Suche
Close this search box.

Trauer am Grab eines Soldaten

Einer der ersten Soldaten, die im Krieg fielen, war Juval Silber. 30 Tage nach seinem Tod treffen sich seine Freunde und Familie am Grab.
Von Merle Hofer
Grabstätte Juval Silber

NETA’IM (inn) – „Juval liegt neben seiner Savta Jona, der Großmutter, beerdigt. Ihre Eltern wurden im Holocaust ermordet. Als sie nach Kriegsende nach Israel kam, kannte sie niemanden und musste sich ein komplett neues Leben aufbauen“, erzählt eine junge Frau auf dem Friedhof des zentralisraelischen Ortes Neta’im.

Sie steht neben einem Grab, auf dessen Stein steht: „Juval Silber, Sohn von Joel und Itai. In Ramat Gan geboren, im Kampf gestorben. Er war 25 Jahre alt.“ Darüber prangt das Wappen der Armee. Die junge Frau ist mit Juval Silber und dessen Familie befreundet. Juval habe eine enge Verbindung zu seiner Großmutter gehabt, er war knapp vier, als sie starb.

In den ersten zwei Monaten nach Ausbruch des Krieges am 7. Oktober sind 411 Soldaten gefallen. Juval Silber ist einer von ihnen. Am 1. November, nur wenige Tage nachdem die Bodentruppen der israelischen Armee die Grenze zum Gazastreifen überschritten, fiel Silber im nördlichen Gazastreifen. Freunde seiner Familie berichten: „Zur Beerdigung kamen Tausende.“

30 Tage später, am 1. Dezember, kommen erneut mehrere Hundert Familienmitglieder, Freunde und Weggefährten zusammen. Es ist Freitagmittag, die Sonne brennt immer noch heiß, in der Ferne ist das Mittelmeer zu sehen. Der Grabstein ist fertiggestellt und die mit hellen Steinen ummauerte Grabstätte mit frischen Alpenveilchen bepflanzt. Schweigend betrachten die vielen Freunde, darunter viele Soldaten, die Steinplatte.

Grabsteinenthüllung Juval Silber Foto: Israelnetz/mh
Auch 30 Tage nach der Beisetzung kommen Hunderte zum Grab des gefallenen Soldaten

„Im Kampf für die Wahrheit gefallen“

Neben dem Grab steht ein Mikrofon, die Gedenkzeremonie beginnt. Der Vater spricht, die Mutter, ein Cousin und eine Tante. Zwei Militärrabbiner lesen Psalmen und sprechen die üblichen Gebete.

Lital, die Betreuerin aus seinem sozialen Jahr, erzählt, wie Juval an seinem Einsatzort sich um benachteiligte Jugendliche gekümmert hat. „Er hat die Idee zu dem Projekt ‚Film und Kaffee‘ gehabt und verwirklicht. Das Projekt läuft immer noch und bis heute erzähle ich den Freiwilligen von ihm und seinem außergewöhnlichen Engagement, seinem Blick für die Schwachen und seinen unzähligen Ideen.“ Unter Tränen sagt Lital: „So wie Jakob gegen Esau gekämpft hat, bist auch du im Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit gefallen. Ich werde weiterhin erzählen, wer du für mich und unsere Nation gewesen bist.“

Den Berichten der Trauernden zufolge war Juval ein warmherziger, aufmerksamer junger Mann, der immer, wenn es irgendwo brannte, sofort zur Stelle war. Freiwillig. Bis zum Schluss. Als die Hamas am 7. Oktober Südisrael angriff, bereiste Juval gerade mit seiner Freundin Thailand. Es war die große Reise, nachdem er zuvor einen Freiwilligendienst in Israel und dann den obligatorischen Militärdienst absolviert hatte.

Als Juval von dem Massaker hörte, wartete er nicht auf den „Zav 8“, den Einberufungsbefehl für Zivilisten zum Reservedienst. „Er meldete sich sofort freiwillig und suchte verzweifelt nach einem Flug“. Wenige Tage später kam er nach Israel und meldete sich bei der Armee.

Der Nachruf eines Kameraden

Omer, ein Kamerad, erinnert sich: „30 Tage sind vergangen und immer noch ist es schwer, zu begreifen, dass du nicht mehr bei uns bist. Wir sind mitten im Krieg und versuchen, zu verstehen, was passiert. Deine Geschichte ist wie einem Hollywoodfilm entnommen: An den traumhaften Stränden Thailands hörst du von den Gräueln am 7. Oktober. Der Sanitäter in dir versteht die Wunde, die unserem Land zugefügt haben. Und du weißt, dass du sofort zurückkommst. Du brauchst keinen Einberufungsbefehl und keine Kommandoposition. Du sagst unserm Kompaniechef sofort, dass er alles vorbereiten soll. ‚Wo ist die Waffe, wo sind die Kameraden?‘ Dein großes Herz füllt die ganze Geschichte in diesem Film!

