lahav
Bezugnehmend auf meine obigen Anmerkungen bezüglich der rechtlichen Einordnung der aktuell in Jerusalem vollzogenen Maßnahmen, kann ich Ihre Einschätzung nicht teilen. Denn ich traue dem Obersten Gericht Israels durchaus zu, die einschlägige Gesetzesgrundlage und die entsprechenden Urkunden sorgsam und gewissenhaft genug auf Rechtmäßigkeit geprüft zu haben.
Hier wurde nicht willkürlich eine Enteignung durch fanatische „Siedlern und Kriminelle“ vollzogen, sondern ganz pragmatisch und nüchtern geltendes Recht in einem Rechtsstaat umgesetzt.
Das mag, wie gesagt, manchem ungerecht erscheinen. Geltendes Recht in einem Rechtsstaat richtet sich aber nicht nach dem Volksempfinden oder dem des einzelnen Bürgers. Bedaure ich auch manchmal, muss man sich aber mit abfinden, so schmerzhaft das bisweilen sein mag.
Die Regierung versuchte, die Befugnisse des Gerichts durch eine Justizreform (einschließlich der Abschaffung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes) einzuschränken. Das Gericht kippte dieses Gesetz jedoch Anfang 2024 mit der Begründung, es gefährde die Demokratie in Israel erheblich.
Ja, das Gericht führt sehr gründliche und oft interventionistische Überprüfungen durch. Liebe Caja, ich weiß noch nicht, ob sie diese Überprüfungen als „Politisierung“ betrachten oder es als Notwendigkeit zum Schutz der Demokratie betonen?
Da Israel weder eine schriftliche Verfassung noch ein Zweikammersystem hat, ist das Gericht die einzige Institution, die die Einhaltung der Grundgesetze und den Schutz von Minderheiten vor einer potenziell willkürlichen Regierungsmehrheit gewährleistet. Meiner Ansicht nach ist die Prüfung für die Demokratie lebensnotwendig.
@ Gideon Lahav
Fortsetzung:
Unabhängig davon noch eines:
Für mich gilt spätestens seit der Shoah der Grundsatz, dass sich jüdische Menschen oder der jüdische Staat ein Existenzrecht nicht „verdienen“ müssen durch wohlfeiles, an die Maßstäbe oder die Gnade Anderer angepasstes oder einschmeichelndes Verhalten.
Sie dürfen genauso wie alle Menschen und Völker in der übrigen Welt auch moralisch anfechtbar handeln und auftreten. Denn die jahrhundertelangen Bemühungen um Respekt und Akzeptanz durch Assimilation und Anpassung an das Denken,die Moral oder Gepflogenheiten ihre Umgebungs-Gesellschaften hat Juden immer wieder nur in die Verfolgung und Vernichtung geführt. Diese Strategie ist endgültig gescheitert!
Heute dominiert die Strategie der kompromisslosen, wehrhaften Selbstverteidigung als oberstes Prinzip. Kann sein, dass auch das letztlich nicht vor Vernichtung schützen wird. Aber es wird den anderen dann jedenfalls zumindest etwas schwerer gemacht, ihre Vernichtungswünsche umzusetzen.
Da stimme ich ihnen zu Caja, nach der Shoah setzte sich die Erkenntnis durch, dass das Existenzrecht eines Volkes oder eines Individuums unveräußerlich ist. Es ist ein fundamentales Recht, das nicht an Bedingungen, moralisches Wohlverhalten oder die Zustimmung Dritter geknüpft werden darf.
Wir Juden müssen unsere Existenzberechtigung nicht durch besondere „Leistungen“ oder Anpassung beweisen.
Für den Staat Israel gilt – wie für jeden anderen Staat auch –, dass sein Existenzrecht unabhängig von seiner jeweiligen Politik besteht (Kritik an der Politik ist zulässig, darf aber nicht die Existenzgrundlage infrage stellen).
Was ihren letzten Absatz betrifft; wichtig ist es das Recht auf Selbstverteidigung nicht aggressiver oder präventiv auszulegen, was dass traditionelle Verbot der Anwendung von Gewalt untergraben könnte.
Was bei einer wehrhaften Selbstverteidigung wichtig ist ist „integrierten Sicherheit“ statt einer isolierten „kompromisslosen“ Härte.
@caja und Gideon, ich habe mit großem Vergnügen ihren Austausch gelesen.
DAS IST mal eine sachliche Diskussion ohne die übliche Polemik, hier wurden echtes Wissen und gute Argumente ausgetauscht, hat mir verdammt gut gefallen.
SHALOM