Frühere UN-Sonderberichterstatterin wirft UN-Experten Einseitigkeit mit Blick auf Israel vor

Das Zeugnis israelischer Geiseln hat bei den Vereinten Nationen nicht genug Gewicht erhalten, moniert eine frühere UN-Berichterstatterin. Die Organisation UN Watch kritisiert indes die Finanzierung der UN-Experten.
Von Israelnetz
Die frühere UN-Sonderberichterstatterin wirft einstigen Kolleginnen eine Israel-Obsession vor

LONDON (inn) – Eine frühere UN-Sonderberichterstatterin für Folter hat den Vereinten Nationen „Israel-Obsession“ vorgeworfen. Ihre einstigen Kolleginnen Francesca Albanese und Reem Alsalem hätten einen einseitigen Fokus an den Tag gelegt, schrieb Alice Jill Edwards in einem am Montag erschienenen Meinungsstück in der britischen Zeitung „Daily Telegraph“. Auf diese Weise hätten sie die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen unterwandert.

Die Australierin hatte das Amt vier Jahre lang bis zum Sommer dieses Jahres inne. Im Dezember 2024 besuchte sie die Stätten des Terrormassakers vom 7. Oktober 2023.

Eindrückliche Erlebnisse

Den Gang durch den Kibbuz Kfar Asa beschrieb sie als den schwierigsten Moment in ihrer Amtszeit. Die Mütter zweier damaliger Geiseln, Emily Damari und Doron Steinbrecher, hätten ihr die zerstörten Häuser gezeigt. „Ich hatte einen Knoten im Bauch, als mich die verzweifelten Mütter der zwei jungen, entführten Frauen durch zerbrochenes Glas und die Trümmer der bescheidenen Häuser ihrer Töchter führten.“

Infolge der Begegnung mit den Müttern sei sie zu dem Schluss gekommen, dass die Weltgemeinschaft auch Geiselnahmen als eine Form der Folter anerkennen müsse. Zugleich müssten auch die Angehörigen der Geiseln als Opfer anerkannt werden.

Diese Erkenntnisse hielt sie in einem im Februar 2025 erschienenen Bericht fest. Im November 2025 erkannte die UN-Generalversammlung an, dass Geiselnahme eine Art Folter sein kann. Diese Resolution sieht Edwards als einen der größten Erfolge ihrer Mandatszeit.

Schilderungen der Geiseln nicht berücksichtigt

In ihrem Meinungsstück warf Edwards Albanese, der UN-Sonderberichterstatterin „für die besetzten palästinensischen Gebiete“, vor, die Schrecken auf israelischer Seite niemals formal beschrieben zu haben. Ähnliche Kritik äußerte sie mit Blick auf Alsalem, die UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen.

Edwards kritisierte zugleich den Umstand, dass einzelne Länder, Gruppen und Organisationen UN-Sonderberichterstatter finanzieren könnten. Dies könne zwar auch als Großzügigkeit gewertet werden, doch dabei entstehe der Verdacht der Voreingenommenheit.

Indes betont Edwards, dass sie ihrerseits keine „pro-israelische“ Neigung habe. So habe sie etwa auch „palästinensische Flüchtlinge“ gegen Diskriminierung verteidigt oder den Umgang mit Häftlingen in israelischen Gefängnissen angeprangert.

Datenbank für Finanzflüsse

Das beschriebene Finanzierungssystem steht auch im Fokus der Organisation UN Watch. Erst am Montag stellte deren Geschäftsführer Hillel Neuer in einer Anhörung im britischen Parlament eine Datenbank vor, die Auskunft geben soll über die Geldflüsse und über nicht-deklarierte Einnahmen der UN-Experten und -Sonderberichterstatter.

Die Mandatsträger bekommen für ihre Tätigkeit kein Gehalt und sind daher auf andere Finanzierungsquellen angewiesen, um etwa Reisen zu bestreiten. Aus der Datenbank geht hervor, dass Deutschland der größte staatliche Finanzierer dieses Systems ist. Seit 2016 brachte Berlin dafür mehr als 5 Millionen Euro auf. Die Schweiz folgt mit 3,9 Millionen Dollar.

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Viele unbekannte Spender bei Albanese

Die Zuwendungen für Albanese schätzt UN Watch auf 2,56 Millionen Dollar seit ihrem Amtsantritt 2022. Zu den Gebern gehört der staatliche katarische Sender „Al-Dschasira“. Das werfe die Frage nach Einflussnahme auf.

Außerdem zeigt die Datenbank, dass etwa 25 Prozent der Zuwendungen für Albanese – rund 646.000 US-Dollar – von unbekannten Spendern kommen. Der größte bekannte Spender ist die Columbia-Universität in New York mit 608.000 Dollar.

Vorschlag für Reformen

UN Watch fordert eine Reform des Systems, so dass Experten und Sonderberichterstatter einer stärkeren Kontrolle unterliegen. So soll etwa eine Koalition aus demokratischen Staaten die Mandatsträger regelmäßig beurteilen und zur Verantwortung ziehen.

Edwards schlägt in ihrem Beitrag ebenfalls eine Reform vor. Demnach sollen alle Gelder zunächst in einen Topf fließen und dann an die Sonderberichterstatter gleichmäßig verteilt werden. (df)

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