Rabbiner Stern hat die Familie des Opfers sowie muslimische Religionsführer getroffen

Rabbiner Stern hat die Familie des Opfers sowie muslimische Religionsführer getroffen

Oberrabbiner besucht Familie von erschossenem Palästinenser

Nach der Tötung eines autistischen Palästinensers sprechen israelische Politiker und religiöse Oberhäupter der Familie ihr Mitgefühl aus. Unterdessen kommt es zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Besonders äthiopischstämmige Israelis treibt der Vorfall erneut auf die Straße.

JERUSALEM (inn) – Der aschkenasische Oberrabbiner von Jerusalem, Arje Stern, hat am Dienstagabend die Familie des getöteten Palästinensers Ijad al-Halaq besucht. Vertreter der Stadt Jerusalem begleiteten den Rabbiner. Er traf sich auch mit muslimischen Religionsführern. Der 32-jährige Al-Halaq war am Samstag von der israelischen Polizei erschossen worden. Es stellte sich heraus, dass der geistig Behinderte unbewaffnet war. Stern drückte gegenüber der palästinensischen Familie sein Mitgefühl aus.

Der neue Sicherheitsminister Amir Ochana bedauerte die Tragödie ebenfalls. Er warnte jedoch davor, die beteiligten Polizisten vorzeitig zu verurteilen. Die Beamten müssten „innerhalb von Sekunden folgenschwere Entscheidungen treffen, in einer von Terror durchtränkten Gegend, in der sie ständiger Lebensgefahr ausgesetzt sind“. Laut einem Fernsehbericht des Senders „Kanal 12“ hat Ochana einen geplanten Besuch bei der Familie abgesagt, nachdem der Vater des Opfers auf Facebook ein Video mit der Botschaft postete, er wünsche keine Besuche von israelischen Regierungsvertretern.

Auch Verteidigungsminister Benny Gantz brachte seine Trauer zum Ausdruck und versprach, der Fall werde schnell untersucht. Al-Halaq war in der Altstadt erschossen worden. Die Polizisten geben an, er habe einen verdächtigen Gegenstand bei sich getragen und nicht auf Zurufe reagiert. Anscheinend hielt Al-Halaq nur sein Mobiltelefon in der Hand und verstand die Polizisten nicht. Ein Beamter steht nun unter Hausarrest, ein anderer kam unter Auflagen vorerst frei.

Israelis fordern Gerechtigkeit

In Jerusalem protestierten am Dienstag mehr als 100 und in Tel Aviv mindestens 200 Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Dabei stellten viele eine Verbindung her zu der Tötung des Afroamerikaners George Floyd. Er war in der US-Stadt Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihn minutenlang mit einem Knie zu Boden drückte. Protestler hielten Plakate mit der Aufschrift „Das Leben Schwarzer zählt“ in den Händen. Einige erinnerten an Solomon Teka. Der äthiopischstämmige 19-jährige Israeli war vor einem Jahr durch einen Warnschuss eines Polizisten außer Dienst ums Leben gekommen. An den Demonstrationen beteiligten sich sowohl Äthiopier als auch Israelis anderer Herkunft.

Von: tk