Der iranische Fußballer Masoud Shojaei hätte fast die Fußball-WM in Russland verpasst

Der iranische Fußballer Masoud Shojaei hätte fast die Fußball-WM in Russland verpasst

Sportboykott gegen Israel

Selten werden die zahlreichen Sportboykotte arabischer und anderer Länder gegen Israel international geahndet. Neben den Israelis leiden auch die muslimischen Sportler unter der diskriminierenden Politik ihrer Länder. Eine Analyse von Michael Müller

Der iranische Fußballer Masoud Shojaei ist 34 Jahre alt. In seiner Karriere hat er einiges erlebt und ist viel herumgekommen. Er spielte in seiner Heimat, in Saudi-Arabien, Katar und Spanien. Eine Partie seines aktuellen griechischen Vereins Panionios Athen im vergangenen Jahr sorgte für einen Eklat, der weltweit Aufmerksamkeit erregte.

Gemeinsam mit seinem iranischen Teamkollegen Ehsan Hajsafi war er im Rückspiel der Qualifikation für die Europa League gegen Maccabi Tel Aviv aufgelaufen. Das Hinspiel hatte Athen in Israel mit 0:1 verloren. Die beiden setzten aus, weil ansonsten Konsequenzen aus der Heimat angestanden hätten. Aber im Rückspiel am 3. August mussten sie ran, weil das Ausscheiden und damit erhebliche finanzielle Einbußen für den Klub drohten.

Shojaei ist kein Mitläufer, sondern Leistungsträger. Bis vor kurzem war er Kapitän seiner Nationalmannschaft, die sich nach Brasilien als zweites Team vorzeitig für die Fußball-WM in Russland qualifiziert hatte. Aber am 10. August des vergangenen Jahres schloss der Iran Shojaei und Hajsafi von der Nationalmannschaft aus. Es sei für die beiden kein Platz mehr im Team, weil sie eine rote Linie überschritten hätten, sagte Vize-Sportminister Mohammad Resa Davarsani.

Ursprung Islamische Revolution

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979, in der Schah Mohammad Reza Pahlavi abgesetzt wurde und Ajatollah Ruhollah Chomeini an die Macht kam, erkennt die iranische Regierung nicht mehr den Staat Israel an. Ein Gesetz untersagt es den Sportlern, gegen Israelis einen Wettkampf zu bestreiten. „Gegen Sportler des zionistischen Regimes anzutreten, das der Menschheit nur Besatzung, Mord und Aggression beschert hat, ist respektlos gegenüber den Rechten der Tausenden von Märtyrern“, teilte ein Komitee des iranischen Parlaments im Bezug auf die Fußballspieler mit.

Die FIFA-Statuten besagen nach Artikel 3, dass „jegliche Diskriminierung eines Landes, einer Einzelperson oder von Personengruppen aufgrund von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, Politik oder aus einem anderen Grund (...) unter Androhung der Suspendierung und des Ausschlusses verboten“ sei. Dem Iran drohten wegen der Sperrung der Spieler Sanktionen durch den Fußballweltverband.

Junge Iraner rebellieren im Internet

In den sozialen Netzwerken regte sich Widerstand gegen die Entscheidung des iranischen Sportministeriums. Auf Instagram verteidigte der ehemalige FC-Bayern-München-Spieler Ali Karimi die beiden Iraner: „Ihr habt nur euren Job im Verein gemacht und wichtig ist nur die öffentliche Meinung über euch.“ Der Beitrag erhielt von mehr als 100.000 Nutzern Zustimmung. Der aktuelle iranische Nationalspieler Karim Ansarifard schrieb: „Jungs, wir stehen hinter euch.“ Jüngere Iraner auf Twitter, die unter dem Hashtag #NoBan4OurPlayers (Keine Sperre für unsere Spieler) Beiträge veröffentlichten, nannten das Verbot, gegen Israelis anzutreten, „absurd“ und „politisch wirkungslos“.

Nach den Protesten und angesichts der drohenden Konsequenzen durch die FIFA tauchten Shojaei und Hajsafi in diesem März nach ausgesetzten Partien wieder im Kader der iranischen Nationalmannschaft für Testspiele auf. Offenbar war die iranische Führung im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft im sommerlichen Russland nicht bereit, ihre harte Linie gegenüber den Spielern durchzuziehen und die internationale Bestrafung zu tragen.

„Manchmal passieren Dinge, die nicht in deiner Hand liegen. Das ist mir jetzt in meinem sportlichen Leben passiert. Für eine Zeit lang war ich nicht im Nationalteam. Das war das schlimmste Ereignis in meinem Leben“, sagte der betroffene Fußballer Shojaei. Umso glücklicher sei er gewesen, dass er als „Soldat“ in die Mannschaft zurückkehren dürfe. Der Iran spielte mit Shojaei eine für seine Verhältnisse großartige WM: Das Team schaffte es zwar nicht über die Gruppenphase hinaus, erreichte aber trotz starker Gegner wie Portugal und Spanien insgesamt vier Punkte. Das ist das beste Ergebnis, das jemals eine iranische Fußballmannschaft bei der Endrunde erreichte.

