WASHINGTON / JERUSALEM (inn) – Israelische Politiker haben mit Bestürzung auf die Nachricht vom Tod des US-Senators Lindsay Graham reagiert. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu (Likud) erklärte, der Staat Israel habe einen seiner größten Freunde verloren. „Mögen seine Werte und Initiativen uns weiter zum Sieg und Frieden leiten.“
Graham war am Samstag in Washington im Alter von 71 Jahren gestorben. Als Todesursache gaben die Behörden Herzversagen infolge eines Risses in der Hauptschlagader an. Der Republikaner hatte am Samstagabend noch mit US-Präsident Donald Trump (Republikaner) telefoniert. In dem Gespräch unterrichtet er ihn über seine Reise in die Ukraine, von der er eben zurückgekehrt war.
Stetige Unterstützung hervorgehoben
Netanjahu beschrieb Graham als Politiker der „verstanden hat, dass die Sicherheit Israels und Amerikas untrennbar sind. Er widmete sein ganzes Leben der Verteidigung Amerikas, der Stärkung unserer Allianz und dem Eintreten für die freie Welt“.
Der israelische Präsident Jizchak Herzog äußerte sich ähnlich. Die Todesnachricht habe ihn schockiert und erschüttert. Graham habe Israel immerfort unterstützt, „besonders in unseren schwierigsten und scherzvollsten Augenblicken“. „Das israelische Volk wird seine außerordentliche Freundschaft immer in Erinnerung behalten und schätzen.“
Oppositionsführer Jair Lapid (Jesch Atid) würdigte Grhamas als Politiker mit Wärme und Humor. „Lindsey hatte eine unerschütterliche moralische Klarheit und tiefe Hingebung für das israelische Volk und eine klare Vision für einen sicheren und friedvollen Nahen Osten.“
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Geschätzter Senator
Graham war seit 2003 Senator für South Carolina, seit 1995 war er Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus. Er gehörte zu den einflussreichsten Senatoren der Republikaner, der auch bei seinen Gegnern geschätzt war. In Gesprächen mit Trump trat er für eine harte Linie gegenüber dem Iran ein.
Zwei Wochen nach dem Terrormassaker vom 7. Oktober führte Graham gemeinsam mit seinem demokratischen Amtskollegen Ben Cardin eine Delegation von Senatoren an, die Israel besuchte. Damals erklärte Graham, die Zerstörung der Terror-Organisation Hamas sei „nicht-verhandelbar“.
Der Besuch der Delegation war damals schon länger geplant. Ursprüngliches Ziel war es, die Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien voranzubringen. Graham sagte, er glaube, dass der Iran mithilfe der Hamas Normalisierung verhindern wolle. „Mein Ziel ist, dass sie damit scheitern.“
Normalisierung erneut anvisiert
Mitte Februar war Graham bei dem Großprotest in München gegen das Regime in Teheran aufgetreten. Dabei warb er bei seinen Landsleuten um Unterstützung für den Freiheitskampf der Iraner. An die Iraner gewandt sagte er: „Ich habe eure Schreie gehört. Ich bin hier, um euch zu helfen. Wir werden diesem mordenden Regime ein Ende setzen.“
Medienberichten zufolge hat sich Graham in den vergangenen Wochen für einen erneuten Anlauf bei der Normalisierung zwischen Israel und Saudi-Arabien stark gemacht. Nach den Knessetwahlen und den amerikanischen Zwischenwahlen im Herbst wollte er die diplomatischen Bemühungen verstärken und bis Ende Dezember eine Vereinbarung herbeiführen, wie die Nachrichtenseite „Axios“ berichtete.
Zuletzt machte sich Graham auch stark gegen anti-israelische Tendenzen innerhalb der Republikaner. Bei der Jahreskonferenz der Republikanisch-Jüdischen Koalition sagte er Anfang November: „Ich will, dass die Welt weiß: Antisemitismus, anti-israelische Rhetorik, anti-israelisches Denken ist nicht der Weg, um als Republikaner gewählt zu werden.“
Bei den Zwischenwahlen im Herbst wollte er sich erneut zur Wahl stellen. Graham war nie verheiratet und kinderlos. (df)