Eine ZDF-Doku zeigt auf, wie viele Facetten der Mossad hat

Eine ZDF-Doku zeigt auf, wie viele Facetten der Mossad hat

ZDF erzählt Geschichte des Mossad

Wer mit dem Mossad nur gezielte Tötungen verbindet, liegt falsch. Eine ZDF-Dokumentation zeigt die Vielseitigkeit des berühmt-berüchtigten israelischen Auslandsgeheimdienstes auf. Eine TV-Kritik von Sandro Serafin

Warum braucht es den Mossad? „Er soll helfen, einen zweiten Holocaust zu verhindern.“ Dieser Satz klingt wie die Interpretation eines überzeugten israelischen Zionisten. Tatsächlich aber entstammt er einer ZDF-Dokumentation über den israelischen Auslandsgeheimdienst, die am 27. Dezember im Sender „ZDFinfo“ zu sehen sein wird. Unter dem Titel „Geheimes Israel“ erzählt der Sender die Geschichte des „Instituts“ nach, wie das hebräische Wort „Mossad“ ins Deutsche übersetzt heißt.

Die Doku ist weniger konspirativ, als es der Titel und ihre Aufmachung vermuten ließen. Inhaltlich orientiert sie sich an den historischen Fakten und lässt nur an wenigen Stellen Raum für Spekulationen. Auch wenn man nicht jeder einzelnen Intepretation zustimmen mag, gelingt es Autorin Ina Kessebohm insgesamt, ein differenziertes Bild von den Tätigkeiten des Mossad und seinen Höhen und Tiefen zu zeichnen.

Ein vielfältiger Geheimdienst

Die drei jeweils 50-minütigen Folgen des Filmes orientieren sich an der Geschichte Israels selbst, angefangen bei den Untergrundgruppen der britischen Mandatszeit. Sie zeigen den Wandel der Herausforderungen des jüdischen Staates und der Methoden seines Geheimdienstes anhand zahlreicher konkreter Aktionen auf: der Mossad behielt ehemalige Nazis im Blick, tötete Terroristen und schleuste eigene Bürger in arabische Länder ein. Er rettete äthiopische Juden, hielt geheimen Kontakt in arabische Länder und schuf die Voraussetzungen für den ägyptisch-israelischen Frieden. Kurz: dieser Geheimdienst ist mehr, als nur ein verdeckt operierendes Tötungskommando.

Die Perspektive der Erzählung ist dabei in erster Linie eine israelische. Die Interviewpartner für die Doku sind ganz überwiegend Israelis, viele aus den Reihen des Mossad selbst, darunter zum Beispiel der inzwischen verstorbene Eichmann-Jäger Rafi Eitan.

Deutsche Bezüge

Einen interessanten Einschlag erhält der Film auch durch die Bezugspunkte, die er zu Deutschland aufzeigt: Die Entführung des Scho'ah-Mitorganisators Adolf Eichmann aus Buenos Aires, die Jagd auf deutsche Spezialisten, die am Raketenprogramm des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser mitwirkten, die Überwachung palästinensischer Aktivisten in Deutschland. Ein ehemaliger BND-Präsident und ein ehemaliger BND-Vizepräsident kommentieren aus deutscher Perspektive und bekennen: „Es ist völlig klar, dass man als westlicher Geheimdienst mit dem Mossad zusammenarbeit."

Insgesamt leistet die Doku einen spannenden und angemessenen Beitrag zu einem schwierigen Thema. Umso mehr allerdings irritiert ihr provokantes Fazit: „Kriegstreiber und Friedensstifter: In seiner Geschichte ist der Mossad beides gewesen." Denn für explizite Kriegstreiberei liefert die Doku selbst eigentlich keine Anhaltspunkte.

„Geheimes Israel – Der Mossad“, Film von Ina Kessebohm, 3 Teile à 50 Minuten, am Freitag, 27. Dezember, ab 20.15 Uhr bei ZDFinfo.

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