Nur ein Beispiel von vielen

Die Lehre aus der Geschichte um den iranischen Fußballer Shojaei müsste eigentlich sein, dass sich ein Land nicht durch politische Boykotte selbst schwächen dürfte. Wichtiger aber noch: Nur über sportpolitische Konsequenzen durch die internationale Gemeinschaft könnte dieses Boykottphänomen eingedämmt werden. Denn tatsächlich ist Shojaeis Fall nur ein aktuelles Beispiel. Im Weltsport werden immer wieder Boykottaktionen gegen Israel auf dem Rücken der Athleten ausgetragen.

Im Oktober 2016 erklärte der niederländische Fußballklub AZ Alkmaar, dass sein iranischer Stürmer Alireza Jahanbakhsh nicht gegen Maccabi Tel Aviv antreten muss. Ansonsten drohe ihm der Ausschluss aus der Nationalmannschaft. Das war eine außergewöhnlich offene Äußerung, weil die Vereine ansonsten eher Verletzungen als Ausrede vorschieben, wenn es für iranische Spieler gegen israelische Teams geht.

Der Ägypter Islam El-Shehaby verweigert dem Israeli Or Sasson bei den Olympischen Spielen 2016 den Handschlag

Der Ägypter Islam El-Shehaby verweigert dem Israeli Or Sasson bei den Olympischen Spielen 2016 den Handschlag

Noch prominenter waren die Vorfälle bei den Olympischen Spielen in Rio im selben Jahr. Der libanesische Delegationsleiter hinderte israelische Sportler gewaltsam daran, in den Bus zum Stadion zu steigen. Die saudische Judoka Joud Fahmy gab angebliche Verletzungen vor, um bei ihrem Auftaktkampf nicht antreten zu müssen. In der nächsten Runde wäre sie nämlich auf die Israelin Gili Cohen getroffen. Schlagzeilen machte auch der ägyptische Judoka Islam El-Shehaby, der dem späteren israelischen Bronzemedaillisten Or Sasson den Handschlag verweigerte. Wegen dieser Unsportlichkeit schloss das Nationale Olympische Komitee Ägyptens ihn von den Spielen aus.

Die Beispiele sind zahlreich: In Saudi-Arabien dürfen Frauen neuerdings Auto fahren oder ohne verhüllende Gewänder in der Öffentlichkeit Schach spielen. Aber zur Schach-WM 2017 im sich so fortschrittlich gebenden Riad waren die qualifizierten israelischen Spieler nicht erwünscht – die Visa wurden ihnen verweigert.

Der südafrikanische Sportminister Thulas Nxesi boykottierte den Tennis-Wettkampf zwischen Südafrika und Israel in diesem Februar. „Ich hätte liebend gerne am Davis Cup als Zuschauer teilgenommen. Aber in Anbetracht der geäußerten Sorgen der Aktivisten und Südafrikaner hinsichtlich der Präsenz des israelischen Teams wäre es nicht angemessen für mich, dabei zu sein“, teilte er in einem offenen Brief Bezug nehmend auf die Boykottbewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen, Sanktionen) mit. Nxesi hätte sich lieber den Artikel 3 des Fußballweltverbandes zu Herzen nehmen sollen: Keine Diskriminierung eines Landes, einer Einzelperson oder von Personengruppen aufgrund von ethnischer Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion oder Politik.

Iranischer Ringer-Präsident tritt zurück

Oder er hätte es gemacht wie der Präsident des iranischen Ringerverbandes, Rasoul Khadem. Der trat nämlich im März zurück. Vorher hatte er öffentlich den Iran für dessen Politik kritisiert, die eigenen Sportler zu bestrafen, wenn sie bei Wettkämpfen gegen israelische Sportler antreten. Der 45-Jährige, der bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta Gold gewann und in seinem Land als Nationalheld gilt, beklagte sich: „Einen Athleten zu einer Niederlage zu zwingen oder ihn aufzufordern, die ganze Nacht einen Arzt für ein Attest zu suchen, ist nicht richtig.“

In einer Mitteilung ließ Khadem indirekt durchscheinen, dass er zu seinem Rücktritt als Präsident gezwungen wurde. Es könne nicht sein, dass Sportler sich jahrelang auf ein internationales Turnier vorbereiteten, um dann aufgrund der Politik nicht antreten zu dürfen. „Khadem hat sich für das Ringen aufgeopfert. Nach seinem Rücktritt gibt es für uns keinen Grund, weiter im Amt zu bleiben“, sagte das Mitglied des Ringerverbandes, Hossein Marashian. Die iranische Studenten-Nachrichtenagentur berichtete von diversen weiteren Rücktritten aus dem Verband. Es braucht mehr solcher Entscheidungen im Sport, welche die Ungerechtigkeiten aufzeigen und deutlich machen. Lösbar werden die Sportboykotte gegen Israel aber nur mit Hilfe der internationalen Verbände, wenn sie diese Form der Diskriminierung ächten.

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 4/2018 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.

Von: Michael Müller

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