Einen „Helden Israels” nannte Netanjahu ihn: Ausnahme-Spion Rafi Eitan ist gestorben

Einen „Helden Israels” nannte Netanjahu ihn: Ausnahme-Spion Rafi Eitan ist gestorben

Nazi-Jäger Rafi Eitan gestorben

Er war „Israels Meisterspion“ und berühmtester Nazi-Jäger: Rafael „Rafi“ Eitan ist im Alter von 92 Jahren in Tel Aviv gestorben.

Seine erste tödliche Mission erfüllte Rafi Eitan mit Alter von 17 Jahren: Jüdische Agenten brachten am 22. März 1946 Gotthilf Wagner in seinem Auto in einer Geschäftsstraße Tel Avivs zum Stehen. Wagner war überzeugtes NSDAP-Mitglied und verbot den Deutschen, im damals britischen Mandatsgebiet Land an Juden zu verkaufen. Eitan hielt einen Revolver in den Wagen und schoss Wagner und seinem Beifahrer mehrere Kugeln in den Kopf.

Ab dem 18. Lebensjahr nahm Eitan dann an hunderten Untergrundaktionen teil. Nach der Staatsgründung Israels 1948 heuerte er beim Inlandsgeheimdienst Schabak und dem Auslandsgeheimdienst Mossad an, wo er die Kommando-Einheit gründete. Stets wurde der kleingewachsene, stämmige Mann mit den gefährlichsten Missionen betraut.

Er bringt Nazis zur Strecke

Seine wohl bekannteste war „Operation Finale“, die 1960 er selbst leitete. Es handelt sich um die Entführung Adolf Eichmanns aus Argentinien. Dort war der SS-Obersturmbannführer abgetaucht. Nach eigener Darstellung tippte Eitan ihm von hinten auf die Schulter, woraufhin Eichmann sich umdrehte und Eitan seine Narben zählte und wusste: „Das ist unser Mann!“ Weil es mit Argentinien kein Auslieferungsabkommen gab, musste Eitan den Nazi als Mitarbeiter der israelischen Fluglinie El Al tarnen und so an den Kontrollen vorbeischleusen. Eitan sagte dazu, das sei eine seiner „leichteren Missionen“ gewesen. Eichmann wurde in Israel zum Tode verurteilt und 1962 gehängt. Es ist das einzige Mal in der israelischen Geschichte, dass die Todesstrafe vollstreckt wurde.

Freunde nannten Eitan „Rafi den Stinker“, weil er sich bei einer Aktion durch Abwasserkanäle an eine britische Radarstation in Haifa geschlichen hatte, um sie zu sprengen. In Kriegen verlor er teilweise sein Gehör und Augenlicht. In den 80er Jahren wurde Eitan Chef des Geheimdienstes Lakam.

Auch Helden machen Fehler

In diese Zeit fällt seine wohl umstrittenste Aktion. Er war es, der Jonathan Pollard, ein Mitglieder der amerikanischen Marine, rekrutierte, um den engsten Verbündeten Israels, die USA, auszuspionieren. Pollard spielte den Israelis tausende Geheimdokumente zu. Als er enttarnt wurde, ließ Eitan ihn fallen. Pollard wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt und kam erst 2015 wieder frei. Viele Israelis haben Eitan dieses treulose Vorgehen nicht verziehen. Später sagte Eitan, er „bereue“ diesen Fehler „von ganzem Herzen“. Der Fall Pollard belastet das amerikanisch-israelische Verhältnis bis heute.

Obwohl die Sache mit Pollard von seinen Vorgesetzten genehmigt war, musste Eitan seinen Posten beim Lakam räumen. Er ging in die Wirtschaft und wurde ein wohlhabender Geschäftsmann. Auf seine alten Tage ging er sogar in die Politik. 2006 gewann er als Vositzender der Rentnerpartei sieben Sitze in der Knesset und wurde mit 79 Jahren ein Kabinettsminister unter Ehud Olmert. Im vergangenen Jahr sorgte er noch einmal für Furore, indem er die AfD lobte und die Europäer mahnte, islamische Masseneinwanderung zu stoppen.

Premier Benjamin Netanjahu betrauert Eitan mit den Worten: „Rafi gehörte zu den Helden der Geheimdienste des Staates Israel bei unzähligen Missionen im Namen der Sicherheit Israels“. Mossad-Direktor Jossi Cohen sagte: „Sein Werk und seine Handlungen werden in den Annalen des Staates in goldene Buchstaben gegossen werden. Die Grundlagen, die Rafi in den ersten Jahren des Staates legte, sind bis heute eine wichtige Grundlage für die Aktivitäten des Mossad.“ Rafi Eitan war als Sohn russischer Einwanderer im Kibbuz Ein Harod aufgewachsen. Mit ihm stirbt einer der letzten Vertreter der Gründergeneration Israels.

Von: tk

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