Eigentlich hättest du Kommandeur der Abteilung sein sollen. Das waren große Fußstapfen, in die du trittst. Aber wir haben dich gewollt. Wir haben uns gefragt: ‚Wer ist dieser energiebeladene Mann, mit dem schönen Lächeln und fast übertriebener Professionalität, der Mensch, der zu reden weiß und mit jedem Thema vertraut ist?!‘ Wir haben dich gewählt. Aber mit Leichtigkeit hast du dich bewiesen und gezeigt, was du für ein Kämpfer, Bruder und großer Mensch warst!“

Foto: Israelnetz/mh
Die Nationalbibliothek in Jerusalem zeigt an einer Wand die Fotos von denen, die seit dem 7. Oktober ermordet wurden, gefallen sind oder an den Verletzungen gestorben sind
Foto: Israelnetz/mh
Darunter sind auch 411 Soldaten, einer von ihnen ist Juval Silber

Omer bringt Beispiele, wie Juval immer der erste war, der sich meldete, wenn es etwas zu tun gab. „Ob es am Schabbatmorgen Aufgaben zu erledigen gab – du warst der erste, der aufstand. Wenn es Wasser- oder Thunfischdosen für die Kameraden zu schleppen gab: ‚Klar, ich bin hier‘. Wann immer die Ausrüstung geputzt werden musste: ‚Silber steht an eurer Seite‘! Wenn irgendwas mal nicht klar war, musstest du nicht reden. Ein Blick, ein Lächeln, ein Augenzwinkern.“

Eine Verbindung für das ganze Leben

Der Soldat berichtet weiter: „Als wir deine Familie kennenlernten, verstanden wir, woher dieses Lächeln und deine Energie kommt. Als dein Vater uns Fotos und Videos von dir zeigte, erzählte er uns, dass du schon als kleiner Junge wusstest, dass du ein Kämpfer und großer Kommandant werden wolltest. Dieser kleine Junge ist als Held Israels gestorben. Nur damit bei dir kein Zweifel aufkommt: Deine Familie haben wir längst adoptiert. Unser Kader wird ihnen für immer ein Zuhause bieten. Silber, wir dienten nur zweieinhalb Wochen zusammen. Aber von jetzt an unser ganzes Leben! Wir gehen zurück und beenden die Arbeit. Und dich behalten wir für immer in unseren Herzen.“

Itai Silber, Juvals Vater, erzählt am Mikrofon: „Als Held hast du am 1. November gekämpft und am Abend hörte ich das Klopfen an der Tür. Damit brach der Himmel über mir zusammen.“

Ein Freund der Familie Silber singt bei der Grabsteinlegung das Lied „Ana efna? Wohin soll ich mich wenden?“

Itai erinnert sich, schluchzend und lachend zugleich: „Wenn ich bei den Demonstrationen mit dem Handy umherlief und unsere Hymne nicht mit ungeteilter Aufmerksamkeit mitsang, hast du mich ermahnt. Du hast mir gesagt, dass es wichtig ist, dass wir sie singen und das ernsthaft tun. Du hast unser Land geliebt.“

Wie jede von der Armee organisierte Zusammenkunft wird auch diese Stunde mit der israelischen Nationalhymne, „HaTikva“ beendet. Darin heißt es: „Noch ist die zweitausend Jahre alte Hoffnung nicht verloren, in unserem Land, in Zion und Jerusalem, ein freies Volk zu sein.“ Mit dieser Hoffnung war auch Juvals Savta Jona schon nach Israel gekommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

4 Antworten

  1. ‚Einer der ersten Soldaten, die im Krieg (gegen die Hamas) fielen, war Juval Silber‘. Ein Held? Ja.

    16
  2. Danke für den Bericht. Es ist wichtig, die Erinnerung an Juval Silber aufrecht zu halten.

    3
    1. Ein Kampf aufnehmen wiessend das er keine Überlebensschance hat. Trotzdem durch sein Kampf hatten Leute paar Minuten mehr Zeit. Zeit die vielleicht denen leben gerettet hat. Das finde ich Heldentum. Und ich weiß wovon ich spreche. Ruhe in Frieden kamarad. Deine Taten werden nicht vergessen sein. Es wird wird leider nicht Letzte Soldat oder Soldatin die Gefallen werden. Israel wird aber dank ihnen und Idf überleben. So war es in meiner Zeit und so wird das leider immer weiter gehen bis die Iranisch mullas nicht eliminiert sind. Die sind eine Gefahr auch für Europa.

      2

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen