Knapp 62 Prozent der israelischen Araber sehen in Israel ein Land, in dem sie gut leben können

Knapp 62 Prozent der israelischen Araber sehen in Israel ein Land, in dem sie gut leben können

Jüdische und arabische Israelis beäugen sich zunehmend kritisch

Jüdische und arabische Israelis stehen sich zunehmend kritisch gegenüber, wie aus einer Studie der Universität in Haifa hervorgeht. Dennoch sieht ein Professor eine „stabile Grundlage für eine jüdisch-arabische Koexistenz“.

HAIFA (inn) – Das Verhältnis zwischen jüdischen und arabischen Israelis hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich verschlechtert. Das geht aus einer Studie des Professors Sammy Smuha von der Universität Haifa hervor. Demnach stehen sowohl die arabischen den jüdischen, als auch die jüdischen den arabischen Israelis zunehmend kritisch gegenüber.

So fiel etwa der Anteil der arabischen Israelis, die den jüdischen und demokratischen Charakter des Staates Israel anerkennen, von 53,6 Prozent im Jahr 2015 auf nun 49,1 Prozent. Eine absolute Mehrheit der Araber lehnt ein jüdisches Israel damit ab. 41,3 Prozent negieren das Existenzrecht Israels sogar gänzlich. Zwei Jahre zuvor waren es noch 34,2 Prozent gewesen.

Mehrheit hält Israel für ein Land, in dem es sich gut leben lässt

Und während 2015 noch sechs von zehn Arabern ihren Frieden mit einer jüdischen Mehrheit in Israel machen konnten, tun dies nun nur noch 44,6 Prozent. Die Akzeptanz des Hebräischen als Hauptsprache Israels fiel von 39 auf 25 Prozent, die Zustimmung zum Schabbat als wöchentlicher Ruhetag ging von 60,7 auf 46 Prozent zurück.

Trotzdem sieht der überwiegende Teil der arabisch-israelischen Bevölkerung in Israel weiterhin seine Heimat. So gaben 61,9 Prozent der Befragten an, Israel für ein Land zu halten, in dem sie gut leben können (2015: 64 Prozent). Und mit 77,4 Prozent will sogar ein größerer Teil als 2015 (damals 72,2 Prozent) auch dann seine israelische Staatsangehörigkeit behalten, wenn irgendwann ein palästinensischer Staat gegründet werden sollte.

Auch Juden zunehmend distanziert

Aus dem Index geht außerdem hervor, dass auch jüdische Israelis ihre arabischen Mitbürger zunehmend kritisch beäugen – wenn auch auf einem deutlich niedrigeren Niveau. So fiel der Anteil derer, die die Araber als Minderheit mit vollen staatsbürgerlichen Rechten anerkennen, von 79,7 auf 73,8 Prozent. Sechs von zehn jüdischen Israelis akzeptieren Araber als vollwertige Mitglieder der israelischen Gesellschaft (2015: 69,5 Prozent). Etwas mehr als jeder Zweite ist bereit, sein Kind gemeinsam mit Arabern zur Schule zu schicken (2015: 57,5 Prozent). Und 52 Prozent stehen Arabern in der Nachbarschaft aufgeschlossen gegenüber – sieben Prozentpunkte weniger als noch 2015.

Trotz positiver Demographie-Prognosen macht sich ein großer Teil der jüdischen Israelis auch weiterhin Sorgen um den jüdischen Charakter Israels. So plädieren 67,3 Prozent und damit ein ebenso großer Anteil wie im Vorjahr für ein Gesetz, welches festschreibt, „dass Demokratie in Israel nur so lange existiert, wie sie dem jüdischen Staat nicht schadet“.

„Es gibt keine andere Wahl, als mit dieser Situation auszukommen“

„Trotz der tiefgreifenden Kluft zwischen Arabern und Juden und dem Trend der Verschlechterung, den wir seit langem auf der arabischen und seit kurzem auch auf der jüdischen Seite sehen, zeigen die Erhebungen, dass es seit 1967 eine stabile Grundlage für eine arabisch-jüdische Koexistenz gibt“, fasst Professor Smuha die Ergebnisse zusammen.

Keine der Seiten wolle die Regeln des Spiels brechen. „Die Araber lösen sich nicht vom israelischen Staat oder der jüdischen Mehrheit.“ Und auch die Juden akzeptierten, dass die arabische Minderheit immer Teil des israelischen Volkes bleiben werde. „Es gibt keine andere Wahl, als mit der derzeitigen Situation auszukommen“, erklärt Smuha.

Für die Studie wurden je 700 Juden und Araber zwischen Mai und August 2017 befragt. Der Index für jüdisch-arabische Beziehungen wird seit 1976 erhoben.

Von: ser

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein beim Christlichen Medienverbund KEP e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus